Gasnetz in Bornheim: Stadt und Regionalgas Euskirchen gründen Gesellschaft

Gasnetz in Bornheim : Stadt und Regionalgas Euskirchen gründen Gesellschaft

290 Kilometer Leitungen und 9500 Hausanschlüsse gehören zum Bornheimer Gasnetz, das seit seinem Ausbau 1953 in der Hand der Regionalgas Euskirchen ist. Nun will die Stadt Bornheim Miteigentümer werden.

Dafür ist eine Netzgesellschaft mit der Regionalgas Euskirchen geplant: die Gasnetz Bornheim GmbH & Co. KG. 51 Prozent davon sollen der Stadt gehören, der Konzern soll 49 Prozent erhalten. Der Gedanke dahinter: "Wir wollen mehr Einfluss auf die Gestaltung nehmen und Eigentum erwerben", sagt Bürgermeister Wolfgang Henseler. Rund vier Millionen Euro Eigenkapital muss Bornheim dafür aufbringen.

Die Grundlagen der Zusammenarbeit haben Stadt und Konzern nun mit einem sogenannten Konsortialvertrag besiegelt, die offizielle Gründung soll möglichst bald folgen. Der Bornheimer Rat hat die Vergabe der Gaskonzession an die Netzgesellschaft bereits beschlossen. "Wir warten momentan auf die Zustimmung der Bezirksregierung Köln", sagt Henseler. Die hänge jedoch von einer juristischen Diskussion zwischen der Bezirksregierung und der Stadt Köln ab, die über mehrere Ecken an der Regionalgas beteiligt sei. So sei zu klären, ob der Kölner Stadtrat der Gründung zustimmen müsse oder nicht.

Wie die Kooperation aussehen soll, steht bereits fest: Die GmbH wird das Gasnetz im Wert von 19 Millionen Euro übernehmen; über einen Pachtvertrag soll der Betrieb in der Hand der Regionalgas bleiben. Beide Parteien werden einen Geschäftsführer stellen. Kämmerer Ralf Cugaly soll es für die Stadt richten, Egon Pützer für die Regionalgas. Für die Kunden soll sich nichts ändern, Preise und Ansprechpartner blieben gleich, versichern Stadt und Konzern.

Gute drei Jahre haben die Planungen gedauert. Die Wegenutzung für das Gasversorgungsnetz in Bornheim war Ende 2012 ausgelaufen. Bereits 2010 hatte die Stadt Bornheim Bewerber aufgerufen, ihr Interesse am Erwerb der Konzession oder an einer Beteiligung an einem Kooperationsmodell mit der Stadt zu bekunden. Vier Anbieter beteiligten sich daraufhin laut Cugaly. Es sei ein aufwendiges Verfahren gewesen, sagt Henseler. "Ich glaube, es ist eine vernünftige Entscheidung. Wir werden die Effekte aber erst so richtig in 20 Jahren feststellen können." Über das Pachtmodell sei das Risiko minimiert. Außerdem hoffe er, dass auch ein kleiner Betrag in den Haushalt fließe. Für die Regionalgas, die die Gasnetze in 18 Kommunen des Rhein-Sieg-Kreises und im Kreis Euskirchen betreibt, wird es die erste Kooperation dieser Art.

"Die Gasnetze abzugeben, ist natürlich nicht berauschend", sagt Geschäftsführer Christian Metze. Zudem sei das Verfahren sehr belastend gewesen. "Aber als Optimist sage ich, es ist besser ein halbes Netz zu haben als gar keins." Es sei nun einmal so, dass nach spätestens 20 Jahren immer wieder neu über die Vergabe entschieden werde.

Insgesamt versuche das Unternehmen, den Verlust über Netzankäufe an anderer Stelle zu kompensieren. Metze: "Im Moment ist nicht erkennbar, dass das Bornheimer Modell auch in anderen Kommunen geplant ist."

Stromnetz

Eine Kooperation ist die Stadt Bornheim auch beim Stromnetz eingegangen. Anfang Februar hat die Stadt dazu eine Gesellschaft mit der Rheinenergie gegründet. Auch daran hält Bornheim 51 Prozent der Anteile, der Konzern ist mit 49 Prozent beteiligt. Die Gesellschaft übernimmt das Stromnetz vom RWE-Konzern, dem es mehr als 100 Jahre lang gehörte. Über den Kauf muss laut Stadt nun verhandelt werden. Nach Angaben von Rheinenergie besteht das Bornheimer Stromnetz aus rund 720 Kilometern Kabel, 13 500 Hausanschlüssen und 210 Ortsnetzstationen.

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