Protest gegen Pläne in Meckenheim: Anwohner sorgen sich vor größerer Hochwassergefahr

Protest gegen Pläne in Meckenheim : Anwohner sorgen sich vor größerer Hochwassergefahr

Regenwasser aus dem Neubaugebiet „Am Burggraben“ in Heimerzheim soll in die Swist geleitet werden. Am südlichen Ortsrand sollen rund 120 Wohneinheiten entstehen. Investor und Gemeinde wollen auf Regenrückhaltebecken oder Staukanal verzichten.

In „normalen“ Zeiten fließt die Swist ruhig auf ihren 43,6 Kilometern Länge bis zur Mündung in die Erft. Bei anhaltendem starken Regen allerdings ist die Swist in der Vergangenheit mehrfach über ihre Ufer getreten. Die Auswirkungen solcher Hochwasser mit erheblichen Schäden mussten auch Anwohner der Swist in Heimerzheim leidvoll erfahren, vor allem an der Bachstraße, an der Quellenstraße, am Peter-Esser-Platz und sogar bis zur Kölner Straße. Erinnerungen an diese Hochwasser und Sorgen, dass künftig durch den Klimawandel extreme Regenfälle häufiger auftreten, haben sie jetzt auf den Plan gerufen: als Interessengemeinschaft legen sie „Widerspruch“ ein gegen eine mögliche Entwässerung des Neubaugebietes „Am Burggraben“ in die Swist.

Hanne und Gregor Moll haben in den vergangenen Tagen 60 Unterschriften bei den Bewohnern der von den Hochwassern betroffenen Straßen gesammelt, Jutta Brune weitere 65 an der Quellenstraße. Die Unterschriften werden am Montag Bürgermeisterin Petra Kalkbrenner übergeben. Was sie erreichen wollen: „Wir als direkte Anlieger des Swistbachs sind der Meinung, dass die Entwässerung des Niederschlagswassers aus dem neuen Baugebiet durch geeignete Maßnahmen wie Versickerungsanlagen und/oder Regenrückhalteräume beziehungsweise das Kanalnetz erfolgen muss.“

Unterstützung kommt von Vizebürgermeister und Ratsherr Manfred Lütz (CDU), der an der Quellenstraße in Heimerzheim direkt am Ufer der Swist wohnt. Auch er befürchtet, dass die Hochwassergefahr im Ort steigt, wenn das Oberflächenwasser aus dem Baugebiet „Am Burggraben“ bei starkem Regen in die Swist geleitet wird. Deshalb plädiert er für den Bau eines Regenrückhaltebeckens.

Aufgelockerte Einzel- und Doppelhausbebauung vorgesehen

Wie berichtet, sollen „Am Burggraben“ bis zu 120 Wohneinheiten entstehen. Diese bislang landwirtschaftlich genutzte Fläche von 2,9 Hektar schließt an die Bebauung „Burglindchen“ an und liegt zwischen Parkstraße und Birkenallee bis an den südlich verlaufenden Drainagegraben. Der Vorentwurf wurde im März im Planungs- und Verkehrsausschuss vorgestellt. Demnach ist aufgelockerte Einzel- und Doppelhausbebauung vorgesehen sowie im Norden zwischen Birkenallee und Parkstraße auch Mehrfamilienhäuser.

Schon in der Sitzung waren Entwässerung und Positionierung der Mehrfamilienhäuser kritisch gesehen worden. Der Planer hatte zwar berichtet, dass Erftverband und Untere Wasserbehörde des Rhein-Sieg-Kreises keine Bedenken geäußert hätten. Allerdings betonten Fachbereichsleiter Jürgen Funke und Pressesprecher Bernd Kreuer gegenüber dem GA, dass die beiden Behörden im weiteren Verfahren detailliert Stellung nehmen werden. Außerdem werde der Planer weitere Einzelheiten zur Entwässerung machen, etwa zur Dimension des Regenwasserkanals.

Einwendungen sind inzwischen bei der Gemeinde von Anwohnern des Baugebietes „Burglindchen“ eingegangen. Diese Anwohner befürchten, so Funke und Kreuer, Beschattungen ihrer Grundstücke durch die neuen Häuser. Schon im Ausschuss hatten die Fraktionen vorgeschlagen, die Mehrfamilienhäuser nicht neben die bestehenden Häuser, sondern in die Mitte des Neubaugebietes zu setzen.

Künftige Bauherren aber hätten die Wahl, ob sie auf Grundstücken bauen wollen, die möglicherweise durch Mehrfamilienhäuser beschattet werden. Deshalb hatte der Ausschuss dem Planer aufgetragen, die Positionierung der Mehrfamilienhäuser zu prüfen. „Die Planungshoheit liegt bei der Gemeinde“, sagte Kreuer. Insofern müsse der Planer einer Aufforderung zur Umplanung folgen.

Anwohnern der Birkenallee konnten Funke und Kreuer eine Sorge nehmen: Sie hatten befürchtet, es könnten Beteiligungen an Erschließungskosten für das neue Baugebiet auf sie zukommen. „Das ist aber ausgeschlossen“, erklärten sie. Die Gemeinde werde mit dem Projektentwickler einen Erschließungsvertrag für das gesamte Gebiet unterzeichnen, dass die Erschließungskosten zu seinen Lasten gehen und der Gemeinde keine Kosten entstehen. Deshalb würden auch keine Kosten für die Anlieger entstehen.