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Verein ist auf Spenden angewiesen: Tiertafel in Bonn hilft, wenn das Geld fürs Futter knapp ist

Verein ist auf Spenden angewiesen : Tiertafel in Bonn hilft, wenn das Geld fürs Futter knapp ist

Die Tiertafel Bonn/Rhein-Sieg um den Vorsitzenden Hans-Josef Dresen hat 89 Kunden. Dazu gehören auch Klienten aus Alfter und Bornheim.

Es geht turbulent auf dem Parkplatz Rabinstraße an den Bahnschienen zu, die zum Bonner Hauptbahnhof führen. Eine Menschentraube umringt den geöffneten Kofferraum eines silbergrauen Kombis, Menschen halten große Einkaufstüten unter den Armen oder Trolleys in der Hand. Hundegebell schallt über das Areal und vermischt sich mit Menschenstimmen.

Annette Naujoks (54) aus Alfter stellt sich zu der Menschentraube. An ihrer Seite: Jack-Russell-Boxer-Mischling Spot (9). Die beiden warten darauf, dass Inge Hansen (64) ihnen Hundefutter, trocken und nass, und einige Leckerlis wie Hundeknochen aushändigt. Einmal im Monat, jeden dritten Dienstag nämlich, kommt Naujoks mit dem Bus nach Bonn und holt Futter für ihre Vierbeiner bei der Tiertafel Bonn/Rhein-Sieg ab. Seit 2009 kommt sie schon. Schwer fällt ihr dieser Schritt nie.

„Ich bin ein kontaktfreudiger Mensch. Dennoch kann ich es verstehen, wenn andere Kunden sich schämen“, sagt sie. Über den Verein für Gefährdetenhilfe Bonn (VFG) ist sie auf die Tiertafel aufmerksam geworden. Dort hat sie vor Jahren die Bad Honneferin Hansen, stellvertretende Vorsitzende der Tiertafel, kennengelernt. „Früher war die Futterausgabe auch bei der VFG, aber die Anwohner haben sich über das Gebell der Tiere beschwert, weshalb wir auf den Schotterparkplatz ausweichen mussten“, blickt Naujoks zurück. Spots Frauchen freut sich über die Tiertafel.

In Alfter und Bornheim gibt es bisher keine Treffpunkte für die Futterausgaben (Infokasten). Der Verein ist abhängig von Spenden. Aus diesem Grund hat Naujoks in der Vergangenheit in ihrem Wohnort auch Flyer verteilt. Zum einen, um potenzielle Neu-Kunden zu informieren, zum anderen, um Spender zu gewinnen.

Verein ist auf Spenden angewiesen

Naujoks lebt von Arbeitslosengeld, weil sie seit Jahren aufgrund von Krankheit arbeitsunfähig ist. Zu Hause pflegt sie ihren krebskranken Mann, bei dem während ihrer Abwesenheit ihr zweiter Hund Spike (18) bleibt. „Als ich damals krank war, hat sich mein Mann um mich gekümmert, ging arbeiten und mit den Hunden spazieren. Jetzt mache ich das und versuche, etwas zurückzugeben.“

Die 54-Jährige wirkt trotz der schwierigen privaten und finanziellen Verhältnisse zuversichtlich. Sie lacht viel, während sie erzählt. Die übrigen Tiertafelkunden sind zurückhaltender und schüchterner. Vor allem eine junge Frau mit Millimeterhaarschnitt. Sie ist an diesem Nachmittag zum ersten Mal bei Hansen und ihrer ehrenamtlichen Mitarbeiterin Brigitte Sanner, die seit Januar mithilft. Begleitet wird die junge Frau, die in Bonn wohnt, von ihrer Dackelhündin Lucy – mit ihren 13 Jahren schon eine alte Dame. „Sie bekommt sehr teure Medikamente, und da reicht das Geld nicht mehr für das Futter“, flüstert die junge Frau kaum hörbar. Von einer Bekannten habe sie von der Tiertafel erfahren. Noch tut sie sich schwer damit, die Spenden in Anspruch zu nehmen.

Während sie etwas am Rand der wartenden Gruppe steht, verteilt Hansen Dosen- und Trockenfutter an die Kunden. Auf großen weißen Karteikarten lässt sie die Klienten unter dem jeweiligen Datum für die Futterannahme unterschreiben. Zudem notiert sich Hansen den Namen, eine Kontaktnummer und die Anzahl und Art der Haustiere. Jeder Neu-Kunde muss zunächst einen Bogen ausfüllen, auf dem er Angaben zu seinem Tier und seiner Bedürftigkeit macht. Für die junge Frau mit dem Millimeterhaarschnitt hat Hansen solch einen Zettel schon herausgelegt.

Kunden sollen absagen falls sie nicht kommen

Hier und da plaudert sie auch ein wenig über Privates und steckt jedem noch einen kleinen Stollen zu. Ein älterer Mann drückt Hansen daraufhin Süßigkeiten zum Dank in die Hand. „Das ist aber lieb“, ruft sie erfreut. Der Mann wird leicht rot im Gesicht und zieht murmelnd mit seiner vollen Tüte von dannen.

Neben Hundefutter verteilen Hansen und Sanner Nahrung für Katzen, und manchmal auch etwas für Nagetiere und Vögel. Aber nur, wenn solches Futter gespendet wurde. Ein zahnloser Mann, groß gewachsen und schlank, fragt Hansen ununterbrochen, ob sie Katzenstreu habe. Hansen verneint ärgerlich. Der Grund: Der Kunde war dreimal in Folge nicht bei der Ausgabe, weshalb er kein Anrecht mehr auf die Spenden hat. „Ich bin doch kein Selbstbedienungsladen“, betont Hansen verstimmt.

Sie besteht darauf, dass die Kunden absagen, wenn sie nicht kommen können. Entweder innerhalb der Whatsapp-Gruppe oder telefonisch. „Schließlich muss ich all die Sachen aus dem Keller in den Wagen schleppen, und je weniger Leute kommen, desto weniger muss ich mitbringen“, erklärt sie. Der zahnlose Mann gibt auf und zieht schließlich mürrisch ab.

Naujoks hat die Futterration, mit der sie an die vier Wochen hinkommt, in ihrer schwarzen Sporttasche verstaut. „Nur Nassfutter muss ich zukaufen, weil es davon nicht so viele Dose bei der Tiertafel gibt“, sagt sie und rechnet vor, dass sie zusätzlich an die 17 Dosen für ihre beiden Hunde benötigt, die sie im Monat 15 Euro kosten.