Voreifelbahn S23: Anwohner fordern mehr Stopps am Bahnhof Kottenforst

Voreifelbahn S23 : Anwohner fordern mehr Stopps am Bahnhof Kottenforst

Die Bewohner des Neubaugebiets am Kottenforst fordern mehr Stopps der Voreifelbahn S23 am Bahnhof Kottenforst. Doch der Zweckverband Nahverkehr Rheinland sieht dafür keinen Bedarf. Unter der Woche hält dort aktuell kein Zug.

Im Maßstab 1:87 kostet der Bahnhof Kottenforst auf entsprechenden Internetseiten zwischen 30 und 40 Euro. Es ist ein schönes Modell. Gösta Hoffmann meint, es müsse sicher auf Hunderten Modelleisenbahnanlagen stehen. „An all diesen Modellen halten Züge“, sagt Hoffmann. „Nur am Original nicht, jedenfalls fast nicht.“ Gösta Hoffmann wohnt mit seiner Familie am Bahnhof Kottenforst. Standen dort jahrzehntelang nur eine Handvoll Häuser, entwickelt sich dort aktuell ein Neubaugebiet. Die Siedlung und der Bahnhof liegen mitten im Wald. Knapp zwei Kilometer Luftlinie sind es bis zum Ortskern von Alfter-Volmershoven/Heidgen, etwas mehr als einen Kilometer lang die Luftlinie in den Meckenheimer Ortsteil Lüftelberg, zu dem die Siedlung gehört.

Wer dort wohnt, ist aufs Auto angewiesen. Oder eben auf die Bahn. Umso mehr ärgern sich Hoffmann und andere Anwohner, dass diese kaum mehr am Bahnhof hält – zumal es zweieinhalb Jahre lang anders war. Schon seit Anfang Juni hält die Voreifelbahn (S 23) unter der Woche nicht mehr am Bahnhof Kottenforst. Seitdem wird die Station – wie auch zuvor – nur noch stündlich an Samstagen, Sonn- und Feiertagen angefahren – und das auch lediglich als Bedarfshalt.

Gefährliche Bushaltestelle

Als Hoffmann mit seiner Familie an den Bahnhof Kottenforst zog, konnten die Kinder den Zug zur Schule nach Bonn nutzen. Der Nachwuchs anderer Familien fuhr morgens in Richtung Meckenheim/Rheinbach. Sechs Schulkinder leben bislang in der Siedlung. Tendenz vermutlich steigend.

Diese müssen nun mit dem Auto zur Schule gebracht werden. Zwar liegt eine Bushaltestelle der Linie 800 nur rund 15 Minuten zu Fuß entfernt. Allerdings befindet sich diese direkt am Fließweg, einer schnell befahrenen Landesstraße ohne Gehweg. Die Kinder müssten am Fahrbahnrand zum Bus gehen. Das sei viel zu gefährlich, findet Anwohner Peter Nölle. Auch er bringt seine Tochter nun mit dem Auto zur Schule. „Und sie ist schon 16 Jahre alt“, sagt er. Hoffmann ergänzt, dass man von der Schule seiner Kinder angehalten sei, die Kinder eben nicht mit dem Auto zu bringen, um dem morgendlichen Verkehrschaos vor dem Schultor entgegenzuwirken.

Mit dem Auto zur Universität

Doch es sind nicht nur Schüler und ihre Eltern, die nun Probleme haben. Am Bahnhof Kottenforst lebt auch Valeska Decker. Als sie dort eine preisgünstige Wohnung bekommen habe, sei sie mit der Überzeugung eingezogen, mit dem öffentlichen Personennahverkehr zur Universität nach Bonn zu fahren, sagt die Studentin. Nun muss sie ihr Auto nehmen, auf das sie eigentlich weitgehend verzichten wollte – auch aus ökologischen Gründen. Gerne würde man die Bahn auch für den Arbeitsweg oder zur Freizeitgestaltung nutzen, heißt es weiter von den Anwohnern.

Bedient wird die S 23 bekanntlich von der Deutschen Bahn, Auftraggeber ist der Zweckverband Nahverkehr Rheinland (NVR). Bereits vor Kurzem hatte der General-Anzeiger in dieser Sache beim NVR nachgefragt. NVR-Sprecher Holger Klein hatte erläutert, dass die testweise Ausweitung der Stopps am Bahnhof Kottenforst unter der Woche nach zweieinhalb Jahren Erprobungsphase zurückgenommen worden sei. Die politischen Gremien des NVR hätten den Test einst beschlossen. Fahrgasterhebungen hätten allerdings ergeben, dass der Bahnhof von zu wenigen Menschen genutzt wird, um eine Nachfrage für einen Halt darzustellen.

Startschuss zur Elektrifizierung der S 23 gefallen

Zudem sei mit dem zusätzlichen Halt der vereinbarte 15-Minuten-Takt auf der S 23 in den Hauptverkehrszeiten nicht einhaltbar gewesen, so Klein weiter. Zugleich wollten die Verantwortlichen beim Zweckverband aber die Wiederaufnahme der Stopps im Zuge der geplanten Elektrifizierung der Strecke mit einhergehender Taktverdichtung prüfen.

Zwar steht noch längst nicht fest, wann auf der Strecke Züge mit Strom statt mit Diesel fahren, allerdings ist das Projekt bereits angelaufen. Wie berichtet, hatte eine vom NVR, den Kreisen Euskirchen und Rhein-Sieg sowie der Stadt Bonn in Auftrag gegebene Machbarkeitsstudie ergeben, dass sich die Elektrifizierung wirtschaftlich lohnt. Wie der NVR im November mitgeteilt hatte, hat der Hauptausschuss des NVR die Geschäftsführung mit der konkreten Planung der Elektrifizierung der Strecke von Bad Münstereifel über Euskirchen nach Bonn beauftragt.

In den sogenannten Leistungsphasen 1 und 2 geht es um die Vorplanung des Projekts. Für diese beiden Phasen zusammen sind Kosten in Höhe von sechs Millionen Euro vorgesehen. Zur Elektrifizierung soll laut NVR auch der zweigleisige Ausbau der bislang eingleisigen Streckenabschnitte zwischen Alfter-Witterschlick und Meckenheim-Kottenforst sowie zwischen Swisttal-Odendorf und Rheinbach kommen.

Unterstützung durch den Ortsvorsteher

Derweil lassen sich die Anwohner des Bahnhofs Kottenforst nicht von den Argumenten des NVR überzeugen. „Es gibt den Bedarf“, sagt Hoffmann. Der Bahnhof sei voll ausgestattet und werde gepflegt, ergänzt Nachbarin Romy Wiese. Da sei es nicht verständlich, warum dort kaum Züge halten. „Wir verlangen ja keinen regulären Halt“, betont Nölle. Bedarfshalte auch unter der Woche seien ausreichend.

Unterstützung erhalten die Anwohner von Lüftelbergs Ortsvorsteher Siegfried Schwaner. Unter anderem hat er sich bereits, allerdings erfolglos, mit dem Rhein-Sieg-Kreis in Verbindung gesetzt, um auszuloten, ob eine Buslinie direkt am Bahnhof Kottenforst vorbeigeführt werden könnte. Schwaner will sich weitergehend mit der Bahn in Verbindung setzen sowie mit den für Schülertransporte verantwortlichen amtlichen Stellen, um etwas für die Anwohner zu erreichen. „Die Bewohner des Ortes wollen nichts Absurdes“, sagt Gösta Hoffmann. Sie wollten nur, dass Züge an einem bestehenden Bahnhof halten.

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