Berühmter Sohn Lüftelbergs: Auf den Spuren des Meckenheimers Anton Becker

Berühmter Sohn Lüftelbergs : Auf den Spuren des Meckenheimers Anton Becker

Walter J. Dick erinnert an einen berühmten Sohn Lüftelbergs. Der Baumeister starb vor 120 Jahren. Becker entwarf und baute zahlreiche Häuser und viele kirchliche Bauten im gesamten Rheinland.

Laurenz Schäfer (Porträtmaler), Johannes Klais (Orgelbauer), Adolf Deuster („Kinderkaplan“) und Anton Becker (Architekt und Baumeister): Lüftelberg hat so einige berühmte Persönlichkeiten hervorgebracht – ihr Ruhm von einst ist den Lüftelbergern von heute jedoch kaum bekannt. Zu den „vergessenen“ Söhnen des Dorfes gehört auch Anton Becker, der im 19. Jahrhundert durch Neu-, Um- und Erweiterungsbauten von Wohnhäusern, Sakralbauten und Produktionshallen das architektonische Bild Bonns und der Region wesentlich mitgeprägt hat.

Und dennoch – Zeugnisse von ihm und über ihn gibt es nur wenig. Am 10. August 1899 starb Becker nach längerer Krankheit mit nur 46 Jahren in Bonn, sein Grab befindet sich auf dem Poppelsdorfer Friedhof. Der 120. Todestag an diesem Samstag war für den Lüftelberger Walter J. Dick Grund genug, sich mit Leben und Wirken des „großen Sohnes“ seines Heimatdorfes intensiv zu beschäftigen.

Zweieinhalb Jahre lang hat der 69-Jährige recherchiert, Unterlagen von Melde - und Planungsämtern sowie Stadtarchiven in Bonn, Rheinbach und Meckenheim durchstöbert und Dokumente des Landesarchivs Nordrhein-Westfalen und verschiedener Pfarreien gesichtet. Seine Ergebnisse hat Dick auf rund 60 Seiten nun veröffentlicht.

In Lüftelberg aufgewachsen

Das Werk ist keine umfassende Biografie Beckers, sondern „erfasst diejenigen Bauwerke, die mit einem vertretbar erscheinenden Zeitaufwand recherchiert werden konnten“, schreibt Dick in seinem Vorwort. „Becker ist bis heute einer der sehr wenigen Architekten und Bauherren, denen es gelungen ist, bei größeren Bauprojekten Zeit- und Kostenrahmen einzuhalten. Wenn man an die Oper Köln oder die Staatsoper Berlin denkt, ist das schon sehr ungewöhnlich“, stellte Dick bewundernd fest. Geboren am 14. April 1853 wuchs Becker als Sohn des Maurers Cornelius Becker aus Merl und dessen Lüftelberger Ehefrau Agnes Becker, geborene Wimmer, die ersten Jahre seines Lebens in Lüftelberg auf. Nach einem Zwischenstopp in Alfter-Witterschlick lebte die Familie ab 1870/71 in Bonn.

Dort besuchte Becker das heutige Beethoven-Gymnasium (früher: Königliches Gymnasium), studierte nach dem Abitur Architektur und arbeitete ab 1881 als selbstständiger Architekt in der Bonner Kapuzinerstraße 5, ab 1883/84 in der Wenzelgasse 30. Dort eröffnete er im selben Jahr mit seinem Geschäftspartner Johann Böhm die Bauunternehmung „Becker & Böhm“ - eine Zusammenarbeit, die bis 1891 andauerte.

Villen sind Ausdruck von Beckers Kreativität

Ab da führte der Lüftelberger Architekt das Unternehmen alleine fort. In seiner nur 18-jährigen Bautätigkeit widmete er sich unter anderem dem Um- und Erweiterungsbau des Klosters Calvarienberg der Ursulinen in Ahrweiler und dem Neubau des Langhauses von St. Johannes der Täufer in Meckenheim (1889/99). Laut Dick hat Becker insgesamt mindestens 16 Kirchen und Kapellen im südlichen Nordrhein-Westfalen und im nördlichen Rheinland-Pfalz gebaut sowie mehr als 30 repräsentative Wohnbauten vor allem in der Bonner Südstadt und verschiedene Gewerbebauten (Produktionshalle der Firma Servais in Witterschlick, der Erweiterungsbau des Bonner Gaswerkes) in seiner kurzen Schaffenszeit verwirklicht.

Viele der sogenannten Gründerzeitvillen in der Bonner Argelanderstraße sind Ausdruck von Beckers Kreativität. „Dort baute er zwischen 1884 und 1893 vor allem im Auftrag der Firma A. Zuntz sel. Witwe, einem 1837 gegründeten Bonner Kaffeeröst- und Handelsunternehmen, überwiegend Spekulationsobjekte, das heißt zwei- bis dreigeschossige Wohnhäuser zum Zweck des Verkaufs oder der Vermietung“, fand Dick heraus. Aber auch in der Breite-, Schumann-, Lenné-, oder in der Bornheimer Straße finden sich immer noch vereinzelt Becker'sche Gebäude.

„Es ist mir schleierhaft, dass Jemand, der so viele Kirchen und Häuser errichtet hat, vergessen werden konnte“, stellte Dick fest. Details aus dem Leben des Architekten und seiner Denk- und Lebensweise konnte auch der Hobbyhistoriker wegen fehlender Dokumente und mangels schriftlicher Zeugnisse nicht klären. So weiß man kaum etwas über Beckers Privatleben, nur dass er 1885 Maria Helena Dewald aus Altenkirchen im Westerwald geheiratet hat. Auch seine Krankheit wird nirgendwo explizit beleuchtet.

„Er wusste wohl, dass er krank war. Denn er kaufte sich schon mit 38 Jahren seine Grabstätte. Und er befand sich wohl mehrmals in jener Fachklinik, in der auch der Komponist Robert Schumann Patient gewesen ist“, erläuterte Dick. Für ihn gehört „der Lüftelberger Architekt zu den Leuten, um die man sich intensiv kümmern sollte. Es ist unsere Aufgabe, die Erinnerung an so berühmte Vorfahren und deren Werke wachzuhalten.“

Walter J. Dick hat die Broschüre „Anton Becker: Architekt, Baumeister und Bauunternehmer“ im August 2019 in Rheinbach veröffentlicht. Das Werk ist im Buchladen am Neuen Markt, (02 22 25 /8 88 08 33) für 9,90 Euro erhältlich.

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