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Wiederaufführung eines ungeliebten Stücks

Wiederaufführung eines ungeliebten Stücks

Bei einer Bürgerversammlung des Landschaftsschutzvereins Vorgebirge zeichnet sich eine Protestwelle gegen die neuen Bergbaupläne ab. Deutliche Kritik an Regierungspräsident Hans Peter Lindlar.

Eigentlich sind die Quarzabbau-Gegner aus den Reihen des Landschaftsschutzvereins Vorgebirge (LSV) ganz nüchterne Denker - Strategen, die wissenschaftlich argumentieren und die Politik im richtigen Moment mobilisieren. Doch manchmal lassen sie sich zu Sarkasmus hinreißen. Jetzt zum Beispiel, da die Bezirksregierung Köln zum dritten Mal seit 2002 den Versuch unternimmt, im Vorgebirge neue Flächen für den Quarzabbau im Regionalplan auszuweisen, sprechen die Landschaftsschützer von einem "Stück aus dem Tollhaus".

Das führten sie denn auch als "Drama in drei Akten" bei der Bürgerversammlung am Dienstag in Merten auf. Unter dem Zusatz "Hans Peter Lindlar proudly presents". Ob der Kölner Regierungspräsident seine neuesten Pläne für den Quarzabbau am Sonnenhof den Betroffenen und seinem Regionalrat "stolz präsentieren" wird, dürfte unwahrscheinlich sein. Denn wie schon im vergangenen Jahr muss er bei seiner "Wiederaufführung" mit dem geballten Unmut der Bevölkerung rechnen. Das wurde bei der vom LSV initiierten Versammlung mit 160 Besuchern, darunter die Landtagsabgeordneten Ilka von Boeselager (CDU), Achim Tüttenberg (SPD) und Bornheims Bürgermeister Wolfgang Henseler, deutlich. Wie berichtet, will die Bezirksplanungsbehörde am Sonnenhof auf der Höhe von Rösberg eine Konzentrationszone im Regionalplan für den Abbau von hochreinem weißen Quarzkies festschreiben: ungefähr 20 Hektar für den sofortigen Abbau, weitere 20 Hektar als Reservefläche.

Die Firma Euroquarz aus Dorsten (Kreis Recklinghausen) ist seit Jahren an dem Gebiet interessiert. Der im Juni 2006 beschlossene Auftrag des Regionalrats lautete aber, solch eine Zone in Weilerswist-Nord auszuweisen, wo bereits ein Tagebau der Rheinischen Baustoffwerke besteht. Das befürwortet auch der LSV. Warum die Bezirksregierung plötzlich umgeschwenkt ist, das weiß nach den Worten von Ilka von Boeselager "wohl nur der RP selbst". LSV-Vorsitzender Klaus Fietzek ergänzte: "Dabei ist Lindlar sich darüber im Klaren, dass der Sonnenhof gar nicht die regionalplanerisch vorgeschriebenen Laufzeit von insgesamt 50 Jahren erreichen kann.

"Weil damit der Status einer Konzentrationszone nicht erfüllt ist, können laut Fietzek die Bergbaufirmen auch in Zukunft "überall im Naturpark weiterhin Anträge stellen." Zum Beispiel bei Swisttal-Buschhoven, ein Gebiet, um das sich die Kieswerke Rheinbach bemühen, aber auch im Vorgebirge. Der LSV befürchtet, dass sich die Bagger im Anschluss an das Projekt Sonnenhof weiter in Richtung der Bornheimer Ortschaften fressen. Michael Pacyna, zweiter LSV-Vorsitzender, rief die Bevölkerung zum Widerstand gegen die Pläne des RP auf: "Euroquarz kann sich sonst bei einem Abbauantrag darauf berufen, der Bergbau sei regionalplanerisch gewollt. Nach wenigen Jahren wird das Gebiet erschöpft sein, und der Abbau rückt dann weiter in Richtung Merten, Rösberg und Hemmerich vor."

Die Qualität des dort liegenden Quarzkieses gilt als umstritten. Pacyna wies auch auf einen Widerspruch in der Argumentation des RP hin. 2005 habe er dem Abbaugebiet am Sonnenhof nur "mittlere Abbauwürdigkeit" zugestanden, heute attestiere er eine "hohe". Wichtige Daten, die zu dieser höheren Einstufung führten, sind laut LSV unter Verschluss gehalten worden. Euroquarz-Vertreter Gernot Müller, am Dienstag ebenfalls dabei, erklärte sich unter dem Druck der Versammlung zur Herausgabe der fehlenden Bohrergebnisse bereit.

Er verteidigte das Vorhaben seiner Firma und verwies auf den Bedarf an hochreinem weißen Quarzkies, wie er am Sonnenhof zu finden sei. Ihm widersprach der Geologe Michael Veerhoff, der ein im Auftrag vom LSV erstelltes Gutachten präsentierte. Demnach ist der Quarzkies in Weilerswist-Nord viel hochwertiger und in viel dickeren Schichten zu finden. Am Sonnenhof sei deshalb im Falle eines Abbaus der Flächenverbrauch weit höher als in Weilerswist. Das bestätigte Dieter Anders, Rechtsvertreter der Rheinischen Baustoffwerke, die nördlich ihres Weilerswister Abbaubetriebs gerne weitergraben würden. "Wir waren selbst am Sonnenhof interessiert, haben aber davon Abstand genommen, weil die Kiesqualität nicht hinreichend war", sagte er. Sowohl Ilka von Boeselager als auch Achim Tüttenberg lehnten einen Tagebau am Sonnenhof ab, und Bürgermeister Wolfgang Henseler kündigte ein "Zusammenwirken aller politischen Kräfte mit den Abbaugegnern" an. Der RP, sagte er, sei in Sachen Quarzabbau immer für Überraschungen gut. "Aber mit den Überraschungen des RP sind wir bisher immer gut fertig geworden."