Entwicklungshilfe in Ghana: Lernen und Helfen in Kumasi

Entwicklungshilfe in Ghana : Lernen und Helfen in Kumasi

Zwei junge Meckenheimerinnen leisteten Entwicklungshilfe im westafrikanischen Ghana

"Es ist eine Erfahrung gewesen. Ich würde jedem empfehlen, so eine Reise mal zu machen", sagt Vanessa Kesternich über die vier Wochen, die sie in Kumasi, der zweitgrößten Stadt im westafrikanischen Staat Ghana, verbracht hat. Alicia Eble, die sogar drei Monate in dem Land tätig war, kann das nur bestätigen.

Die beiden jungen Frauen leisteten Entwicklungshilfe in Ghana im Rahmen des Programms "Konkreter Friedensdienst" der Landesregierung NRW, durchgeführt von Engagement Global. Ermöglicht wurde der Einsatz unter anderem auch durch die langjährige Partnerschaft zwischen der Pfarreiengemeinschaft Meckenheim und der Gemeinde St. Paul in Kumasi.

Eble hatte nach ihrem Abitur bereits ein Jahr in Neuseeland verbracht und wollte ihre Auslandserfahrung erweitern. Sie studiert Soziale Arbeit und kann sich gut vorstellen, nach dem Studium in der Entwicklungshilfe tätig zu sein.

"Durch den Aufenthalt in Ghana habe ich wertvolle Erfahrungen sowohl für meine spätere Laufbahn als auch für mich persönlich gesammelt." Sie unterstützte vor Ort einen Kindergarten und eine Grundschule.

Kesternich, die im nächsten Jahr ihr Abitur im medizinischen Bereich absolviert, war in der Notaufnahme und im Operationssaal eines Krankenhauses tätig und unterstützte zudem die Grünen Damen, eine Initiative, die durch die Gemeinde Meckenheim in Kumasi etabliert wurde. "Ich finde freiwilliges Engagement sehr wichtig und wollte die Unterschiede zwischen Deutschland und Ghana kennenlernen", so Kesternich.

Die Lebensumstände in Ghana seien ganz anders, und auch kulturelle Unterschiede gebe es viele, berichteten beide. "Ich habe zwei Wochen gebraucht, um mich einzufinden und den Kulturschock zu überwinden", so Eble. Die Ghanaer seien begeisterte Christen und die Messen in den Kirchen seien sehr laut, zudem werde sehr viel gesungen.

Auch die alltäglichen Umgangsformen seinen etwas anders und gegessen werde meistens mit den Händen. Jeder Ghanaer werde mit zweitem Vornamen nach dem Wochentag benannt, an dem er geboren wurde. Der Tag der Geburt spiele eine sehr wichtige Rolle in der Gemeinschaft.

Besonders angetan waren die Meckenheimerinnen von der ausgeprägten Gastfreundschaft, mit der sie in Ghana empfangen wurden. "Die Leute geben sich wirklich Mühe und sind sehr liebenswert", so Eble. Auch fiel den beiden Helferinnen auf, dass die Frauen in Ghana sehr selbstbewusst uns dominant wirken. "Wie es innerhalb der Familien aussieht, weiß ich aber nicht", sagte Eble.

Bedenken um ihre Sicherheit hatten Kesternich und Eble nicht. "Junge Damen reisen in dem Land sicher", meinte auch Ernst Schmied, Sprecher der Gemeindepartnerschaft Kumasi-Meckenheim. Sorgen machten sie sich daher vor allem um die sprachliche Verständigung. Twi gehört zu den 30 Hauptsprachen, die in Ghana gesprochen werden, und ist auch in Kumasi verbreitet. "Die meisten Leute sprechen aber sehr gut Englisch", berichtete Kesternich.

Der Konkrete Friedensdienst gewährt jungen Menschen zwischen 18 und 25 Jahren, die Entwicklungshilfe leisten möchten, finanzielle Unterstützung. Mehr als 8000 junge Helfer aus NRW profitierten in den vergangenen 30 Jahren davon. Voraussetzung zur Teilnahme ist, dass sie ihr Projekt in Eigeninitiative organisieren und vor Ort durch eine Partnerorganisation unterstützt werden.

Die Partnerschaft Kumasi-Meckenheim besteht seit 1986. Ihre Ziele sind die Förderung der weltkirchlichen Begegnung, des gegenseitigen Lernens, Unterstützung bei Bildungsprojekten sowie die entwicklungspolitische Vernetzung. Regelmäßig werden Bildungs- und Informationsveranstaltungen organisiert, auch finden gegenseitige Besuche statt.

Ghana ist ein westafrikanisches Land und grenzt an die Elfenbeinküste, Burkina Faso, Togo, sowie den Atlantik. Rund 28,8 Millionen Menschen leben dort, davon etwa 2,5 Millionen in der Hauptstadt Accra. Ghana war britische Kolonie, bis heute ist Englisch Amtssprache. In dem Vielvölkerstaat werden 79 verschiedene Sprachen gesprochen und neben staatlichen Strukturen sind auch Stammesverbände immer noch von großer Bedeutung.

Zu den einflussreichsten ethnischen Gruppen zählen die Akan, deren bekannteste Untergruppe die Ashanti sind. Die Mehrheit der Bevölkerung gehört dem Christentum an.

Wer am Konkreten Friedensdienst interessiert ist, kann sich an Ernst Schmied, den Sprecher der Partnerschaft Meckenheim-Kumasi, wenden: ernst.schmied@gmx.net.