Kontamination in Sechtem: Verseuchung am Bahnhof Sechtem stammt von Teerölen

Kontamination in Sechtem : Verseuchung am Bahnhof Sechtem stammt von Teerölen

Abschlussgutachten des Rhein-Sieg-Kreises liegt vor. 850 Tonnen Erdreich wurden entsorgt. Die Stadt Bornheim will die Kosten von fast 500 000 Euro erstattet haben.

Die Belastung des Bodens am Bahnhof Sechtem mit giftigen Kohlenwasserstoffen rührte von Teerölen her. Das hat das abschließende Gutachten zu der Kontamination jetzt bestätigt, wie die Pressestelle des Rhein-Sieg-Kreises auf Anfrage mitteilt.

Insgesamt seien circa 850 Tonnen verseuchtes Erdreich abgetragen und entsorgt worden, sagt Sprecherin Katja Eschmann. Zunächst war die Stadt Bornheim von 350 Tonnen ausgegangen, zuletzt war im Januar von 600 Tonnen die Rede, die die Stadt in Absprache mit dem Amt für Technischen Umweltschutz des Kreises als zuständiger Fachbehörde ab November 2015 abtragen und in einer speziellen Bodenverbrennungsanlage in Herne entsorgen ließ.

Aufgefallen war die Kontamination im September bei Bauarbeiten für die neue Park-and-ride-Anlage, deren Fertigstellung sich in der Folge verzögerte. Ein Labor stellte in Bodenproben eine hohe Belastung mit sogenannten PAK, polyzyklischen, aromatischen Kohlenwasserstoffen fest, die als giftig, ätzend und krebserregend gelten. Eine Gefährdung für Passanten schlossen Stadt und Kreis aber aus.

Dass die Verschmutzung mit diesen Stoffen von Teerölen herrühren könnte, hatte der Kreis bereits im November vermutet. Aus Steinkohle gewonnener Teer enthält hohe Anteile der schädlichen Kohlenwasserstoffe. Und mit Teerölen wurden früher Eisenbahnschwellen behandelt. Seit 1970 ist die Verwendung zum Beispiel im Straßenbau verboten. Wie genau es zu der Kontamination in Sechtem gekommen sei, lasse sich aber nicht mehr klären, sagt Eschmann.

Deutsche Bahn hatte Kostenübernahme abgelehnt

Für die Stadt Bornheim geht es nun darum, ob sie auf den Kosten in Höhe von 489 000 Euro für die Entsorgung des verseuchten Erdreichs sitzen bleibt. Sie sieht die Deutsche Bahn als ehemalige Grundstücksbesitzerin in der Verantwortung: „Wir sind weder Eigentümer noch Verursacher gewesen, und wir haben keinem genehmigt, da was reinzuschütten“, sagt Bürgermeister Wolfgang Henseler.

Die Deutsche Bahn hatte im Dezember allerdings eine Übernahme der Kosten abgelehnt, da die Stadt das betreffende Grundstück nicht von der Deutschen Bahn AG, sondern vom Bundeseisenbahnvermögen erworben habe. Auch dem habe die Stadt inzwischen bereits zweimal geschrieben, sagt Henseler: am 16. Dezember und am 20. April.

„Wir sind noch dabei, den Vorgang zu prüfen“, sagt Andreas Marciniak, Referatsleiter Immobilien bei der Hauptverwaltung des Bundeseisenbahnvermögens (BEV) in Bonn. Das jüngste Schreiben liege noch nicht vor, auch über das Gutachten des Kreises verfüge das BEV nicht. Es gelte jetzt zu klären, wem der Grundstücksverkauf zuzuordnen sei, erklärt Marciniak.

Das sei deshalb schwierig, da der Vorgang in die Zeit der Bahnreform in den 1990er Jahren falle. „Wer ist die Bahn?“ beziehungsweise „Wer war bis wann wofür verantwortlich?“, sei nun die Frage, sagt der Referatsleiter. Man wolle aber versuchen, die Sache „im Einvernehmen mit der Stadt zu regeln“, so Marciniak.