Dorfladen in Merzbach: Ehepaar aus Syrien haben Geschäft übernommen

Kein Leerstand trotz Ruhestand : Ehepaar aus Syrien übernimmt den Dorfladen in Merzbach

Nach dem altersbedingten Ausscheiden von Bäckermeister Günter Zimmer übernimmt ein syrisches Ehepaar den Merzbacher Dorfladen. Damit ist der drohende Leerstand der Geschäftsräume abgewendet.

Die Erleichterung ist Günter Zimmer anzusehen: Der Dorfladen in Merzbach, den der Bäckermeister elf Jahre lang mit Herzblut geführt hat, wird nicht leerstehen, wenn er in den Ruhestand geht. Auf den Aufruf, das Geschäft an der Merzbacher Straße vor der Schließung zu bewahren, meldete sich Fatema Hemma. Die 43-jährige Syrerin, die vor vier Jahren mit ihrem Mann Riad als Asylsuchende nach Rheinbach kam, erfüllt sich mit der Neueröffnung einen Traum, den sie bis zu ihrer Flucht, schon viele Jahre in ihrer Heimat gelebt hat. An diesem Samstag öffnen das Ehepaar Hemma den renovierten Laden im Rheinbacher Höhenort.  

Ursprünglich führte Familie Scheben in Merzbach ein Lebensmittelgeschäft mit einer Metzgerei. Viele Jahrzehnte lang zogen die Menschen in Merzbach und den umliegenden Orten den Besuch bei Schebens einer Fahrt zum Einkaufen in die Kernstadt vor. Nach Schließung des Geschäftes gab es einige weitere Kaufleute, die den Merzbachern im Dorfladen ein Angebot machten. In den vergangenen elf Jahren führte Bäckermeister Günter Zimmer das Geschäft. Er backt und verkauft Backwaren der Firma Mauel.

Deal nach der Bürgerversammlung „Rettet den Dorfladen“

Als die Nachricht die Runde machte, dass sich Zimmer ab Dezember aus dem Arbeitsleben zurückziehen wird, herrscht so etwas wie blankes Entsetzen im Ort: Doch das währte nicht lange. Im Oktober lud Dorothea Finke alle Bewohner zur Bürgerversammlung „Rettet den Dorfladen“ ein. Fatema Hemma bekundete ihr Interesse, und nach dem Austausch von Ideen und Anregungen machte Zimmer den Deal perfekt.

Sieben Jahre führte das Paar in Syriens Hauptstadt Damaskus ein Lebensmittelgeschäft sowie zusätzlich fünf Jahre lang zwei Geschäfte, in denen Handys und Laptops verkauft wurden. Zuvor betrieben sie acht Jahre lang eine Catering-Küche. Fatema Hemma freut sich auf die neue Herausforderung: „Wir begrüßen alle Bürgerinnen und Bürger aus Merzbach und Umgebung sehr herzlich und freuen uns auf Ihr Kommen und Ihre Anregungen.“

Viele haben ihr geholfen, ihren Traum möglich zu machen. Zum Beispiel Jörg Meyer. Er und weitere Menschen halfen dabei, Finanzierungspläne zu schreiben, die Gründungsberatung beim Job-Center aufzusuchen, sich mit dem bisherigen und zukünftigen Lieferanten Mauel abzustimmen oder eine neue Kühlzeile zu kaufen. Und Zimmer zeigte den Hemmas mehr als vier Wochen lang, was zu tun ist, um aus den Teigwaren leckeres Backwerk zu machen. Zur Eröffnung an diesem Samstag soll es für jeden, der kommt, einen Kaffee geben. Eine große Eröffnungsfeier ist im neuen Jahr geplant.