Windenergie Meckenheim: Bürger klagen gegen Windradpläne

Windenergie Meckenheim : Bürger klagen gegen Windradpläne

Die Bürgerinitiative „Meckenheims Schattenseite“ zieht vor das Oberverwaltungsgericht Münster, um auf juristischem Wege den möglichen Bau von bis zu sechs Windrädern zwischen Meckenheim und Rheinbach zu verhindern.

Einen Blick auf den Kölner Dom zu erhaschen, löst bei vielen in der Region oftmals ein Glücksgefühl aus. Wegen ihrer Größe von 157 Metern ist die gotische Kathedrale in Köln auch weithin zu sehen. An den Anblick von Windrädern so hoch wie der Kölner Dom mögen sich die Bewohner des Meckenheimer Neubaugebietes „Sonnenseite“ allerdings nicht gewöhnen. Auf juristischem Wege wollen die Mitglieder der Bürgerinitiative (BI) den möglichen Bau von bis zu sechs Windrädern zwischen Meckenheim und Rheinbach verhindern. Sie ziehen jetzt vor das Oberverwaltungsgericht in Münster.

Dass eines schönen Tages mal – nicht weit entfernt von ihren erst jüngst neu gebauten Eigenheimen – bis zu 150 Meter hohe Energielieferanten stehen und sich drehen werden, hätten sich die Bewohner des Meckenheimer Neubaugebietes „Sonnenseite“ vor ihrem Umzug in den Norden Meckenheims nach eigenem Bekunden nicht träumen lassen, wie Ingrid Koston, eine der Sprecherinnen der BI „Meckenheims Schattenseite“ im Gespräch mit dem General-Anzeiger berichtet. „Schauen Sie sich die Hochspannungsmasten an: Die sind etwa 50 Meter hoch“, sagt Koston und zeigt vom Balkon ihrer Wohnung auf die Strommasten, in deren Nachbarschaft die Windräder stehen sollen. „Die sind dann mit 150 Meter Höhe dreimal so hoch wie die bestehenden Hochspannungsleitungen.“

Hintergrund: Monatelang hatten die Mitglieder der BI „Schattenseite“ – ein Wortspiel der Bewohner des Baugebietes Sonnenseite – gegen die Pläne der Städte Meckenheim und Rheinbach gekämpft, die Höhenbegrenzungen in der zwischen beiden Kommunen eingerichteten Konzentrationszone heraufzusetzen. Nur auf dieser Fläche ist dann in beiden Kommunen der Bau von Windrädern genehmigungsfähig (der GA berichtete). Im November 2015 hatten die Räte beider Kommunen mit jeweils großer Mehrheit grünes Licht dafür gegeben, den entsprechenden Bebauungsplan zu ändern (siehe nebenstehender Bericht).

Alleine rund 80 Menschen aus 25 Familien des Neubaugebietes und aus Lüftelberg haben sich jetzt laut Koston gemeinsam auf den juristischen Weg gemacht. „Fast jeder hat hier an seiner Tür einen 'Schattenseite'-Aufkleber kleben“, berichtet sie. Gemeinsam finanzieren die Nachbarn auch die Arbeit eines Rechtsanwalts, der nun die Aufgabe hat, den im November 2015 gefassten doppelten Ratsbeschluss beider Kommunen noch zu kippen.

Die Richter in Münster haben nun in einem sogenannten Normenkontrollverfahren darüber zu befinden, ob der geänderte Bebauungsplan, den beide Räte mehrheitlich abgesegnet haben, rechtlich korrekt zustande gekommen ist. Obwohl viele Bürger aus Meckenheim und auch aus Rheinbach ihren Einspruch in über 70 Eingaben kundgetan haben und sich gegen die Planung aussprachen, seien die Beschlüsse beider Räte zustande gekommen, kritisiert Koston.

Bevor allerdings in der Konzentrationszone Windräder – vier auf Rheinbacher, zwei auf Meckenheimer Gebiet – gebaut werden, muss die Kreisverwaltung als Genehmigungsbehörde diesem Ansinnen erst zustimmen. „Während des langen Bauleitverfahrens wurde es Bürgern aus dem Neubaugebiet und den umliegenden Orten Lüftelberg und Flerzheim bewusst, wie sehr sie von dem Bau so hoher Windindustrieanlagen betroffen sind.“

Für die „Schattenseite“-Mitglieder sprechen aber weitere Gründe gegen den Bau der Windräder. „Wir wollen die Gesundheit der Anwohner schützen – vor allem die der Kinder.“ Nicht nur der Anblick der Windräder sei dem Wohlbefinden nicht förderlich, sondern vor allem der tieffrequente Infraschall, den die Rotoren erzeugten, mache Menschen krank.

Sonderbar finden es die Aktivisten, dass die Stromlieferanten ausgerechnet im drittgrößten Obstanbaugebiet Deutschlands – dazu noch im Naturpark Rheinland – in die Höhe wachsen sollen. „Alleine durch das Fundament einer Windkraftanlage geht sehr viel fruchtbarer, schützenswerter Boden verloren.“ Hoffnungsfroh stimmt die Bewohner der Sonnenseite darum die Aussage von NRW-Umweltminister Johannes Remmel (Bündnis 90/Die Grünen), wonach fruchtbare Böden unbedingt zu erhalten seien.

Außerdem sind laut Beobachtung der Initiative Rotmilane, Wanderfalken und Fledermäuse in der Konzentrationszone heimisch. Vor der Genehmigung müsse darum eine sogenannte Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) klären, ob sich Natur- und Artenschutz sowie Energiegewinnung in Einklang bringen lassen, fordert die Initiative. Und eines stehe nach dem Dafürhalten der BI schon jetzt fest: Wenn der Rhein-Sieg-Kreis eine Genehmigung aussprechen sollte, werde die Meckenheimer Initiative erneut zusammenlegen, um den Klageweg zu beschreiten.

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