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Klimafreundlich unterwegs: Kommt eine Carsharing-Station nach Bornheim?

Klimafreundlich unterwegs : Kommt eine Carsharing-Station nach Bornheim?

Teilen ist im Trend - vor allem beim Autofahren. Die Bürgerenergie Rhein-Sieg bietet seit Dezember 2018 ein E-Auto in Sechtem zum Carsharing an. Die Energiegenossenschaft arbeitet an einem deutschlandweiten Netzwerk. Im Blick als Standort ist auch das Bornheimer Zentrum.

Seit gut einem Jahr rollt ein weißer Renault Zoe durch die Straßen Bornheims. Das Besondere daran: Das Elektroauto ist das erste Carsharing-Auto Bornheims. Die Bürgerenergie Rhein-Sieg stellte den Wagen im Dezember 2018 am Parkplatz an der Straßburger Straße, direkt gegenüber der katholischen Kirche, ab. Thomas Schmitz, Vorstandsvorsitzender der Energiegenossenschaft, zieht nach dem ersten Jahr ein positives Fazit.

Ihm zufolge sind mit dem Elektroauto bisher 8000 Kilometer zurückgelegt worden; 30 Nutzer seien für das Auto registriert, 18 nutzten es regelmäßig. Für die Bürgerenergie war die Sechtemer Station ein Test, ob die Idee des Autoteilens auch außer­halb der Zentren von Großstädten funktioniert. Schmitz ist überzeugt vom Konzept des „Carsharings im Veedel“, also den Nutzern das Auto dort zur Verfügung zu stellen, wo sie es brauchen: vor der eigenen Haustür. „Die Einwohner von Sechtem haben das akzeptiert“, ist Schmitz sich sicher. In Bornheim führe die Bürgerenergie gerade Gespräche für drei weitere Standorte, einer davon an einem Seniorenheim.

Aber damit nicht genug: Die Genossenschaft hatte im Vorfeld in den 19 Kommunen des Rhein-Sieg-Kreises plus Bonn 750 Wohnbereiche identifiziert, die sich Schmitz zufolge potenziell für solche persönlicheren Carsharing-Stationen eignen. Neben Bornheim liefen momentan Abstimmungsgespräche für Stationen in Sankt Augustin, Bonn, Troisdorf und Siegburg.

Und an den Kreisgrenzen soll noch nicht Schluss sein. „In Deutschland gibt es überall verteilt ungefähr 1000 Energiegenossenschaften“, sagt Schmitz. Diesen Monat finde ein Treffen mit Vertretern einiger davon statt, um eine Dachgenossenschaft zu gründen, die ein bundesweites Carsharing-Netz aufbauen soll. So stellt Schmitz sich das Konzept vor: Services wie das Buchen der Fahrzeuge könnten zentral von einem hauptamtlichen Mitarbeiter gesteuert werden, die Akquise liefe nach wie vor über die Genossenschaften vor Ort.

Station in Sechtem auch ohne Ladesäule erfolgreich

Die Carsharing-Station in Sechtem war trotz E-Auto ohne Ladesäule an den Start gegangen. Diese sollte eigentlich im vergangenen Frühjahr installiert werden, fehlt aber bis heute. Es sei schon etwas Besonderes, dass die Nutzer so lange selbstständig für die Aufladung gesorgt hätten. „Und keiner meckert, dass irgendetwas nicht funktioniert“, sagt Schmitz. „Das findet auch in Gesprächen mit anderen Anbietern immer wieder Beachtung.“ Ein Bürger, der selbst über ein E-Auto verfüge, nehme den Renault regelmäßig mit nach Hause, um ihn an seiner Wall-Box, einer hauseigenen Ladestation, aufzuladen.

Bald solle die Ladesäule an der Straßburger Straße aber kommen, verspricht Schmitz. Die Genossenschaft habe einen Partner gefunden, der die Säule aufstellt. Aktuell warte man auf eine Genehmigung der Stadt Bornheim.

Wer sich im Kreis eine Carsharing-Station wünscht, kann aktiv auf die Bürgerenergie zugehen. Wenn sich genug Sharing-Willige zusammenfinden, „führen wir ein Gespräch mit der Gruppe und erklären ihnen, wie wir arbeiten“, beschreibt Schmitz die Vorgehensweise. Dafür könnten sich Anwohner entweder direkt vor Ort untereinander absprechen oder das Kontaktformular auf der Website www.be-rhein-sieg.de nutzen, und hoffen, dass genügend Interessenten in ihrem Wohngebiet zusammenkommen. Schmitz: „Entscheidend ist, dass die Gruppe groß genug ist. Die kritische Menge liegt bei 15 bis 20 Interessenten.“ Ab dieser Zahl würde sich eine Carsharing-Station rechnen.

Um das Auto in Sechtem zu buchen, reservieren die Nutzer über das Internet oder eine Handy-App einen gewünschten Termin. Sie können sich zwischen den Tarifen S, M und L entscheiden, die sich in der Grundgebühr, dem Stunden- und dem Kilometerpreis unterscheiden. Am beliebtesten ist in Sechtem Schmitz zufolge der S-Tarif, mit fünf Euro pro Stunde, 30 Cent pro Kilometer, aber ohne Grundgebühr. Ein Wechsel zwischen den Tarifen sei unkompliziert mit einer E-Mail an die Genossenschaft machbar und einmal im Jahr kostenlos.

Bornheimer will Carsharing-Station im Zentrum

Bemühungen, eine weitere Car­sharing-Station zu errichten, gibt es momentan im Bornheiner Zentrum: Anwohner Harry Gruß wünscht sich ein geteiltes Auto zum Beispiel an der Schonewegstraße, Leo-Koppel-Straße, am Apostelpfad, Hordorfer Weg oder an der nördlichen Königstraße. Seit einigen Wochen zieht er von Haustür zu Haustür, verteilt Handzettel und sucht so nach Gleichgesinnten, die ihr (Zweit-)Auto nur gelegentlich nutzen und lieber darauf verzichten würden.

Bornheims Ortsvorsteher Frank Gerihsen unterstützt das Projekt als Schirmherr, weil er es nach eigener Aussage „für zukunftsfähig“ hält. Angedacht ist Gruß zufolge stationäres Carsharing wie in Sechtem, das heißt jede Fahrt beginnt und endet an einer vorgegebenen Parkposition. In der letzten Januarwoche will er ein erstes Resümee ziehen. „Dann wollen wir auf einen Partner zugehen, der die Organisation übernimmt, wie die Bürgerenergie oder e-regio, und nach einem Angebot fragen“, sagt Gruß.