Energiepark in Rheinbach und Meckenheim: Kaum Gegenwind für Windräder

Energiepark in Rheinbach und Meckenheim : Kaum Gegenwind für Windräder

Die Aufforderung, weiße Tischdecken bemalen zu dürfen, ist für manche Menschen ein unterdrückter, kindlicher Wunschtraum. Ganz verblüfft reagierten darum einige der etwa 50 Besucher der Bürgerinformation zum interkommunalen Engagement der Städte Rheinbach und Meckenheim in Sachen Windkraft.

Thementische waren im Foyer der Rheinbacher Stadthalle aufgestellt: Und auf deren papiernen Decke sowie auf bunten Kärtchen durften die Teilnehmer ihre "Anregungen", wie es in der Sprache von Behörden heißt, zu dem Bebauungsplanverfahren frank und frei verewigen - Kritik ebenso wie Lob.

Anstatt im Plenum konnten die Zuhörer an den Tischen auch ihre Fragen loswerden - so zum Artenschutz, zur Rechtslage, der Schall- oder Schattenwurfproblematik, den Restriktionen sowie dem Landschafts- und Ortsbild.

Eine sogenannte Konzentrationsfläche für Windenergieanlagen (WEA) an den Landstraßen L 158 und L 163 ist bereits seit 2004 in den Bebauungsplänen "Auf dem Höchst" (Meckenheim) und "Bremeltal" (Rheinbach) verankert. Sechs bis maximal neun Räder von 100 bis 150 Meter Gesamthöhe könnten sich bald auf der Grünfläche drehen. Einen Investor gibt es noch nicht, beide Städte erstellen erst eine Planung, um die Rahmenbedingungen eines möglichen Energieparks festzuzurren.

Die Krux des Verfahrens: "Gäbe es die Konzentrationszone nicht, wären überall im Stadtgebiet Windräder möglich", erklärte Robin Denstorff, der zuständige Rheinbacher Fachbereichsleiter, in seinem Impulsvortrag, bevor es an die Thementische ging. "Das hätte Wildwuchs zur Folge, den wir nicht wollen." Noch bis Donnerstag, 4. Dezember, können die Rheinbacher und Meckenheimer ihre Anregungen schriftlich bei beiden Verwaltungen einreichen.

Felix Pauli, Rechtsanwalt der Kanzlei Lenz und Johlen aus Köln und Fachanwalt für Verwaltungsrecht, machte deutlich, dass die Bürger im Frühjahr ein zweites Mal die Möglichkeit haben, sich zu den Plänen zu äußern. Anschließend obliege es den Stadträten, Abwägungsentscheidungen zu treffen. Heißt: Die Kommunalpolitiker wägen ab, ob der Einwand in den Bebauungsplan einfließt oder abgewiesen wird.

Der Rheinbacher Gegenwind zu den Plänen der beiden Kommunen hielt sich im Stadthallenfoyer in Grenzen. Kritik eines Zuhörers, die vom Ingenieurbüro Lange aus Moers erstellten Visualisierungen der Räder an ihren möglichen Standorten, seien aus "beschönigendem Blickwinkel fotografiert", wies Denstorff zurück: Die Blickwinkel seien spontan ausgesucht, nicht danach, ob die Räder möglichst verdeckt zu sehen sind.

Für die örtlichen Waldbesitzer erinnerte Bürger Michael von Brauchitsch daran, dass es in den Höhenorten Rheinbachs Flächen gebe, an denen, so Brauchitsch, nicht nur bessere Windverhältnisse herrschten, sondern auch größere Abstände zur Wohnbebauung möglich seien. "Sie sollen nicht das Gefühl haben, es gibt nur den Standort zwischen Rheinbach und Meckenheim", sagte er. Denstorff berichtete, dass über die Höhenareale bereits 2004 gesprochen worden sei, sie aber nicht weiterverfolgt worden seien.

Dann ging es an die fünf Thementische. Es hatte etwas von Speeddating, dem Kennenlernen mit Stoppuhr, dass die Zuhörer etwa 20 Minuten Zeit hatten, ihre Fragen zum Sujet zu äußern, die die Fachleute des Ingenieurbüros zu beantworten versuchten. Auch in den Kleinrunden war der Umgangston moderat. Ein Flerzheimer äußerte die Furcht, ein bis zu 150 Meter hohes Windrad könnte dem 53 Meter hohen Turm der Flerzheimer Kirche den Rang als Wahrzeichen ablaufen. Diese Befürchtung teilte Wolfgang Kerstan vom Ingenieurbüro nicht: "Windräder sind in ihrer Wahrnehmung sehr subjektiv." Und sie seien bei Weitem nicht so bedrohlich wie etwa ein Atomkraftwerk.

Für heute lädt die Stadt Meckenheim zur Bürgerinformation ein. Beginn ist um 18.30 Uhr im Saal des Verwaltungsgebäudes Im Ruhrfeld 16.