Sie sind dann mal weg: Wenn der Weg auf der Wallfahrt bereits ist das Ziel ist

Sie sind dann mal weg : Wenn der Weg auf der Wallfahrt bereits ist das Ziel ist

Die Sonne ist noch nicht aufgegangen, da starten etwa 50 Pilger schon zur Kardorfer St. Joseph-Fußwallfahrt von Brenig nach Ahrweiler. Wallfahrten auf Schusters Rappen liegen im Trend.

Bereits wenige Minuten bevor die Sonne am Karfreitagsmorgen aufging, trafen sich um 6.30 Uhr etwa 50 Pilger die dem Aufruf der Kardorfer Kirchengemeinde St. Joseph zu ihrer alljährlichen Fußwallfahrt zum Kloster Kalvarienberg in Ahrweiler gefolgt waren. Vom Wallfahrtskreuz am Breniger Römerhof bis zu der Wallfahrtsstätte in Bad Neuenahr-Ahrweiler lagen 31 Kilometer vor den Pilgern, die gegen 15 Uhr, zur angenommenen Todesstunde von Jesus auf Ahrweilers Kalvarienberg eintreffen wollten.

Zum zehnten Mal führt der Kardorfer Philipp Münch die Gruppe der Pilger an. Das Pilgerkreuz aus Birnbaumholz darf jeder tragen, der es möchte. Münchs Frau Maria hat es ihrem Mann in einer Waldorfer Schreinerei anfertigen lassen. Für die meist gläubigen Pilger ist über das Singen der Lieder und das gemeinsame Sprechen der Gebete bereits der Weg das Ziel einer Pilgertour.

„Einer, der noch nie gepilgert ist, wird sich fragen, wie kann man von einer Fußwallfahrt, die an einem freien Tag im Morgengrauen beginnt und körperlich schon etwas abverlangt, begeistert sein?“, nimmt Münch die ihm häufig gestellte Frage vorweg und gibt als Antwort die Aufforderung, „Mitmachen und selbst die Erfahrung machen“.

Sabine Kümmeler und Rainer Volkmer aus Brühl sowie ihr Wanderfreund Wilfried Düx aus Waldorf sind zum ersten Mal dabei. Es sei weniger der religiöse Anlass, als vielmehr das Wandern selbst, was sie zu der Gruppe gebracht habe. „Aber es bringt was; es macht was mit einem“, sagt Düx und kommt zu dem Fazit, dass man zur Ruhe kommt.

Die Seniorin Renate Klein aus Bornheim hat schon viele Wallfahrten in ihrem Leben mitgemacht und stellt fest, „ich kann das heute viel besser, als zu Zeiten, in denen ich noch jung war. Früher war das alles immer so hektisch. Jetzt habe ich meine innere Ruhe gefunden“. Man begegne Menschen, die alle das gleiche Ziel hätten, Natur und Schöpfung zu erleben weiß Münch aus Erfahrung. Und darunter fänden sich auch Menschen, „die mit der Kirche nicht mehr viel zu tun haben.

Würden wir hier eine 'richtige Wallfahrt' machen“, sagt Münch, „dann hätten wir bereits bis Röttgen schon zehn Mal den Rosenkranz gebetet. Das macht ja heute keiner mehr mit“. Ihm ist daran gelegen, auch junge Christen wieder für die Wallfahrt zu begeistern. Die Voraussetzungen dafür waren gut: Alle Teilnehmer, ob jung oder alt, wurden mit einem sonnig kühlen Wetter belohnt, wie es für so eine – auch sportliche Leistung – kaum besser hätte sein können.