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Kunsthof in Merten: Von Farben und Gefühlen

Kunsthof in Merten : Von Farben und Gefühlen

Die Frauenbegegnungsreise der Vereinten Evangelischen Mission machte Station im Kunsthof Merten. Neun Teilnehmerinnen aus sieben Ländern experimentierten zwei Tage im Atelier der Künstlerin Maria Dierker mit Farben aus der Natur.

Nachdenklich betrachtet Nerissa B. Delacruz ihr Gemälde: Jeden Winkel des großen Bogens Papier hat die 51-Jährige ausgenutzt, um darzustellen, was ihr wichtig ist. „Hier habe ich eine Frau gemalt, die Blumen zu einer Kirche trägt. Dort bereiten Frauen eine Mahlzeit zu, und diese Frauen hier arbeiten auf den Feldern“, erklärt die Philippinerin, während sie zu einer halbierten Zitrone greift.

Ein kleiner Tropfen Säure genügt, um die vormals blauen Blumen auf dem Bild violett zu färben. Ihren Pinsel taucht Nerissa nicht etwa in Öl- oder Acrylfarbe, sondern in ein Töpfchen mit blauer Flüssigkeit, die sie aus Rotkohl gewonnen hat.

Innerhalb der ökumenischen Frauenbegegnungsreise zum Thema „Starke Frauen: voneinander, miteinander, füreinander“ der Vereinten Evangelischen Mission (VEM) experimentierten neun Teilnehmerinnen aus sieben Ländern zwei Tage im Atelier der Künstlerin Maria Dierker im Kunsthof Merten mit Farben aus der Natur.

Irene Girsang, Referentin für interregionale Frauenprogramme, zeichnet verantwortlich für das Programm, das sich über insgesamt drei Wochen erstreckt und die Teilnehmerinnen in viele verschiedene Städte führt. Als Schülerin Maria Dierkers kam Girsang auf die Idee, auch im Kunsthof Station zu machen.

„Mit der Malerei können vielfältige Gefühle ausgedrückt werden“, erklärt Irene Girsang. „Ihre Stimmungen, ihr Befinden mit Farbe darzustellen – das ist eine Erfahrung, die die Frauen hier machen können.“ Begeistert von der Idee, die Themen Natur, Kunst und Frauen miteinander zu verbinden, war Maria Dierker sofort einverstanden mit dem Vorhaben.

„Die Teilnehmerinnen sind Frauen, die sich in ihren Ländern für die Rechte ihrer Geschlechtsgenossinnen stark machen, die aber auch selbst viel Leid erlebt haben“, berichtet die Künstlerin, die Netzwerkpartner des UN-Projektes „Sevengardens“ ist. Vor dem Hintergrund dieser Maßnahme der UN-Dekade „Bildung für nachhaltige Entwicklung“ hatte sie im Sommer 2015 bereits mit den Kindern der Waldorfer Kita „Flora“ einen Färbergarten angelegt.

„Jedes Bild erzählt seine eigene Geschichte“, sagt Dierker, die sich freute, dass sich die Frauen trotz mancher Selbstzweifel auf das Projekt einließen.

Mit gemischten Gefühlen hatte beispielsweise Esther Ngalle Mbonjo den Pinsel zur Hand genommen. „Ich habe das so lange nicht mehr gemacht und hatte Angst, gar nicht malen zu können. Doch jetzt habe ich wirklich Freude daran gefunden“, schilderte die 58-jährige Juristin, die sich in ihrer Heimat Kamerun in der „Église Évangélique du Cameroun“ für die Belange von Frauen einsetzt, ihre anfänglichen Bedenken.

Die 20-jährige Julia Borchard, die in Bielefeld Psychologie studiert und zehn Jahre lang in Namibia und Botswana gelebt hat, freute sich auf die Abwechslung, die das Projekt zwischen vielen Diskussions- und Gesprächsrunden bot. „Dass man mit Zwiebeln oder Spinat Ostereier färben kann, wusste ich. Aber mit Rotkohl habe ich noch nie gemalt. Eine interessante Erfahrung.“

Die Bilder werden in der Ausstellung „Starke Frauen:voneinander, miteinander, füreinander“ präsentiert, die am Mittwoch, 25. Mai, 18 Uhr, im Museum auf der Hardt der Archiv- und Museumsstiftung der VEM, Missionsstraße 9 in Wuppertal-Barmen, eröffnet wird. Die Ausstellung kann nach Anmeldung bis August besucht werden. Anfrage unter der Rufnummer 0202/89004841.