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Bio-Anbau: Meckenheimer Obstbauer informiert über Bedingungen des Anbaus

Bio – Luxus für Reiche? : Meckenheimer Obstbauer informiert über Bioanbau

Der Meckenheimer Bio-Obstbauer Lothar Krämer hat am Montag in Meckenheim über die Bedingungen und Probleme des Bioanbaus gesprochen. Damit räumt er mit einer ganzen Reihe von Klischees auf.

„Früher gab es mal mehr und mal weniger Äpfel, die Lagerfähigkeit war begrenzt,  und der Wurm im Apfel gehörte zum guten Ton“, sagte Lothar Krämer. Der Bio-Obstbauer referiert am Montagabend auf Einladung der Kolpingsfamilie Meckenheim über Bedingungen und Probleme des Bioanbaus. Mit Antworten auf die Frage „Bio – Luxus für Reiche?“ charakterisierte er den Obstanbau in kleinbäuerlichen Strukturen, in denen bis 1950 viel Arbeitskraft und wenig Technik vorherrschte.

Groß sei heute sei der Druck von Handel und Gesellschaft. „Der rotbackig glänzende Apfel aus dem Bilderbuch kommt in der Natur aber nicht vor“, sagte Krämer. Er habe die Erfahrung gemacht, dass seine Kunden deutlich toleranter seien als die Kundschaft, die ihm von Kollegen aus der konventionellen Landwirtschaft beschrieben wird. Zudem stehe dort die Ertragsteigerung durch synthetischen Pflanzenschutz und Arzneimittel im Mittelpunkt.

Auch in seinem Betrieb werde gespritzt und gegen Unkraut und Schädlinge vorgegangen. „Allerdings nur mit Stoffen natürlichen Ursprungs“, versicherte der 52-Jährige. Den Familienbetrieb im Herzen Meckenheims führe er in der vierten Generation und seit 20 Jahren nach biodynamischen Richtlinien.

Klassische Mausefallen gegen Wurzelnager

Um gegen Wasser- und Nährstoffkonkurrenz vorzugehen, werde der Boden gehackt, gegen Wurzelnager setze er klassische Mausefallen ein. „Wir arbeiten mit 2000 kleinen Fallen. Je nach Jahreszeit und Witterung habe ich ein halbes Jahr lang einen Mitarbeiter täglich dafür im Einsatz.“ Als biologisch arbeitender Obstbauer setze er in seinen Plantagen auf standortgerechte und robuste Sorten sowie auf klassische Züchtungen und Artenvielfalt. Dies trage auch zur Insektenförderung bei. „Wir haben 60 Zentimeter breite Blühstreifen in einer Länge von acht Kilometern angelegt. Das ist eine Strecke bis Todenfeld, Niederdrees oder Ückesdorf“, veranschaulichte Krämer.

Für die Neuanlage einer Plantage brauche er Bäume, die aus einer Baumschule mit Biostatus stammen. Hier würden weder Verzweigungshormone, noch Mittel zum vorzeitigen Blattfall eingesetzt. Um den biologischen Jahresrhythmus der Bäume zu berücksichtigen, muss Krämer langfristig planen und die Bäume zwei Jahre vor seinem Bedarf bestellen. Im Kampf gegen Spätfröste machen die Meckenheimer Obstbauern gemeinsame Sache. Um das gezielte Besprühen der Blüten als Frostschutzmaßnahme zu ermöglichen, sind mehrere Teiche geplant. Ziel sei es, die rund 1000 Kubikmeter Wasser, die für 30 Stunden Frostschutz auf einer ein Hektar großen Plantage benötigt werden, auch in trockenen Wintern vorhalten zu können.

Bio bedeutet Wertschätzung

Auch wenn der Preis für Bioware deutlich höher liegt, sieht Krämer kein Luxusprodukt: „Es ist eine Frage der Wertschätzung der Lebensmittel.“ Der Obstbauer ist überzeugt, dass der Lebenswandel eine Rolle spielt und ein Umdenkem im Kaufverhalten entscheidend ist. „Fertigprodukte sind immer teurer, als wenn man selber mit Grundnahrungsmitteln kocht“, argumentierte er. Bei einem ehrlichen Preis müssten deshalb auch Kosten für Klima- und Tierschutz sowie für Boden- und Grundwasserschutz berücksichtigt werden.

„Meckenheim - Unsere Heimat“ lautet der Titel der Vortragsreihe, bei der das Handwerk gemäß dem historischen Hintergrund der Kolpingsfamilie im Mittelpunkt steht.