Offene Tür bei den Maltesern: Die Meckenheimer Malteser stellen ihr Domizil vor

Offene Tür bei den Maltesern : Die Meckenheimer Malteser stellen ihr Domizil vor

Die Renovierung eines früheren Gewerbebetriebs gerät zum monatelangen Großeinsatz für die Meckenheimer Malteser. Am Sonntag, 25. Juni, weiht Diözesanseelsorger Markus Polders die frisch erneuerten Räume ein.

Wenn junge Leute plötzlich in noch nie dagewesener Weise über sich hinauswachsen und ausdauernd Dinge verrichten, von denen sie überhaupt nichz wussten, dass ihnen diese Fähigkeit geschenkt ist – dann ist es nicht unwahrscheinlich, dass sie dabei ein rotes Malteserkreuz auf der Brust tragen. Mächtig über sich hinausgewachsen sind nämlich die Mitglieder des Malteser Hilfsdienstes in Meckenheim.

Die neue Stadtgeschäftsstelle der Helfer an der Straße Am Wiesenpfad atmet diese Glanzleistungen in jeder Pore. Die Renovierung eines früheren Gewerbebetriebs gerät zum monatelangen Großeinsatz für die Ehrenamtlichen. Der Einsatz hat sich gelohnt: Am Sonntag, 25. Juni, weiht Diözesanseelsorger Markus Polders die frisch erneuerten Räume ein, die zum Tag der offenen Tür ab 12 Uhr (siehe Kasten) bestaunt werden können.

Eigenleistung für die neue Dienststelle

Rund 20 Jahre dient der Bungalow am Meckenheimer Schulcampus an der Königsberger Straße den Maltesern als Unterkunft und Schulungsstätte zugleich. Mangels Abstellmöglichkeiten ist der Fuhrpark der Helfer allerdings im Gewerbepark untergebracht. Um mehr Platz zu haben, insbesondere für die Erste-Hilfe-Kurse, beginnen die Malteser der Apfelstadt vor mehr als zwei Jahren damit, sich auf die Suche nach einer neuen Bleibe zu machen. Mit blauen Handschuhen und grünen Mundschutzmasken rücken sie den alten Tapeten in den öden und leeren Räumen zu Leibe, die einmal die neue Dienststelle sein sollen. „Wir haben eigentlich so gut wie alles in Eigenleistung gemacht“, berichtet Christian Löllgen, Stadtbeauftragter der Malteser in Meckenheim, im Gespräch mit dem General-Anzeiger. In jeder freien Minute wird gehämmert, gebohrt und gespachtelt. „Wir haben Fliesen gelegt, gefugt und silikoniert“, weiß Löllgen.

Sogar an Elektroarbeiten und Trockenbautätigkeiten wagen sich die Helfer mit dem maltesischen Kreuz im Wappen. „Bis zu 40 Eimer Farbe haben wir verbraucht und palettenweise Fliesen angeschafft.“ Manche Wände, so Löllgen, hätten erst nach dem vierten Übermalen so ausgesehen, wie sie aussehen sollten: Schön weiß. „Nur an die Propangasleitungen haben wir uns aus Sicherheitsgründen nicht herangewagt“, bekundet der 33-Jährige. Hätten die Malteser alles in die Hände von Handwerkern gegeben, wären wohl mehr als 10 000 Euro fällig gewesen, vermutet er. Mittels einer sogenannten Crowdfunding-Kampagne hatten die Meckenheimer Helfer um finanzielle Unterstützung zur Renovierung geworben. Ziel war es, 1500 Euro für den Umbau der neuen Dienststelle einzunehmen. „Nach dem Ende der Aktion kam mehr als die doppelte Summe zusammen“, sagt Ina Löllgen, Geschäftsführerin der Stadtgeschäftsstelle. „Ohne unsere ganzen Helfer wären wir in zwei Jahren noch nicht fertig“, ergänzt Christian Löllgen.

Ein, nein gleich zwei Wermutstropfen trüben kurzzeitig die Stimmung der Ehrenamtlichen: Obwohl noch nicht komplett fertiggestellt, verschaffen sich zweimal Einbrecher mit Brachialgewalt Zutritt zum neuen Domizil und stehlen sogar ein Einsatzfahrzeug, welches allerdings noch am selben Tag verlassen und nahezu unbeschädigt in Meckenheim gefunden wird (der GA berichtete). „Wir haben dann noch mal richtig in Sicherheit investiert“, berichtet Löllgen. „Die Einbrüche haben unsere Leute zwar einerseits runtergezogen, andererseits vor allem aber zusammengeschweißt.“

Katastrophenschutzküche für geschwächte Einsatzkräfte

Das Ergebnis des maltesischen Einsatzes kann sich sehen lassen: Die Unterrichtsräume sind hell und geräumig und verfügen, nicht nur wegen der komplexen Jugendarbeit der Malteser, über allerlei Zerstreuungsmöglichkeiten wie Billardtisch, Airhockey, Dartscheibe, Brettspiele und vieles mehr. Auch die Teilnehmer der Erste-Hilfe-Kurse können dies während der Pausen nutzen. Auch Kurse für Erste Hilfe mit Kind oder Ersthelfertrainings bieten die Malteser in ihren neuen Räumen an.

Neu und geräumiger sind die Bereiche des Gebäudes, die für Einsätze im Katastrophenschutz benötigt werden – etwa die Katastrophenschutzküche. „Das ist eine Großküche ausschließlich für Ernstfälle“, sagt Christian Löllgen. Hier lassen sich in kürzester Zeit beispielsweise 250 Portionen Nudeln mit Gulasch zaubern, um damit Einsatzkräfte wieder zu Kräften kommen zu lassen. „Das wäre auf einem Vier-Platten-Herd eine Herausforderung.“ Rund 115 Mitglieder zählt der Malteser Hilfsdienst in der Apfelstadt. Sie leisten unter anderem Sanitätsdienste, arbeiten im Katastrophenschutz oder verpflegen Einsatzkräfte und sogenannte „unverletzt Betroffene“ bei Großeinsätzen wie den Großbränden im Industriepark Kottenforst.

Zu tun gibt es nach dem Geschmack des Stadtbeauftragten im neuen Zuhause allerdings noch eine Menge: „Wir sind noch immer nicht richtig fertig“, findet Löllgen. Die Prioritätenliste werde kaum kürzer, wundert er sich.