"Planerischer Glücksgriff": Einkaufszentrum in Heimerzheim wird ausgebaut

"Planerischer Glücksgriff" : Einkaufszentrum in Heimerzheim wird ausgebaut

Die Bürgermeisterin von Heimerzheim, Petra Kalkbrenner, stellt die Pläne für die Erweiterung des örtlichen Einkaufszentrums vor. Neue Geschäfte sollen die Kaufkraft im Ort binden.

Als „planerischen Glücksgriff“ hat Bürgermeisterin Petra Kalkbrenner vor etwa 15 Mitgliedern des Gewerbevereins Swisttal die Weiterentwicklung des Einzelhandelsstandortes Metternicher Weg durch ein Fachmarktzentrum und die Realisierung von Wohnungsbau bezeichnet. „Das Ziel ist, damit die Grundversorgung zu erhalten und die Kaufkraftbindung an den Ort zu stärken“, sagte sie. Bis zur Realisierung werden allerdings noch zwei bis zweieinhalb Jahre ins Land, prognostizierte sie.

Denn zurzeit befindet sich das Verfahren in der Phase der vorgezogenen Beteiligung von Öffentlichkeit und Trägern Öffentlicher Belange zur Aufstellung des entsprechenden Bebauungsplan mit dem sperrigen Namen „Heimerzheim Hz 32 Metternicher Weg“.

Der Gewerbeverein möchte sich in die politische Diskussion einbringen, so dessen Vorsitzender Stefan Lütke, und „nicht hinterherlaufen“. Es gebe die Sorge, dass einige der Mitglieder unter der Entwicklung leiden könnten. „Auch der Gewerbeverein kann sich jederzeit einbringen, jede einzelne Stellungnahme wird gewichtet und abgestimmt“, betonte die Bürgermeisterin.

Keine neuen Apotheken benötigt

Aus ihrer Sicht werde das neue Fachmarktzentrum auch dem Ortskern gut tun, weil es Kaufkraft im Ort binden werde, die bislang in Ermangelung eines bedarfsgerechten Angebots zum Beispiel nach Weilerswist abgewandert sei. Als „gravierendsten Punkt für den Gewerbeverein“ und als Herausforderung machte die Bürgermeisterin aus, dass keine Apotheken im Fachmarktcenter angesiedelt werden. „Wir brauchen da keine Apotheken mehr, wir haben genügend im Ort“, sagte Kalkbrenner. „Wir müssen ganzheitlich denken: an den Ortskern und das Fachmarktzentrum.“

Das sah auch Michael Pieck von der IHK Bonn/Rhein-Sieg so: „Man muss alle Dinge miteinander denken.“ Eine einfache Lösung gebe es nicht, war er sicher. Aber einen Ansatz nannte er: „Man muss Anlässe schaffen, damit die Menschen im Ortskern bleiben.“

Wie berichtet, plant der Investor „Fachmarktzentrum Heimerzheim GbR“ mit Sitz in Bornheim auf dem derzeit brachliegenden Grundstück gegenüber dem vorhandenen Fachmarktzentrum am Metternicher Weg großflächige Nahversorgungsfachmärkte.

Aldi Süd zieht ein

Konkret werden der Textilmarkt Kik und Netto nach gegenüber umziehen und Aldi Süd von seinem jetzigen Standort Dützhofer Straße an den Metternicher Weg verlagert werden, bei gleichzeitiger Erweiterung der Verkaufsfläche auf 1350 Quadratmeter. Die Fläche des bisherigen Netto-Marktes soll dann vom bestehenden Rewe-Markt genutzt werden für eine Erweiterung auf insgesamt 1700 Quadratmeter Verkaufsfläche. „Herzstück und großer Wunsch“, so Kalkbrenner, ist der neue dm-Drogeriemarkt. Auch ein Markt des Non-Food-Discounters „Action“ soll angesiedelt werden. Wichtiges Element der Entwicklung am Standort: drei Einheiten für insgesamt etwa 18 Wohnungen „im Bereich des bezahlbaren Wohnens“.

Auf Nachfrage wies die Bürgermeisterin auf die Potenzialanalyse hin, die ein positives Ergebnis erbracht habe. IHK-Mann Pieck bestätigte die relativ hohe Kaufkraft in Swisttal und sah bei der Einzelhandelszentralität in der Gemeinde „noch Potenzial nach oben“. Hermann Schlagheck wies auf die vielen Auspendler aus Swisttal hin, die ihre Einkäufe auf dem Nachhauseweg erledigen. Er befürchtete, dass sich das höchstens durch höhere Attraktivität ändern würde. Genau dies sah die Bürgermeisterin durch das neue Fachmarktcenter gegeben.

Versorgung der Bewohner im Höhenbereich gefährdet?

Problematisch werde die Versorgung für die Bewohner im Höhenbereich von Heimerzheim, wenn Aldi „nach unten“ ins neue Marktzentrum ziehe, so Schlagheck. Das Fachmarktzentrum müsse ebenso wie der Ortskern mit ÖPNV erreichbar sein, so die Bürgermeisterin. Da werde es möglicherweise Verbesserungen geben müssen.

„Oder wir werden in Zukunft noch ganz anders denken müssen“, sagte sie und nannte als Beispiel, dass sogar schon Golf Karts mit Straßenzulassung gebe, mit denen man zum einkaufen fahren könne. Einige Mitglieder des Gewerbevereins machten verschiedene Parkplatzprobleme im Ortskern aus, wie unbeleuchtete Plätze hinter dem Alten Kloster oder schlechte Ausschilderung.