Erdbeeren aus dem Glashaus: Erdbeerernte in Swisttal hat begonnen

Erdbeeren aus dem Glashaus : Erdbeerernte in Swisttal hat begonnen

Beim Swisttaler Fruchthof Hensen haben Mitarbeiter im Gewächshaus die ersten heimischen Erdbeeren des Jahres gepflückt. Bis die Früchtchen auch im Freien reifen, dauert es aber noch.

Süß, fruchtig und bestens gewachsen: Mit der Qualität der ersten Erdbeeren ist Chefin Irmgard Hensen vom Fruchthof Hensen aus Mömerzheim mehr als zufrieden. Wie auch in den vergangenen Jahren hat die Ernte bereits in der zweiten Aprilwoche begonnen. Mit rund 5500 Kilogramm pro Woche halte sich der Ertrag zwar noch in Grenzen, „aber in den kommenden Wochen wird er sich kräftig steigern“, erzählt Hensen.

Rund 70 Saisonarbeiter sind bereits im Einsatz – in der Hochzeit von Mai bis August sind es zwischen 400 und 450. Dann werden die verfrühten Sorten und die Normalkultur im Freiland, die mit Stroh abgedeckten und damit verspäteten Sorten sowie die Terminkulturen und die immertragenden Sorten gepflückt. Sie arbeiten auf den Feldern, kümmern sich um den Transport ins Kühlhaus, prüfen die Qualität, sortieren und verpacken die Beeren. „Mit der Verpackung richten wir uns ganz nach dem Kunden. Aber auch das Plastik ist bei den Schalen wiederverwertbar“, erzählt die 52-jährige gelernte Versicherungskauffrau.

Die meisten Saisonarbeiter kommen aus Rumänien – einige gehören seit Jahren zum Stammpersonal. Wie zum Beispiel Patricio. Er ist seit 13 Jahren jedes Jahr in Swisttal dabei, mittlerweile spricht der 38-Jährige recht gut Deutsch. „Es ist eine gute und nicht so schwere Arbeit“, stellt er fest.

Er steht im Glashaus, wo in 322 Reihen Blumenkästen stehen, in denen die Pflanzen seit Februar kontinuierlich bei 15 Grad Celsius schneller reifen. Die Früchte werden mit Stil abgepflückt und dann vorsichtig in eine Kiste gelegt.

Erdbeeren auf sieben Hektar

Auf einer Fläche von insgesamt sieben Hektar pflanzt der Betrieb in zwei Glashäusern und einem Gewächshaus mit Folienüberdachung die Sorten „Elsanta“ und „Opera“ an. „Elsanta“ werde im kommenden Jahr wahrscheinlich aus dem Programm genommen, da „sie in ihrer Konsistenz zu weich ist für lange Transporte“, erklärte Hensen. „Der Lebensmittel-Großhandel möchte für die Kunden festere Früchte haben.“ Lebensmitteleinzelhändler und Großhändler in ganz Deutschland verkaufen die Früchte aus Mömerzheim. Der Fruchthof verkauft seine Beeren von April bis Juni auch selbst am Werk in der Dr.-Josef-Ströder-Straße 25 und an Ständen in Euskirchen, Weilerswist und Erftstadt – für 3,90 Euro pro 500 Gramm.

Der Mindestlohn liege für landwirtschaftliche Betriebe mittlerweile bei 9,19 Euro, erzählt Hensen. „Durch den Lohnanstieg wird es für uns finanziell schwieriger. Denn die Preise für Erdbeeren im Verkauf steigen ja nicht.“ Außerdem müsse der Arbeitgeber noch die Sozialabgaben von 21 Prozent für länger Beschäftigte zahlen. Auch den Arbeitern brächte die Lohnerhöhung nicht mehr Geld ins Portemonnaie.“ Letztlich haben sie nur sieben Euro netto in der Tasche. Deshalb zahlen wir auch zehn Euro die Stunde. Damit mehr übrig bleibt“, sagt Hensen.

Die Erntehelfer fühlen sich dem Anschein nach wohl auf dem Betriebsgelände. Gleich hinter dem Hof sind sie in einem Containerdorf untergebracht, wobei sich die Stammbelegschaft ihre Unterkünfte mit Gardinen und Blumen verschönt hat. Mit Alin und Adele vertritt eine Art Betriebsrat die Interessen der Arbeiter. Im Sommer wird er neu gewählt. „Denn Adele kommt in diesem Jahr aus privaten Gründen nicht mehr“, sagt Hensen. Sie ist gespannt, wer dann kandidieren wird.

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