Nach Tod einer Reiterin in Meckenheim: Keine Ermittlungen wegen Tierquälerei

Nach Tod einer Reiterin in Meckenheim : Keine Ermittlungen wegen Tierquälerei

Im Fall der Mitte Juli dieses Jahres von einem Pferd tödlich verletzten Pferdetrainerin Christine Wels hat die Bonner Staatsanwaltschaft keine weiteren Ermittlungen aufgenommen.

Die 67 Jahre alte Ausbilderin, renommierte Dressurreiterin und ehemalige Weltcupfinalistin, war am 14. Juli bei der sogenannten Bodenarbeit mit einem Pferd in der Trainingshalle eines Meckenheimer Reitstalls von dem Tier getreten und dabei am Kopf getroffen worden. Drei Tage später erlag die aus Norddeutschland stammende Frau ihren schweren Verletzungen in einem Krankenhaus.

Keine Hinweise auf Fremdverschulden

Eine staatsanwaltlich angeordnete Obduktion hatte keine Hinweise auf ein Fremdverschulden ergeben. Der Tierschutzverein Bonn hatte anschließend Strafanzeige wegen Tierquälerei gegen den Reitstallbetreiber und einen Pferdebesitzer, nach GA-Informationen, den Auftraggeber von Christine Wels, gestellt.

Die Pferdesportlerin, die 1992 beim Dressurweltcup-Finale im schwedischen Göteborg den neunten Platz belegte, war unter anderem 2008 vom Landgericht Kiel wegen Tierquälerei zu einem Jahr und neun Monaten auf Bewährung verurteilt worden. Außerdem sprach das Gericht ein dreijähriges Tierhaltungsverbot aus, weshalb sie fortan in Dänemark tätig war.

Heftige Kritik von Tierschützern

Für ihre Ausbildungsmethoden an den edlen Vierbeinern erntete die Reiterin immer weder heftige Kritik von Tierschützern. So auch offenbar jetzt in Meckenheim. Wie eine Reiterin dem GA sagte, habe sie - nach ihrer Aussage - des öfteren Striemen, Sporenspuren und andere Verletzungen am Körper des Pferdes entdeckt, welches Mitte Juli austrat und Wels tödlich verletzte.

Und: Bereits vor dem Unfall hatte eine Tierärztin, deren Name dem GA bekannt ist, die allerdings nicht namentlich genannt werden will, Wels wegen Tierquälerei angezeigt, diese Eingabe aber wenige Tage nach dem Tod der Reiterin zurückgezogen. Der Veterinärin waren Striemennarben und offene Flanken an mehreren Pferden aufgefallen, die von der frühren Weltcupreiterin trainiert worden waren.

Wie Oberstaatsanwältin Monika Volkhausen dem GA sagte, habe es "keine zureichenden Anhaltspunkte für einen Verstoß gegen das Tierschutzgesetz" gegeben. "Die bloße Vermutung, man muss doch was mitbekommen haben, reicht nicht aus", erklärte Volkhausen. So habe der in Norddeutschland ansässige Pferdebesitzer selbstständig nach den folgeschweren Tritten seines Tieres gegen Wels eine Tierärztin kontaktiert und diese um eine Untersuchung des Tieres gebeten.

Bonner Behörde hat keine Hinweise auf Tierquälerei

Dies mache niemand, der etwas zu verbergen versuche - beispielsweise mögliche Verletzungen durch Tierquälerei. Laut Volkhausen liegen der Bonner Behörde ferner keinerlei Hinweise vor, dass Wels während ihrer Zeit im Rhein-Sieg-Kreis strafrechtlich in irgendeiner Weise in Erscheinung getreten sei.

Dass Christine Wels die ihr anvertrauten Tiere drangsaliert haben soll, kann sich auch Toni Lamberz, Besitzer des Meckenheimer Reitstalls, in dem der Unfall passierte, nicht vorstellen. "Sie hat die Tiere gefordert, aber nicht gequält", sagte Lamberz dem GA. Seit November vergangenen Jahres habe Wels die Räumlichkeiten des Lüftelberger Stalls genutzt, um mit den ihr anvertrauten Pferden zu arbeiten. "Ich bin jeden Tag hier. Wenn was gewesen wäre, so wäre mir das aufgefallen."

Das tragische Geschehen am 14. Juli habe Lamberz nicht mit eigenen Augen verfolgt. Er habe die Trainerin im Sand der Trainingshalle liegend vorgefunden und sogleich den Notarzt verständigt. Das Pferd, welches austrat und die 67-Jährige an der Stirn traf, sei nach seiner Erkenntnis zuvor nie auffällig gewesen. "Das war ein absolut liebes Pferd", berichtete er. Der Hengst sei Wels gegenüber sogar so zutraulich und anhänglich gewesen, dass er seiner Trainerin des öfteren hinterhergelaufen sei.

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