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Wie die Römer Glas machten: Französische Jugendhandwerker bauen Holzhütte in Rheinbach

Wie die Römer Glas machten : Französische Jugendhandwerker bauen Holzhütte in Rheinbach

Als Bestandteil des Lehrlings-Austauschprogramms der Kreishandwerkerschaft Rhein-Sieg haben französische Azubis in Rheinbach eine Holzhütte gebaut, in der zwei der römischen Glasöfen künftig dauerhaft ihren Standort haben sollen. Am Sonntag wird diese eröffnet.

Der Bau und die Vorführung der römischen Glasöfen gehörten im vergangenen Jahr zu den Glanzlichtern des Doppel-Jubiläums 70 Jahre Rheinbacher Glasfachschule und 50 Jahre Glasmuseum.  Die drei Öfen, ein Perlen-, ein Schmelz- und ein Kühlofen, waren eigens vom Archäologen Frank Wiesenberg mit Unterstützung von Glasfachschülern und einiger fachkundiger Freiwilliger gebaut worden. Seither war aber nur der kleine Perlenofen bei der Eröffnung des Römerkanal-Infozentrums im Himmeroder Hof noch einmal in Betrieb genommen worden. Die beiden anderen Öfen waren es allerdings nicht mehr. Das soll sich aber nun – falls möglich, regelmäßig – ändern: Die Voraussetzungen dafür haben jetzt sieben Junghandwerker aus der französischen Stadt Blois geschaffen.

Als Bestandteil des Lehrlings-Austauschprogramms der Kreishandwerkerschaft Rhein-Sieg, der Zimmerer- und der Dachdecker-Innung haben die Azubis aus der an der Loire gelegenen Stadt zwischen Orléans und Tours eine Woche lang zwischen dem Glaspavillon, dem Jugendwohnheim und der Glasfachschule in Rheinbach eine Holzhütte gebaut, in der zwei der drei Öfen künftig dauerhaft ihren Standort haben sollen. Das Holzgebäude selbst wird – passend zum fragilen Werkstoff – rundum verglast, sodass die Öfen permanent von außen besichtigt werden können.

Glasöfen sollen regelmäßig für Vorführungen in Rheinbach angeheizt werden

Der kleine Perlenofen verbleibt nach derzeitigem Stand dauerhaft im Himmeroder Hof. Der Schmelz- und der Kühlofen sind – anders als der Perlenofen – aufgrund ihrer imposanten Größe und ihres Gewichts so gut wie nicht mobil.

Der Clou der Holzhütte unweit des  Glaspavillons ist aber, dass die beiden Öfen dort an Ort und Stelle zu Demonstrationszwecken in Betrieb genommen werden können, dank des außerdem während dieser Woche neu installierten Kaminabzugs. „Geplant ist, dass die Öfen mehrmals im Jahr für Workshops oder anlässlich anderer publikumswirksamer Anlässe zum Einsatz kommen“, erklärte Ruth Fabritius, Leiterin des Glasmuseums Rheinbach.

Rheinbacher Projekt wird durch Spenden finanziert

Das ganze Projekt wird ausschließlich durch Spenden finanziert und von ehrenamtlichen Sachkundigen durchgeführt. Finanzielle beziehungsweise materielle Unterstützung kommt von verschiedenen Institutionen, Firmen und Privatpersonen aus der Region. Entstanden ist das Projekt übrigens im Rahmen des Deutsch-Französischen Junghandwerker-Austauschprogramms, das seit dem Jahr 1983 mit der Zimmerer-Innung und der Dachdecker-Innung Bonn/Rhein-Sieg in Zusammenarbeit und mit Unterstützung der Deutsch-Französischen Agentur für den Austausch in der beruflichen Bildung (kurz: Pro Tandem) durchgeführt wird.

Alle Interessierten sind für Sonntag, 17. November, 15 Uhr, zur Inbetriebnahme der neuen Hütte an ihrem neuen Standort, An der Glasfachschule 4, eingeladen. Dann wird der Archäologe Frank Wiesenberg auch wieder demonstrieren, wie zur Zeit der alten Römer vor über 2000 Jahren Glas geschmolzen und das glühende Glas geblasen wurde. Dazu verwendet der Wissenschaftler eine Glasmacherpfeife. Der Verein „Freunde edlen Glases“ bietet an dem Sonntag gleichzeitig eine Mitmachaktion für Kinder an – allerdings in gebührender Entfernung von dem heißen Ofen.