Verkehr in Meckenheim: Altendorfer fordern Tempo 30 im ganzen Dorf

Verkehr in Meckenheim : Altendorfer fordern Tempo 30 im ganzen Dorf

Eine Initiative in Altendorf-Ersdorf fordert, die Stadt solle eine Geschwindigkeitsbegrenzung allein durchsetzen. Der Doppelort ist beliebter Schleichweg für Auto- und Lasterfahrer, die Staus auf der nahen A 61 umgehen möchten.

Ein Blick auf die Karte reicht, um Altendorf-Ersdorf als einen Verkehrsknotenpunkt und einen Ort zu erkennen mit einem beliebten Schleichweg für Auto- und Lasterfahrer, die Staus auf der nahen A 61 umgehen möchten. Soweit bekannt. Doch nicht nur dieser stoßweise Durchgangsverkehr beeinträchtigt die Lebensqualität im Doppelort, auch an anderen Stellen wünschen sich die Bürger Änderungen im Verkehr. Weil aus ihrer Sicht maßgebliche neue Argumente vorliegen, lud die Bürgerinitiative in Altendorf-Ersdorf jüngst die Vertreter der Politik zu einem Gespräch ein.

„Es ist unstrittig, dass wir uns alle für unseren Doppelort Veränderungen im Verkehr und damit mehr Sicherheit und Lebensqualität für alle wünschen“, sagte Ralf Decker, Ortsvorsteher von Altendorf. Dem stimmte der Ortsvorsteher aus Ersdorf, Ferdinand Koll, ebenso zu wie fraktionsübergreifend alle Parteivertreter zu Beginn des Gesprächs signalisierten. Ebenso fraktionsübergreifend war man gespannt, welche neuen Fakten die Bürgerinitiative erörtern wollte.

Umso erstaunter zeigten sich viele Parteivertreter, als das einzig neue Argument geliefert wurde: Die Entscheidungshoheit über das Einrichten eines Tempo-30-Abschnitts läge bei der Stadt Meckenheim, habe man durch eine Rückfrage bei der Verkehrsbehörde erfahren, so Josef Kessel, einer der Gründer der Initiative. Dies habe der technische Beigeordnete Heinz-Peter Witt in der letzten Ratssitzung vor der Sommerpause auf eine Bürgeranfrage hin bestätigt. Demnach könne und solle die Stadt Meckenheim ungeachtet der Einschätzung von Straßen.NRW und anderen Behörden Tempo 30 für die gesamte Durchgangsstraße in Altendorf-Ersdorf anordnen, fordert die Initiative.

Viele Diskussionen

Das Anliegen, von Ortsschild zu Ortsschild auf der Durchgangsstraße Tempo 30 einzuführen, wurde in der jüngsten Vergangenheit ebenso in den Ausschüssen und Ratssitzungen diskutiert wie viele andere, nachvollziehbare Anliegen der Bürger. Auch hatten die Parteien und Ortsvertreter konstruktive Vorschläge wie Gehwegverbreiterungen an den Fußgängerengpässen und Fahrbahnverschwenkungen am Ortseingang Ersdorf eingebracht, es wurden Gelder für die Planung von Veränderungen zurückgestellt und neue Ansätze für rechtssichere politische Anträge ausgearbeitet. Seitens der CDU wurde bereits ein Beschlussvorschlag für den kommenden Stadtentwicklungsausschuss erarbeitet, erfuhr man vom stellvertretenden Fraktionsvorsitzenden Rainer Friedrich. „Darin wird es unter anderem um die Fahrbahnverschwenkung am Ortseingang Ersdorf gehen und um den barrierefreien Ausbau der Bushaltestelle“, so Friedrich. Außerdem sollen Gehwegverbreiterungen und eine Querungshilfe für Fußgänger zwischen der Kreuzung Burgstraße/Meckenheimer Straße und der Gaststätte Ohm Hein Thema sein.

Dass Tempo 30 auf Biegen und Brechen nicht allen Bürgern recht ist, verdeutlichte Rolf Engelhardt (SPD). Wenn es nach ihm ginge, würde Tempo 30 in ganz Meckenheim reichen, so der stellvertretende Fraktionsvorsitzende. Das sei aber nicht für alle Bürger so. Man habe anlässlich des Wegfalls der zeitlichen Begrenzung der Tempo-30-Regelung am Campus deutlich mehr Beschwerden als positive Rückmeldungen erhalten. Zudem könne ein Tempo-30-Abschnitt nur dann angeordnet werden, wenn es für die Sicherheit des Verkehrs erforderlich sei. Dazu hatte die Verwaltung bereits in früheren Bemühungen Daten zu Unfällen und Geschwindigkeitsmessungen abgefragt, die das subjektive Empfinden der Bürger in der vorgetragenen Form nicht bestätigten.

„Von willkürlichen Entscheidungen distanzieren wir uns“, erfuhr man bei der Stadt. „Wir können zwar Tempo 30 auf bestimmten Strecken anordnen. Nach den gesetzlichen Vorgaben sind wir aber dazu verpflichtet, die Straßenbaubehörde und die Einschätzung der Polizei anzuhören und zu berücksichtigen. Das haben wir gemacht, mit dem bekannten Ergebnis, dass man dort objektiv keine erhöhte Gefahrenlage sieht.“ Unabhängig davon würden die Anliegen in den Gremien geprüft und Veränderungen angestrebt.