Gespräch am Wochenende: „Der Fokus liegt nicht auf Verzicht“

Gespräch am Wochenende : „Der Fokus liegt nicht auf Verzicht“

Gespräch am Wochenende: Ulrike Knichwitz über das Fasten als Selbstfindung. Schon vor dem eigentlichen Interview machte Ulrike Knichwitz, Mitarbeiterin im Gemeindebüro der evangelischen Kirchengemeinde Meckenheim, deutlich, dass Pfarrerin Cordula Siebert im Rahmen der Fastenaktion „7 Wochen ohne!“ einige Überraschungen bereit hält. Die blieben auch bis zuletzt unter Verschluss – dafür erzählte sie Adrian Arab, was die Aktion in den letzten Jahren besonders machte.

Frau Knichwitz, wer brachte die Idee nach Meckenheim, das Format „7 Wochen ohne!“ einmal auszuprobieren?
Ulrike Knichwitz: Seit zwei Jahren bin ich in der Gemeinde für die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit zuständig. Die Aktion „7 Wochen ohne….“ findet nun im 23. Jahr bundesweit statt. In Meckenheim habe ich das Konzept erstmals vorgeschlagen und in Zusammenarbeit mit den Pfarrern zwei Mal durchgeführt. In diesem Jahr liegt die Durchführung und Gestaltung in den Händen unserer neuen Pfarrerin Cordula Siebert.

Bleiben nun die Karnevalskamellen für die Gemeindemitglieder bis nach Ostern unter Verschluss?
Knichwitz: Das kann ich doppelt verneinen. Zum Ersten hat die Aktion in den letzten Jahren nicht nur Gemeindemitglieder angelockt, sondern insbesondere Interessierte, die die Aktion als Anlass nahmen, sich auf die für sie wichtigen Dinge zu fokussieren. Besonders spannend ist daher das erste Zusammentreffen in der Arche. Wir haben die Aktion öffentlichkeitswirksam ausgeschrieben – wer schließlich daran teilnimmt, wissen wir nicht. Allerdings wissen wir, dass in den vergangenen beiden Jahren das Alter der Teilnehmenden eine hohe Spannbreite hatte. Das führen wir darauf zurück, dass die Impulsveranstaltungen beispielsweise nicht nur mit Liedern aus dem Evangelischen Gesangbuch, sondern auch mit rockiger und aktueller Musik gestaltet werden können.

Und zweitens?
Knichwitz: Worauf sich die Aktion in diesem Jahr konzentriert, lässt der Titel der Aktion „Großes Herz! Sieben Wochen ohne Enge“ schon erahnen. Allerdings lag der Fokus in den vergangenen Jahren nicht auf dem Verzicht auf Schokolade, Autofahren oder Fernsehen. Vielmehr sollten die Fastenwochen Anlass dazu geben, in sich hineinzuhören, vielleicht sein Verhalten zu ändern und sich zu öffnen für neue und spannende Begegnungen mit anderen Menschen im Hinblick auf das Osterfest.

Sich selbst zu überdenken dürfte vielen schwerer fallen, als sich für sieben Wochen enthaltsam zu ernähren.
Knichwitz: Viele – mich eingeschlossen – waren erstaunt darüber, wie gut das klappen kann. Die Teilnehmer sollen ja keinen kompletten Charakterwandel durchführen, sondern – am besten im Stillen oder im Austausch – überlegen, was sie im Kleinen an sich verändern möchten. Im letzten Jahr lautete das Motto „Du bist schön!“. Viele haben die Fastenzeit dazu genutzt, vermehrt einen Blick in den Spiegel zu werfen und selbstbewusst und zufrieden zum Beispiel den eigenen Körper zu akzeptieren, so wie er ist. Das kann die eigene Zufriedenheit ungemein steigern und sich auch positiv auf die Mitmenschen auswirken.

Das Motto in diesem Jahr lautet „Großes Herz! Sieben Wochen ohne Enge!“. Wie lässt sich ein Motto, das man mit Großzügigkeit assoziiert, mit Verzicht vereinbaren?
Knichwitz: Auch hier steht nicht zwingend der Verzicht im Vordergrund, auch wenn – zugegebenermaßen – die Fastenzeit darauf hindeutet. Im Gegenteil möchten wir die Menschen dazu ermutigen, sich dem Nächsten gegenüber öffnend zu zeigen und – ganz konkret – in der Fastenzeit einfach mal jemanden zu sich nach Hause einzuladen. In diesem Jahr, so viel darf ich verraten, werden wir alle, die möchten, aber auch darin bestärken, materiell zu fasten.

Wie bestärken sich die Teilnehmer?
Knichwitz: Wir treffen uns freitags in der Arche. Unter der Leitung von Pfarrerin Cordula Siebert werden musikalische, sinnliche und inhaltliche Impulse gegeben. Die Bestärkung findet dann ganz automatisch über das Gemeinschaftsgefühl durch Austausch und Gespräche statt. Dabei lassen wir auch Zeit dafür, in sich zu gehen, um selbst herauszufinden, was einem gut tut.

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