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Forderungen der Lüftelberger: Die S 23 soll an Werktagen wieder am Bahnhof Kottenforst halten

Forderungen der Lüftelberger : Die S 23 soll an Werktagen wieder am Bahnhof Kottenforst halten

Am Bahnhof Kottenforst fahren die Züge durch. Anwohner aus Lüftelberg wollen das ändern. Der NVR will daher die Forderung prüfen.

Senioren, Studenten, Eltern und Kinder haben ein Banner am Bahnhof Kottenforst aufgehängt. Darauf fordern Lüftelberger, dass Züge der S-Bahn 23, insbesondere an den Werktagen, wieder an der ehemaligen Bedarfshaltestelle stoppen sollen.

„Bahnhof ohne Zug? Bedarfshalt jetzt!“ postulieren rund 20 Anwohner, die stellvertretend für den Ort und für die in den nächsten Monaten ins Neubaugebiet ziehenden Bürger sprechen. Alle setzen sich für die Wiederinbetriebnahme des Bahnhofs Kottenforst als Bedarfshalt während der Woche ein. Aktuell hält der Zug dort nur an den Wochenenden – aber auch nur auf Bedarf. Auch Erholungssuchende aus Bonn und Umgebung hätten es mit einem Stopp auf Anforderung der Fahrgäste oder am Bahnhof wartender Personen wieder leichter, die beliebte Ausflugsgaststätte am Bahnhof Kottenforst zu besuchen.

Zuganbindung wichtiger Grund für den Umzug

Für mehrere Hunderttausend Euro sei der Bahnhof vor einigen Jahren saniert worden, sagte Gösta Hoffmann, der seit etwa drei Jahren in Lüftelberg wohnt. Die Anbindung an den Schienenverkehr sei damals ein wichtiger Grund für die Entscheidung gewesen, sich dort niederzulassen. Kurz nachdem er und seine Frau in ihr neues Heim eingezogen waren, legte die Bahn jedoch den Bedarfshalt innerhalb der Woche still. „Wir haben hier eine funktionierende, barrierefreie Infrastruktur, der Bahnhof wird beleuchtet, das Grün wird gepflegt und im Winter wird gestreut“, sagt Hoffmann und fügt hinzu: „Wir haben nur keinen Zug.“

Dass kein Zug hält, ist auch den Familien mit aktuell elf schulpflichtigen Kindern im Alter zwischen sechs und 18 Jahren ein Dorn im Auge. „Unser Sohn konnte hier früher mit dem Zug zur Schule fahren“, berichtet Robert Wiesel, einer der Aktiven. Den Alternativvorschlag, die Schüler mehr als einen Kilometer lang über eine weitgehend einspurige, gehweglose Straße im Wald zu einer Bushaltestelle an einer viel befahrenen Landesstraße zu schicken, hält er nicht für praktikabel. Die Strecke sei ebenso wie die auf der Landesstraße kaum wahrnehmbare Bushaltestelle zu gefährlich. „Außerdem müsste ich da erst mit dem Rad hinfahren, um mit dem Bus zu fahren“, erklärte Wiesels Sohn Konstantin. Der Zehnjährige wird nach dem Sommer eine Schule in Bonn besuchen. Auch dorthin würde er lieber mit dem Zug statt mit dem Elterntaxi fahren.

NVR verneinte nach Testphase ausreichenden Bedarf

Lüftelbergs Ortsvorsteher Siegfried Schwaner hatte sich im Winter 2018/2019 im Namen der Bürger an die Nahverkehr Rheinland (NVR) GmbH gewandt und auf den gestiegenen Bedarf hingewiesen. In der Testphase während der Fahrplanjahre 2016 und 2017 habe man dort keinen ausreichenden Bedarf feststellen können, das Minimum von einem Ein- oder Aussteiger in jedem vierten Zug sei nicht erreicht worden, lautete die Antwort. Die Kosten für das Bremsen und Wiederbeschleunigen des Zugs sowie eine ungünstige Störung des Viertelstundentakes führte Geschäftsführer Heiko Sedlaczek Anfang 2019 als zusätzliche Gründe an, den Bedarfshalt nicht aufrechtzuerhalten.

Kosten für Bremsen und Anfahren entstünden bei jeder Haltestelle, hält Hoffmann dagegen. Auch für den gewünschten Viertelstundentakt müsste es eine Lösung geben. Zudem spiegele die Versuchsphase bis 2017 nicht die nun vorhandene Situation wider. „Seither sind viele Familien mit Kindern, Senioren und Studenten zugezogen“, sagt Hoffmann

Zustimmung kommt von Marion Dunkel, Sprecherin des Bauträgers, der am Bahnhof Kottenforst derzeit Häuser für bis zu 70 Menschen baut. „Der Bedarf ist jetzt da – und er wird steigen“, prognostizierte sie. Viele Senioren, die während der Woche gerne einen Weg gewandert und den Hin- oder den Rückweg per Bahn absolviert hätten, hätten diese Möglichkeit derzeit nicht, argumentiert Hans Selz, dessen Sohn die Waldgaststätte in dritter Generation führt. NVR-Sprecher Holger Klein zeigte sich gegenüber dem GA überrascht. Man habe immer signalisiert, dass eine erneute Bedarfsprüfung auf Anfrage möglich sei. „Bei uns liegt bisher keine Bitte auf eine erneute Prüfung vor.“ Wenn sich die Politik oder die Anwohner in einem Brief an den NVR wenden, sei es sicher möglich, am Bahnhof Kottenforst weitergehende Schritte einzuleiten.