Neuer Krimi von Bernd Stelter: Wenn der Killer auf leisen Klompen kommt

Neuer Krimi von Bernd Stelter : Wenn der Killer auf leisen Klompen kommt

Der Kabarettist und Entertainer Bernd Stelter legt seinen zweiten Campingkrimi vor. Am Montag präsentiert er das Werk bei einer Lesung in der Bornheimer Stadtbücherei.

Eine Fülle großer Filme unterscheidet sich von weniger großen Streifen der Cineastenkunst nur durch ein einziges Wort: „Ende“ erfüllt zum Filmschluss formatfüllend die Leinwand, manchmal ist es auch „Fin“ oder „The End“, um zu signalisieren, dass die atemlose Spannung ein Ende hat. Sollte Bernd Stelters neuestes Buch verfilmt werden, würden final zwei Worte erscheinen, bevor die Abspannmusik erklingt: „Het Einde“. Denn: Mit „Der Killer kommt auf leisen Klompen“ legt der Kabarettist, Karnevalist und Entertainer bereits seinen zweiten Campingkrimi vor.

Dass der Caravanfreund diesen an der holländischen Nordseeküste spielen lässt, ist beileibe keinem Klischee entsprungen, sondern eine echte Herzensangelegenheit, wie er im Gespräch mit dem General-Anzeiger berichtet. „Mich zieht es seit 20 Jahren immer wieder nach Middelburg“, schwärmt er. Verliebt sei er in den Charme der mittelalterlichen Stadt, die einst nach Amsterdam die zweitwichtigste Stadt des Oranje-Königreichs gewesen ist.

Hausboote sind Bornheims und Middelburgs Gemeinsamkeit

Am Montag, 3. April, stellt der 55-Jährige, der seit mehr als 25 Jahren in Bornheim lebt, den neuen Fall von Ermittler Piet van Houvenkamp, Hollands größter Agatha-Christie-Fan, im Ratssaal des Bornheimer Rathauses vor (siehe Kasten). Das „Heimspiel“ sei kein Auftritt wie jeder andere: „Das ist ein besonderes Ding für mich.“ Da er von Berufs wegen viel unterwegs ist, freue er sich, wenn er seine Herseler Scholle ansteuern, Ehefrau Anke von neuen Ideen berichten und am Rheinufer joggen oder radeln kann.

Apropos Rheinufer: Was sein Heimathafen Hersel und sein Urlaubshafen Middelburg gemeinsam haben, sind die vor Anker liegenden Hausboote. In solch einer schwimmenden, sanft schwankenden Behausung macht Stelters Ermittlerteam eine grausige Entdeckung: eine Frau – lächelnd, wunderschön, nackt. Sie habe nur einen Makel: Sie ist tot. „Sie war die schönste Tote, die er je gesehen hatte“, liest Stelter aus seinem neuen, 413 Seiten starken Werk.

Scheinbar fast beiläufig, aber doch wie eine wohl gesetzte Pointe erwähnt der vielseitige Unterhaltungskünstler, dass sein zweiter Krimi den Erstling mit dem Titel „Der Tod hat eine Anhängerkupplung“um 109 Seiten übertrifft. „Ich komme jetzt auch ohne Bilder aus“, sagt er und lacht. „Ich bin nicht von Beruf Schriftsteller, aber ich bin dabei, einer zu werden.“

Dank einer großen, schwarz gehaltenen Kladde sammelt der 55-Jährige alle Einfälle, Geistesblitze und Beobachtungen, die er in seine Bücher einfließen lässt. „Der Fall ist eine wilde Angelegenheit“, meint Stelter vielsagend. Klar ist nur, dass bei van Houvenkamp und seinen Kollegen rasch die Nerven blank liegen, denn natürlich tauchen auch die Camper vom Campingplatz „De Grevelinge“ erneut auf, um bei den Ermittlungen mitzumischen.

Der Name des Campingplatzes mag erfunden sein, räumt Stelter ein, ansonsten dürfen sich die Leser allerdings am reichen niederländischen Lokalkolorit erfreuen. Kein Wunder: Die Niederschrift seines zweiten Campingkrimis erfolgte selbstredend im Schatten seines unweit von Middelburg abgestellten Caravans.

„Da sitze ich dann, nachmittags mit einem Kaffee, abends mit einem Glas Wein und schreibe.“ Sollte der Kopf anstatt des Grills ins Qualmen geraten, steige er einfach auf sein Fahrrad und fahre los – nicht selten, um neue Eindrücke zu sammeln oder Details auf ihren Wahrheitsgehalt zu überprüfen. „Ich nehme mir vor, bis zu fünf Seiten am Tag zu schreiben“, berichtet der Mann, der zehn Jahre mit „7 Tage, 7 Köpfe“ Quotenhits feierte und ebenso lange das „NRW-Duell“ moderierte, ehe ihn der WDR dem Jugendwahn opferte. Nach drei Monaten im täglichen Fünf-Seiten-Tempo war das Buch fertig.

Typisch Stelter: Eben noch ist der Krimifan gebannt ob der kriminalistischen Raffinessen an den Campingstuhl gefesselt, da servieren die Protagonisten ein munteres Horsd’oeuvre trockenen Humors. Kostprobe: „Weißt du, warum Veganer keine Hühner essen?“, fragt einer. „Weil da Ei drin ist.“ Schwer zu sagen, ob solch eine Pointe auch im Kölner Gürzenich oder im kopfstehenden Telekom-Dome funktionieren würde.

Im Sommer schreibt Stelter Piet van Houvenkamps dritten Fall

Dem Krimi bekommt er gut. Einem Schelm oder dem Autor John Irving gleich, lässt Stelter seine Leser auch mal gerne im Nebel stochern. „Man muss falsche Fährten legen“, sagt er und liest noch eine Episode aus „Der Killer kommt auf leisen Klompen“. Wer ihm genau zuhört, merkt schnell: Einen Christian Brückner, seit fast vier Jahrzehnten die deutsche Stimme von Robert de Niro, braucht Stelter nicht, um das Hörbuch zu seinem Krimi zu vertonen. „Nein, das mache ich selbst.“ So wie seine anderen Bücher zuvor ebenfalls.

Im Sommer, da werde er wieder mit einem Glas Grimbergen, auch wenn dieses Bier aus Belgien kommt, vor seinem Vorzelt sitzen, den Computer aufklappen und Piet van Houvenkamps dritten Fall ersinnen. Und fest steht bereits heute ein charmantes Detail. Es endet mit den Worten: Het Einde.

Das Buch „Der Killer kommt auf leisen Klompen“ ist bei Lübbe erschienen und kostet 18 Euro, das Hörbuch von Lübbe Audio ebenso.

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