Umstellung auf schnelle Glasfaserverbindungen: Heimerzheimer Unternehmen hat Dauerproblem mit der Telekom

Umstellung auf schnelle Glasfaserverbindungen : Heimerzheimer Unternehmen hat Dauerproblem mit der Telekom

Plötzlich waren die Telefone tot. Das Heimerzheimer Serviceunternehmen Hemgesberg hat seine Probleme mit der Telekom. Bei der Umstellung des Internets auf schnelle Glasfaserverbindungen blieb das Telefon auf der Strecke. Die Telekom entschuldigt sich.

Wenn das Internet Probleme macht, ist das schon im privaten Bereich ärgerlich. Solcher Ärger ist aber rein gar nichts, wenn eine Firma von Internet-Problemen betroffen ist, die zwingend auf die Zuverlässigkeit, Stabilität und Schnelligkeit der Onlineverbindung angewiesen ist. Von massiven Dauerproblemen mit der Telekom geplagt ist das Heimerzheimer Unternehmen Hemgesberg. Günter Hemgesberg betreibt seit fast 20 Jahren im ehemaligen Hof Mauel an der Kirchstraße ein Serviceunternehmen.

Als er es vor etwa vier Jahren verkaufen wollte, sind stattdessen seine Kinder eingestiegen: Sohn Roman ist Diplom-Ingenieur, Fachbereich Elektrotechnik und Automatisierungstechnik, und Tochter Lara hat als Master of Brand Strategy im Unternehmen den Bereich Strategie- und Markenfindung inne. Mit seinen inzwischen 15 Mitarbeitern pflegt das Unternehmen von Heimerzheim aus die Websites diverser Konzerne der Automobilbranche sowie acht eigene Websites.

„Diese Dinge müssen absolut sicher sein. Alle 15 Minuten erfolgt eine Datensicherung. Dafür haben wir die schnellste Hardware, die man kaufen kann“, erklären Günter und Roman Hemgesberg. Für die Daten- und Hackersicherheit stehe eine geheime Lösung zur Verfügung, Ziel sei allerdings eine kryptographische Absicherung auf speziellen Servern. Für alles ist das Unternehmen auf eine Glasfaserleitung mit entsprechender Verbindungsgeschwindigkeit angewiesen. „Wir brauchen im Upload und im Download 100 Megabit pro Sekunde“, so die Hemgesbergs.

Weil diese Kapazitäten in Heimerzheim – wie berichtet – aber nicht zur Verfügung standen, hatte sich das Unternehmen zwischenzeitlich schon nach Köln orientiert und dort bereits Räume angemietet. Erst als Roman Hemgesberg durch eigene Initiative herausfand, dass an der gegenüberliegenden Kirche eine Glasfaserleitung liegt, um den Mobilfunk im Turm zu versorgen, ließ sich das Verbindungsproblem lösen und die Entscheidung fiel, nun doch am angestammten Standort Heimerzheim zu bleiben. Damit waren aber die Probleme noch nicht gelöst. Denn mit der geplanten Umstellung im Sommer 2018 begannen sie erst richtig – mit der Telekom.

Plötzlich waren die Telefone tot

Die einzelnen Phasen der sich seit über einem Jahr hinziehenden Probleme hat Roman Hemgesberg detailliert aufgelistet und die „Highlights“ so zusammengefasst: „Am 6. Mai wurde ohne Absprache die Möglichkeit, über die Glasfaser zu telefonieren, deaktiviert. Auf die Beschwerden bezüglich der angedrohten und dann der tatsächlich durchgeführten Kündigung wurde nicht reagiert. Trotz des bestehenden Folgeauftrags wurde die ausgehende Telefonie am 25. März abgeschaltet. Ein Hinweis, dass trotz des Folgeauftrags Handlungsbedarf besteht, erfolgte nicht.“

Kopfschüttelnd erinnern sich Günter und Roman Hemgesberg: „Das hieß: nichts geht mehr. Das war schon eine radikale Nummer. Wir konnten nicht mehr telefonieren, nur noch über unsere Handys.“ Letzten Endes habe man „nach einem Strohhalm gegriffen“ und eine Behelfslösung installiert, die allein 738,15 Euro im Monat kostet, ohne die Gebühren und Kosten für die Glasfaser. „Wir beschweren uns seither relativ regelmäßig, aber die Telekom kommuniziert seither nicht mehr. Das ist aus unserer Sicht ein systematisches Versagen der Telekom“, sagen sie. Den ihnen entstandenen Schaden für Fehlersuche, Diagnose, Systemarbeiten zur Wiederherstellung und anderes beziffern sie auf mindestens 8500 Euro.

„Wir haben hier Potenzial, aber es wirft uns zurück, bindet Kapital und bindet Leistung. Das ist genau das, was man nicht gebrauchen kann, wenn man sich als Firma entwickeln will“, bringt es Günter Hemgesberg auf den Punkt.

Wie Katja Werz für die Deutsche Telekom dazu auf Anfrage des GA mitteilt, habe auch bei der Umstellung der Firma Hemgesberg auf IP-Technik der Key Accounter „mit dem Kunden über den gesamten Zeitraum in Kontakt“ gestanden. Deshalb bedauere die Telekom umso mehr, dass es für das Unternehmen wiederholt zu Schwierigkeiten und Verzögerungen gekommen sei.

„Für die entstandenen Unannehmlichkeiten bitten wir in aller Form bei der Firma Hemgesberg um Entschuldigung“, so die Telekom-Sprecherin. Und sie erklärt: „Die Umstellung hat sich verzögert, weil sich genau das als Hindernis erwiesen hat, was wir durch die IP-Umstellung beheben wollen: Zu viele technische Plattformen, die sich im ungünstigsten Fall gegenseitig behindern. Auch hierüber hat der Kundenservice die Firma Hemgesberg informiert.“

Werz weiter: „Aufgrund der technischen Schwierigkeiten wurde in Abstimmung mit dem Kunden das Alternativprodukt Deutschland LAN SIP-Trunk Pure gebucht. Seit Mitte Mai nutzt der Kunde diese Anschlussvariante auf Basis der IP-Technik. Die Firma Hemgesberg kann etwaige Schadenersatzforderungen beim Kundenservice geltend machen.“

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