Ehrenamtliche Einsatzkräfte: Feuerwehren im Rhein-Sieg-Kreis finden genug Ehrenamtliche

Ehrenamtliche Einsatzkräfte : Feuerwehren im Rhein-Sieg-Kreis finden genug Ehrenamtliche

Ohne ehrenamtliche Kräfte gibt es im Rhein-Sieg-Kreis keine Feuerwehren. Löschgruppen lassen sich zur Mitgliedergewinnung einiges einfallen – mit Erfolg. Der Kreisbrandmeister sieht für Berufsfeuerwehren keinen Anlass

Wenn es brennt, muss es schnell gehen. Innerhalb weniger Minuten müssen Feuerwehr und Feuerwehrfrauen am Einsatzort sein. Lage sichten, Schläuche parat machen, Wasser marsch! Im Rhein-Sieg-Kreis liegt die Rettung von Hab und Gut sowie von Menschenleben fast ausschließlich in der Hand von Freiwilligen. Der Dienst in der Feuerwehr ist ein weit verbreitetes Ehrenamt – und zugleich ein besonderes. Schließlich kann man jederzeit zu einem Brand oder Unfall alarmiert werden: tagsüber, nachts, an Wochenenden, an Karneval, an Weihnachten. Dazu kommt, dass der Dienst anstrengend sein kann, manchmal auch gefährlich. Da ist es nicht immer leicht, Nachwuchs zu finden. Landauf, landab machen sich die Verantwortlichen dazu Gedanken. Auch in der Region.

Intensive Jugendarbeit

Dass die freiwillige Teilnahme bei der Feuerwehr nach wie vor ein attraktives Ehrenamt ist, stellt Kreisbrandmeister Dirk Engstenberg fest.  „Die Personalstärken sind in unseren Feuerwehren seit Jahren leicht steigend“, sagt Engstenberg auf Anfrage des General-Anzeigers. Es sei hauptsächlich einer intensiven Jugendarbeit in den Feuerwehren zu verdanken, dass „der Zuwachs von jungen Feuerwehrfrauen und -männern größer ist als die Abgänge aus den Einsatzabteilungen unserer Wehren“, stellt der 50-jährige Aufsichtschef über die Freiwilligen Wehren der 19 Kreiskommunen sowie der zwei Werksfeuerwehren von Evonik in Niederkassel und dem Siegburger Siegwerk fest. Auch die zunehmende Zahl von Kinderfeuerwehren für sechs bis zwölf Jahre alte Mädchen und Jungen seien Teil der Erfolgsgeschichte.

Diese positive Mitgliederentwicklung helfe dabei, die Tagesverfügbarkeit der ehrenamtlichen Einsatzkräfte in den Kommunen sicherzustellen. Denn: Viele nehmen täglich weite Wege in Kauf, um zu ihrem Arbeitsplatz zu pendeln – zu weit, um schnell zu einem Einsatzort zu Hause eilen zu können. „Dies ist zurzeit die größte Herausforderung für die Städte und Gemeinden landesweit“, weiß Engstenberg. Aber: Hierfür werde durch die Kommunen gegengesteuert, indem dafür geworben wird, dass Feuerwehrangehörige am jeweiligen Arbeitsort mit einer Doppelmitgliedschaft dort in die Feuerwehr eintreten. „Dies bedingt jedoch eine Freistellung durch den Arbeitgeber für die entsprechenden Einsatzteilnahmen“, weiß der Kreisbrandmeister.

Berufsfeuerwehren in Köln, Bonn, Aachen und Leverkusen

Die Einrichtung von Berufsfeuerwehren im Kreis hält Engstenberg allerdings nicht für notwendig: „Große kreisangehörige Kommunen können, kreisfreie Städte müssen eine Berufsfeuerwehr einrichten“, sagt er. Im Kreis gebe es bis dato keine Berufsfeuerwehren, in Troisdorf und Siegburg stellten aber Freiwillige Feuerwehren mit einigen wenigen hauptamtlichen Kräften die Gefahrenabwehr sicher. Im Regierungsbezirk Köln verfügten die kreisfreien Städte Aachen, Bonn, Köln und Leverkusen über Berufsfeuerwehren.

„Die Personalgewinnung ist für eine rein ehrenamtliche Feuerwehr zu jeder Zeit ein sehr zentrales Thema“, sagt Thorsten Ohm, Chef der Alfterer Feuerwehr. Glücklicherweise gelinge es bisher, über die Jugendfeuerwehr und zukünftig auch die Kinderfeuerwehr sowie erwachsene Quereinsteiger die Personalstärke zu halten und in letzter Zeit sogar leicht zu erhöhen, sagt er weiter. Aktuell hat die Alfterer Wehr 149 aktive Einsatzkräfte, verteilt auf vier Löschgruppen. Die Zahl ist laut Ohm in den vergangenen zehn Jahren tendenziell stabil geblieben. 2019 hatte es in Alfter 177 Feuerwehreinsätze gegeben.

Ehrenamtskarte für Alfterer Wehrleute

Die wichtigsten Maßnahmen zur Personalgewinnung sind laut Ohm kontinuierliche Öffentlichkeitsarbeit und die eigenen Mitglieder. Sie berichteten im Freundes- und Bekanntenkreis, dass ein  Engagement bei der Feuerwehr nicht nur sinnvoll sei, sondern auch noch Spaß mache. „Darüber hinaus haben wir gemeinsam mit der Gemeindeverwaltung seit 2016 verschiedene Maßnahmen zur Ehrenamtsförderung umgesetzt“, sagt er weiter. So könnten Angehörige der Alfterer Feuerwehr die NRW-Ehrenamtskarte beantragen, mit der viele Vergünstigungen bei kulturellen oder Dienstleistungsangeboten verbunden sind. Ebenso erhalten Atemschutzgeräteträger laut Ohm einen finanziellen Beitrag zu sportlichen Aktivitäten, etwa für eine Mitgliedschaft in einem Fitnessstudio.

Auch in Alfter stellen vor allem tagsüber Feuerwehreinsätze ein Problem dar, da die meisten Wehrleute in anderen Städten und Gemeinden arbeiten. Aus diesem Grund wurde bereits 2015 eine Tagesalarmgruppe mit Mitarbeitern der Gemeindeverwaltung und des Bauhofs eingerichtet. Laut Ohm besteht diese aktuell aus zwölf Kräften.  2018 waren es nur sieben. Das sei zwar eine erhebliche Verbesserung, so Ohm, die Problematik bleibe trotzdem weiterhin aktuell.

Spiel und Spaß bei den Löschdrachen

 Große Nachwuchssorgen plagen auch die Feuerwehrleute im Siebengebirge derzeit nicht. Ein Grund: Sowohl die Freiwillige Feuerwehr in Königswinter als auch die Kollegen in Bad Honnef haben 2018 beziehungsweise 2019 eigene Kinderfeuerwehren gegründet, die enormen Zulauf verzeichnen. So lernen bei den „Löschdrachen“ in Oberdollendorf derzeit 22 Jungen und Mädchen spielerisch die Grundlagen der Feuerwehrarbeit. Die Plätze sind begrenzt, die Warteliste ist lang. „Vier von ihnen sind vor Kurzem in die Jugendfeuerwehr überstellt worden“, sagt Michael Klingmüller, stellvertretender Leiter der Königswinterer Wehr, bei der in acht Löscheinheiten zwischen 300 und 320 Männer und Frauen aktiv sind. „Da gibt es jetzt wieder Platz für Nachrücker.“

Bemerkenswert findet er auch, dass allein im vergangenen Jahr vier Quereinsteiger den Weg zur Feuerwehr gefunden haben: Ehrenamtliche, die nicht den klassischen Weg über die Jugendfeuerwehr genommen haben. Begünstigt habe diese Entwicklung auch das Gesetz über den Brandschutz, die Hilfeleistung und den Katastrophenschutz (BHKG), das das Land NRW Ende 2015 erlassen hat. „Seitdem können Feuerwehrleute zum Beispiel auch über die Regelaltersgrenze von 60 Jahren hinaus bei der Wehr aktiv sein – und somit etwa die Einsatzkräfte im Tagdienst verstärken. Ein Angebot, das laut Lutz Schumacher, Sprecher der Königswinterer Feuerwehr, auch einige Kameraden gerne wahrgenommen hätten. Das Gesetz regele zudem die Einrichtung der sogenannten „Unterstützungsabteilungen“. „Damit gibt es jetzt die Möglichkeit, auch ohne die eher zeitintensive Grundausbildung sich bei der Feuerwehr zum Beispiel in der IT oder als Betreuer bei der Kinderfeuerwehr zu engagieren“, so Schumacher. „Da ist im Moment vieles im Fluss bei uns.“

Wehren betreiben Werbung  in eigener Sache

Woher das aktuelle Interesse an der Arbeit der Wehr rührt, vermag auch Frank Quadflieg, stellvertretender Leiter der Freiwilligen Feuerwehr in Bad Honnef, nicht zu erklären. „Es verläuft zumeist in einer Wellenform“, sagt er. „Derzeit läuft es prima.“ 120 Aktive verteilen sich auf drei Einheiten, ein gutes Dutzend Kinder machen in der neuen Kinderfeuerwehr mit, rund 30 Jungen und Mädchen in der Jugendfeuerwehr. „Da zieht dann ein Jugendlicher die anderen mit“, sagt er. Auch die Werbemaßnahmen der vergangenen Monate zeigten zwischenzeitlich Erfolg, glaubt Björn Haupt, Sprecher der Bad Honnefer Wehr. „Über die sozialen Medien können wir Informationen über unsere Arbeit breit streuen“, sagt er. „Und wir haben zum Beispiel Plakatwerbung und Flyer fleißig genutzt.“