Meckenheim: Interview mit Feuerwehrchef über Angriffe an Silvester

Angriffe in der Meckenheimer Silvesternacht : „Rakete flog haarscharf am Kopf vorbei“

Im Interview mit dem GA spricht Meckenheims Feuerwehrchef Günter Wiegershaus über die Angriffe auf seine Einsatzkräfte an Silvester. So etwas, meint er, habe es vorher noch nie gegeben.

Der Angriff auf einen Kameraden der Freiwilligen Feuerwehr in Meckenheim stellt einen markanten Punkt in der Geschichte der Meckenheimer Wehr dar. In den 46 Jahren Feuerwehrzugehörigkeit von Wehrleiter Günter Wiegershaus hat es so etwas noch nicht gegeben. Über die Arbeit der Helfer in Notfällen, die Nacht des Angriffs und über deren Folgen sprach Petra Reuter mit dem 59-jährigen Feuerwehrmann.

Was bedeutet es für Sie persönlich, Feuerwehrmann zu sein?

Günter Wiegershaus: Feuerwehr war immer ein Ideal für mich. Als Jugendlicher hat es Spaß gemacht, die Technik kennenzulernen: Das war hochinteressant. Es ist eine eingeschworene Kameradschaft, nicht nur bei Einsätzen, auch bei Festen. Als Leitbild hatte ich immer das Helfen. Es macht zufrieden, wenn man von einem Einsatz zurückkommt, bei dem man helfen konnte. Wenn es Unfälle mit Verletzten oder Toten gibt, stimmt das natürlich nachdenklich.

An Silvester war es kein Unfall, durch den einer Ihrer Kameraden beinahe zu Schaden gekommen ist...

Wiegershaus: Nein, das war ganz gezielt, das war Absicht. Die Kameraden hatten Glück, dass niemand verletzt wurde.

Was genau ist in der Nacht an dem Haus passiert?

Wiegershaus: Ursprünglich sind Utensilien auf einem Balkon in der dritten von fünf Etagen in Brand geraten, unter Umständen ebenfalls durch einen Feuerwerkskörper. Der Brand drohte auf den darüber liegenden Balkon und auf die dahinter liegende Wohnung überzugreifen. Wir haben von außen gelöscht und weitere Kameraden sind zum Löschangriff ins Gebäude und in die Wohnung vorgedrungen. Die Scheibe des hinter dem Balkon liegenden Schlafzimmers ist durch die Hitze geplatzt. Dadurch hat sich der Brand weiter in die Wohnung ausgebreitet. Gleichzeitig mussten wir die Menschen aus den anderen Wohnungen evakuieren, falls das Feuer weiter um sich greift. Nachdem die Situation im Griff war, kam es zu dem Angriff.

Wie lief das ab?

Wiegershaus: Es hat jemand mit einem Feuerwerkskörper auf zwei Feuerwehrleute gezielt. Die Rakete ist dem einen Mann haarscharf am Kopf vorbeigeflogen und direkt vor den beiden Männern in die Erde eingeschlagen, deshalb spritzte bei der Explosion hauptsächlich Gras. Es ist erfreulicherweise keinem etwas passiert.

Günter Wiegershaus war in der Silvesternacht mit im Einsatz. Foto: Petra Reuter

Wie haben die beiden Betroffenen reagiert?

Wiegershaus: Die beiden haben sofort sehen können, woher die Rakete kam, und haben sich an die Polizei gewendet. Die war wegen des ursprünglichen Brands vor Ort und konnte den Täter schnell ermitteln. Es wurde Anzeige erstattet.

Hatten Sie zuvor erlebt, dass ein Feuerwehrmann bei einem Einsatz gezielt angegriffen wurde?

Wiegershaus: Vor vielen Jahren hatten wir mal bei einem Brand auf der Parkpalette eine Horde Jugendliche, die uns beschimpft hat. Die standen aber so ungünstig und sind so nah an den Einsatzort herangekommen, dass sie beim Löschen nass geworden sind. Das hat die Gemüter scheinbar beruhigt. Aber einen gezielten Angriff hatten wir in Meckenheim noch nicht erlebt. Wir wissen natürlich, dass andere Feuerwehren schon mal betroffen waren.

Rechnen Sie damit, dass so etwas in ähnlicher Form wieder passiert?

Wiegershaus: Aus anderen Kommunen höre ich, ist das schon häufiger passiert. Insbesondere Rettungsdienste werden angegriffen, mittlerweile auch die Feuerwehr. Es könnte also schon sein, dass so etwas noch einmal vorkommt.

Was, denken Sie, ist die Ursache für diese Entwicklung?

Wiegershaus: Ich weiß nicht, ob es heutzutage nicht mehr in der Erziehung vorkommt, dass man Helfer nicht behindern und angreifen darf. Es kann aber auch viele andere Gründe geben. Die Städte sind größer geworden, es kennt nicht mehr jeder jeden. Eine klare Ursache kann ich aber nicht ausmachen. Verwundert war ich auch über die Reaktionen in der Nachbarschaft.

Wie hat die denn reagiert?

Wiegershaus: Direkt auf dem Nebendach neben der betroffenen Wohnung haben Leute angefangen, mit Feuerwerkskörpern zu schießen. Man hat sich offenbar keine Gedanken darüber gemacht, dass hier gerade eine Familie durch einen größeren Brand viel von ihrem Hab und Gut verloren hat. Das Schicksal der Familie wurde von diesen Menschen scheinbar nicht wahrgenommen. Das empfand ich als pietätlos gegenüber den Betroffenen. Man hätte mit seinen Raketen auch woanders hingehen können, das hätte nicht direkt neben den Restlöscharbeiten sein müssen.

Was müsste Ihrer Meinung nach in der Gesellschaft passieren, um die Zahl der Angriffe auf Rettungskräfte zu reduzieren.

Wiegershaus: Ich denke insbesondere an mehr Aufklärung, auch Veranstaltungen wie „Feuerwehr im Gespräch“ können dazu beitragen. Da wird im Moment sehr viel auch nach außen getragen und informiert. Meiner Meinung nach trägt das dazu bei, die Gesellschaft wieder mehr zu sensibilisieren. Ich fände es aber auch richtig, wenn man die Betreffenden stärker in die Schranken weist.