Rheinaue in Hersel: Viel Platz für Erholung

Rheinaue in Hersel : Viel Platz für Erholung

Erste Mittel für den Masterplan Rheinaue Hersel in Höhe von 172.000 Euro stehen im Haushalt 2017/2018 bereit. Der Naturschutzbund (Nabu) kritisiert jedoch, beim Treffen im Vorfeld nicht beteiligt gewesen zu sein.

Am 7. Juni 2015 hatte die letzte Stunde des Tennenplatzes am Herseler Rheinufer geschlagen: Nach ihrem damaligen Pflichtspiel verabschiedeten sich die Kicker des TuS Germania Hersel in Richtung Kunstrasenplatz. Längst sind Tore und Ballfangzäune abmontiert, sodass das brachliegende, knapp 60 mal 100 Meter große Spielfeld einen ziemlich trostlosen Anblick bietet.

In zwei Workshops hatten Anwohner, anliegende Vereine, örtliche Ratsmitglieder und die Ortsvorsteher der Rheinorte Ideen für die Neugestaltung des Areals eingebracht. Auf der Grundlage des ersten Treffens im November 2015 erarbeitete das Büro S+P Freiraumplaner aus Bonn einen Entwurf des „Masterplans Rheinaue“, der beim zweiten Workshop im März 2016 dann allen Herselern und der Öffentlichkeit vorgestellt wurde.

Im Wesentlichen geht es um zwei Planbereiche: zum einen um den Abschnitt zwischen dem alten Sportplatz und der Stadtgrenze zu Bonn, der als Auenlandschaft und Ausgleichsmaßnahme vor allem dem Naturschutz und der stillen Naherholung vorbehalten bleiben soll. Zum anderen sollen im Abschnitt vom Sportplatz bis zum Gelände des Fischervereinshauses der Zugang zum Rhein und die Stellplatzsituation verbessert werden. Eine Wiese auf der ehemaligen Sportplatzfläche soll für die Freizeitnutzung zur Verfügung stehen.

Kritikpunkte sollen in die weitere Umsetzung des Projekts eingehen

Nachdem eine Prioritätenliste erstellt wurde, sind 172.000 Euro für eine erste Umsetzung des Masterplans im Haushaltsplan eingestellt. Im Bereich Natur- und Landschaftspflege sieht der Haushaltsentwurf 2017/2018 den verkehrssicheren Rückbau des Sportplatzes, die Umsetzung von Kompensationsmaßnahmen sowie die Weiterentwicklung der Herseler Rheinaue als investive Maßnahmen vor.

Im jüngsten Umweltausschuss wurden die Vorschläge und Kritikpunkte des Naturschutzbundes (Nabu), Kreisgruppe Bonn, zur Kenntnis genommen, die dieser in einem Schreiben vom 16. Oktober 2016 eingebracht hatte. Die Punkte sollen in die weitere Umsetzung des Projekts eingehen. In seinem Brief an Bürgermeister Wolfgang Henseler, den Leiter des Umwelt- und Grünflächenamtes, Wolfgang Paulus, und die Ratsmitglieder äußerte der Nabu sein Bedauern, im Vorfeld nicht wie andere Vereine und Gruppen zu den Workshops eingeladen worden zu sein.

Inhaltlich wird unter anderem an einem möglichen Verbindungsweg zwischen Leinpfad und Auenweg Kritik geübt, der bereits jetzt zu breit sei und sogar von Autos genutzt werde.

Auch eine Verbreiterung des Auenweges ist nach Ansicht des Nabu nicht erforderlich, da der landwirtschaftliche Verkehr nur noch gering sei. Die Umgestaltung des ehemaligen Sportplatzes mit Erholungseinrichtungen und gleichzeitiger Ausweisung als Ausgleichsfläche sei ebenfalls nicht nachvollziehbar.

„Wir nehmen die Vorschläge mit“

„Eine Landschaftsmöblierung mit Spielbahnen, Sonnenliegen und aufwendigen Sitzterrassen mit Veränderungen des Rheinufers gehören nicht in diesen Hochwasserbereich“, erklärt der Nabu auch mit Blick auf die jährlichen Sanierungskosten.

Einer Erweiterung der Parkplatzflächen wird ebenfalls eine Absage erteilt. Schlussendlich fehlen dem Nabu in den Ausführungen Aussagen zu den „bestehenden, illegalen Aufschüttungen im Rheinauenbereich“. Die Überschwemmungssituation, nicht nur für den ehemaligen Sportplatz, habe sich deshalb bereits vergrößert.

„Wir nehmen die Vorschläge mit“, sagte Wolfgang Paulus im Umweltausschuss. „Die Anliegen der Anwohner und des Naturschutzes bieten ein großes Konfliktfeld. Es muss auf einen Interessenausgleich hingearbeitet werden.“ Zur Kritik, der Nabu sei nicht zu den Treffen hinzugezogen worden, erklärte Paulus, die Einladung zum zweiten Workshop sei öffentlich bekannt gegeben worden.