Alter Friedhof in Meckenheim: Heimatforscher berät bei Fragen zur Denkmalwürdigkeit in Meckenheim

Alter Friedhof in Meckenheim : Heimatforscher berät bei Fragen zur Denkmalwürdigkeit in Meckenheim

Meinolf Schleyers Wissen über den Alten Friedhof in Meckenheim ist gefragt. Der Haupt- und Finanzausschuss votiert einstimmig dafür, den ehemaligen Diplom-Ingenieur zu den internen Beratungen über die Denkmalwürdigkeit des Friedhofs hinzuzuziehen.

Meinolf Schleyer kennt auf dem Alten Friedhof jeden Stein. Und was er über das Areal im Laufe der Jahre herausgefunden hat, gibt der Heimatforscher bei Führungen preis. Seine Kenntnisse über die Gräber und das Schicksal jener, deren Leichen in den Wirren des Krieges erst später gefunden wurden, schätzen in Meckenheim auch Politik und Verwaltung. Der Haupt- und Finanzausschuss votiert einstimmig dafür, den ehemaligen Diplom-Ingenieur zu den normalerweise internen Beratungen über die Denkmalwürdigkeit des Friedhofs und seiner Abschnitte hinzuzuziehen.

Anlass war eine Beschwerde Schleyers. Er monierte, dass lediglich ein Teil des historisch gewachsenen Friedhofs, nämlich die Umrandung eines kleinen Areals an der Bonner Straße, unter Denkmalschutz gestellt wurde. Dies entspräche weder den ortsgeschichtlichen Fakten noch den Eintragungen in der Denkmalliste.

Zudem habe man zwar dem Bereich mit den Kriegsgräbern einen Sonderstatus zugestanden, keinen haben dagegen die Gräber erhalten, in denen die ersten Tage nach der Bombardierung Meckenheims unter den Trümmern gefundenen Toten ruhen. Diese Menschen wurden seinerzeit in Familiengräbern bestattet, weil das Massengrab schon geschlossen war. Erst im vergangenen Jahr hatte die Stadt ein solches Grab geräumt, weil der offizielle Sonderstatus fehlte und man sich der historischen Fakten offenbar nicht bewusst war.

Viele Stunden hatte Schleyer zwecks Datensammlung und des Datenabgleichs für den Heimatverein im Stadtarchiv, im Kirchenarchiv von Sankt Johannes der Täufer, im Kölner Erzbischöflichen Archiv, im Landesarchiv in Duisburg und im Rheinbacher Grundbuchamt verbracht. Die Recherchen brachten auch weniger ruhmreiche Fakten ans Licht, etwa die Tatsache, dass der Friedhof seinerzeit von der preußischen Regierung vermutlich enteignet wurde.

Nicht nur hinsichtlich der Denkmalschutzwürdigkeit der verschiedenen Friedhofsbereiche seien laut Schleyer Fehler unterlaufen, auch das vorgelegte Zahlenwerk in verschiedenen Schriftwechseln sei nicht korrekt. So sei der Friedhof beispielsweise nicht erst zum Ende des 19. Jahrhundert angelegt worden. Quellen belegten, dass die katholische Kirchengemeinde Sankt Johannes der Täufer schon zu Beginn des 19. Jahrhunderts einen Teil des heutigen Geländes an den damals zuständigen Pfarrer Clemens verpachtet hatte, damit dieser dort einen Friedhof anlegen könne. Tatsächlich wurde der Friedhof am Ende des 19. Jahrhunderts erweitert. Zudem seien in der Denkmalliste historische Begriffe nicht korrekt wiedergegeben. Dies könne jedermann auf der vor zwei Jahren vom Heimatverein gestifteten Tafel auf dem Alten Friedhof nachlesen.

Stiller Zeitzeuge der  Meckenheimer Historie

Der „Alte Friedhof“ ist ein stiller Zeitzeuge der Historie Meckenheims und erkläre teilweise noch heute bestehende Verhältnisse. Die schrittweisen Erweiterungen mit dem Kauf eines Grundstücks der jüdischen Familie Mendel sowie die Umsiedlung des Obsthofs Felten zwecks Friedhofserweiterung sind dort nachvollziehbar. Um all diese Fakten korrekt einzuordnen, bat Schleyer darum, an den Beratungen für die nach neuen Regeln zu erstellenden Denkmalliste teilhaben zu dürfen.

Während sich die Verwaltung zunächst gegen den Vorschlag stellte, plädierten die Ausschussmitglieder für eine Beteiligung Schleyers an den Gesprächen. „Niemand in diesem Raum weiß mehr über den Alten Friedhof als Herr Schleyer“, hörte man unter großer Zustimmung im Ratssaal. Wichtig sei es, dass man das im Sinne der Geschichte Meckenheims überprüft.