Camping auf dem Wasser: Warum der Jachthafen in Hersel so beliebt ist

Camping auf dem Wasser : Warum der Jachthafen in Hersel so beliebt ist

Die Bootsbesitzer im Herseler Jachthafen können sich keinen schöneren Urlaub als am Herseler Werth vorstellen. Der GA hat einige von ihnen besucht.

Hersel kann in Sachen Glamour und Promis zwar nicht mit Cannes mithalten. Und das Ufer des Rheins ist auch nicht so postkartentauglich wie die Côte d'Azur. Dennoch verbringen die Bootseigner im Jachthafen am Herseler Werth den Sommer am liebsten dort. Der GA hat einige von ihnen besucht.

Die „Thirsty Bitch“

An Steg 3 liegt die „Thirsty Bitch“. Petra und Markus Kühl aus Brühl haben ihr 210 PS starkes Boot so getauft, weil es auf 100 Kilometer etwa 50 Liter Diesel schluckt. Ein „durstiges Luder“ also. Das Ehepaar verbringt den Urlaub gerne im kroatischen Küstenstädtchen Nin. Dort wurde vor fünf Jahren beim Anblick der vielen Boote im Hafen die Idee geboren, sich ein eigenes Exemplar zu kaufen. „Das schönste Bootsrevier der Welt mit idealen Möglichkeiten zum Schnorcheln“, schwärmen beide vom dortigen Teil der Adria. In der Umgebung der Stadt lägen etwa 2000 Inseln mit entlegenen Buchten und klarem bis türkisblauem Wasser.

Bei schönem Wetter verbringen die Kühls ihre Wochenenden und auch manchen Abend in der Woche an Steg 3, an dem der Jachtclub Hersel beheimatet ist. Zur Not können sie auf dem Sportboot auch schlafen. „Das ist wie Camping auf dem Wasser. Oft grillen wir mit den anderen Anlegern oder trinken ein Bier zusammen“, erzählt der 51-jährige Ingenieur. Ausflüge führen nach Köln oder Bonn, oder auch schon mal die Mosel hoch bis nach Luxemburg. „Bis Koblenz brauchen wir drei Stunden“, berichtet Petra Kühl. Faszinierend an dieser Art des Urlaubs, so die 51-jährige Optikerin, sei die andere Perspektive vom Boot aus, das andere Zeitgefühl. „Das ist Entspannung pur“, ergänzt ihr Mann.

Die „Dolce Vita“

Die eineinhalbjährige Lia bewacht die „Dolce Vita“, die an Steg 5 liegt. Die Husky-Podenko-Mischung ist der Bootshund von Klauspeter (63) und Gaby (66) Schreiner. Das Ehepaar aus Erftstadt hat im Sommer eine große Tour bis zum Müritzsee absolviert. Die Route führte über den Rhein, den Rhein-Herne-Kanal, den Dortmund-Ems-Kanal und den Mittellandkanal in Richtung Elbe. „In sechs Tagen waren wir da“, berichtet Schreiner. Auch er schätzt das entschleunigte, stressfreie Reisen mit Tempo 30, das sie auch schon durch Frankreich ans Mittelmeer führte. Die elf Meter lange und 3,55 Meter breite „Dolce Vita“ wird von zwei 200-PS-Motoren angetrieben. Sollte einer von ihnen mal streiken, kein Problem: Schreiner ist gelernter Elektromaschinenbauer. Für die Verständigung im Ausland ist hauptsächlich seine Frau Gaby zuständig: Sie ist Dolmetscherin für Englisch und Italienisch.

Die „Strolch“

Wolfgang (72) und Monika Powileit (67) aus Köln sind die „Pioniere“ an Steg 5. Bereits seit 1974 liegen ihre Boote dort. Ihr Boot haben sie „Strolch“ getauft, „weil unsere beiden Kinder Strolche waren, als wir es 1983 gebaut haben“. Die Powileits kommen an fast jedem Wochenende im Frühsommer und Herbst nach Hersel. Im Sommer stehen längere Fahrten an: Nach Wien, Basel, Berlin, nach Frankreich oder in die Niederlande. In Hersel vermissen sie nichts. Im Ort kaufen sie ein und gehen ab und zu essen. Auf einen Fernseher verzichten sie. „Die Abende verbringen wir mit den anderen Anlegern oder lesen“, sagt Wolfgang Powileit. Das Boot ist kein billiges Hobby, wie einem kleinen Schild im Boot zu entnehmen ist. „Unser Schiff ist ein Loch im Wasser, in das wir unser ganzes Geld reinwerfen.“ In der Tat: Für die Reise nach Wien und zurück hat die „Strolch“ 2500 Liter Diesel verbraucht, also 3750 Euro. „Dafür haben wir keine Hotelkosten“, tröstet sich Powileit. Seine Frau und er lieben „die Freiheit, einfach dort anzulegen, wo man möchte und so lange zu bleiben, wie man will“. Stromaufwärts bringt die 350-PS-Dieselmaschine maximal 20 Stundenkilometer, stromabwärts geht es doppelt so schnell. Pro Stunde schluckt „Strolch“ etwa 40 Liter.

Die „Sabin“

Sabine (57) und Bernhard Krämer (58) aus Troisdorf-Sieglar sind die Nachbarn von gegenüber. Seit 30 Jahren gehört ihnen die „Sabin“. Das „e“ wurde auf Wunsch der Ehefrau weggelassen, weil sie nicht wollte, dass das Schiff den gleichen Namen wie sie trägt. Der Klimatechniker und die Pflegedienstleiterin verbringen den ganzen Sommer auf dem Boot, fahren von dort auch zur Arbeit nach Bonn und Köln. „Wir sind auch hier, wenn es regnet“, sagt Bernhard Krämer, „wir haben doch hier alles, fließend Wasser, Küche, Heizung“.

Ab und zu schaut Stegeigner Peter Bauersch nach dem rechten und plaudert mit seinen Anlegern. Der 84-Jährige hat etwa 40 Boote selbst gebaut. So kennt er bei vielen Schiffen an seinem Steg jedes Schräubchen.

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