Burgen im Linksrheinischen: Wo die „tolle Lola“ residierte

Burgen im Linksrheinischen : Wo die „tolle Lola“ residierte

Interessante Persönlichkeiten prägen die Geschichte der Wolfsburg und von Haus Wittgenstein in Bornheim-Roisdorf. Das Anwesen ist ein beredetes Beispiel für das Phänomen des Kölschen Klüngels. Der General-Anzeiger war in beiden Häusern zu Gast.

Wer die Geschichte der Roisdorfer Wolfsburg und des nahe gelegenen Hauses Wittgenstein erkunden möchte, der wird auch dem „Beherrscher des Kölner Klüngels“ und der „tollen Lola“ begegnen. Immerhin sei die Frage „Was für Menschen lebten hier?“ doch mit die spannendste bei einer Burgbesichtigung, findet Ernst Gierlich. Der Historiker und Vorsitzende des Vereins „Heimatfreunde Roisdorf“ hat sich viel Wissen um die beiden historischen Bauwerke in seinem Wohnort angelesen und zum Teil selbst nach Quellen gesucht.

Dass es um gleich zwei eindrucksvolle Bauten geht, hat einen guten Grund: Sie gehörten einst zusammen. Wie Gierlich erklärt, war es im Mittelalter typisch, eine befestigte Höhenburg und einen zugehörigen wehrhaften Wirtschaftshof zu führen. So habe Mitte des 14. Jahrhunderts die Familie der Herren von Metternich sowohl das Haus Wittgenstein (damals noch Burg auf dem Metternichsberg) an der heutigen Straße Ehrental besessen als auch die Wolfsburg am heutigen Siefenfeldchen, die damals noch Brucher Hof hieß.

Der Name Wolfsburg für die früher von Wassergräben umgebene, typisch rheinische Wasserburg ist laut den Heimatfreunden erst ab dem 18. Jahrhundert belegt. Er stammt von der Familie Wolff, an die das Anwesen im 16. Jahrhundert überging. Um den Namen rankt sich jedoch auch eine mysteriöse Geschichte um einen Ritter und einen Wolf. Die Sage erzählt Gierlich gerne, wenn er durch die Wolfsschlucht hinauf zu Haus Wittgenstein geht.

Wann genau die Wolfsburg errichtet wurde, ist indes unklar. Laut den Roisdorfer Heimatfreunden gibt es Quellen, die auf Mitte des 14. Jahrhunderts hindeuten. Erhaltene Baufugen der Hauptburg lassen, wie Gierlich zeigt, jedenfalls erkennen, dass deren südwestliche Ecke den ältesten Teil der Anlage bildet. Auch eine Jahreszahl ist an der Fassade zu erkennen: 1626. Damals erhielt die Wolfsburg im Wesentlichen ihre heutige Form, bei der laut den Heimatfreunden besonders die kunstvoll abgetreppten und geschweiften Giebel als charakteristische Bauelemente der rheinischen Spätrenaissance erscheinen.

Aber nun zum „Kölner Klüngel“: Im Jahre 1860 übernahm der erfolgreiche Kölner Geschäftsmann Heinrich von Wittgenstein die Wolfsburg, laut Gierlich auch „Beherrscher des Kölner Klüngels“ genannt. So sei er unter anderem erster Präsident des Festkomitees Kölner Karneval und Vorsitzender des Kölner Dombauvereins gewesen. Seiner Familie gehörte seit 1789 auch die alte Roisdorfer Höhenburg auf dem Metternichsberg. Durch seine guten Kontakte habe Heinrich von Wittgenstein diese um 1845 von keinem geringerem als dem Kölner Dombaumeister Ernst Friedrich Zwirner zu einer eleganten Sommervilla im klassizistischen Stil samt großem Park ausbauen lassen – dem heutigen Haus Wittgenstein.

Dort, wo heute das Bibelseminar Bonn beheimatet ist und in den 90er Jahren zeitweise die Grünen ihre Bundesgeschäftsstelle hatten, lebte nach dem Zweiten Weltkrieg auch eine „richtige Prinzessin“, wie Gierlich berichtet: Prinzessin Armgard zur Lippe-Biesterfeld, Mutter des Prinzen Bernhard der Niederlande – genannt „die tolle Lola“. „Das war eine ganz exzentrische Dame“, sagt Gierlich. „Sie soll Zigaretten rauchend im offenen Wagen durch den Ort gefahren sein. Da sprechen die alten Roisdorfer heute noch von.“

Der Roisdorfer Ortsvorsteher Wilhelm Rech war es indes, der 1888 die Wolfsburg von Heinrich von Wittgenstein kaufte. Im Besitz der Familie Rech ist die Wolfsburg bis heute geblieben und dient nun als schmucker Wohnsitz.

Führungen Wolfsburg und Haus Wittgenstein (nur außen) an den Freitagen, 26. Mai und 30. Juni, 15 Uhr. Die Teilnahme ist kostenlos. Anmeldung unter 02 28/9 54 41 00 und per Mail: info@rhein-voreifel-touristik.de