Partnerschaften im Rhein-Sieg-Kreis: So pflegen die Städte den Austausch mit Ost-Kommunen

Partnerschaften im Rhein-Sieg-Kreis : So pflegen die Städte den Austausch mit Ost-Kommunen

Die Städte und Gemeinden im Rhein-Sieg-Kreis pflegen den Austausch mit den Ost-Kommunen unterschiedlich intensiv. Wir haben uns die Partnerschaften genauer angeschaut.

Deutsche Wiedervereinigung, 3. Oktober 1990: Die Deutschen im Überschwang der Gefühle, blühende Landschaften erhoffend. Da war plötzlich die Sehnsucht, eine gemeinsame Zukunft zu versuchen. Auch die Städte und Gemeinden wollten ihren Beitrag leisten. Sie schlossen Städtepartnerschaften mit Kommunen im Osten. Was ist aus den Bündnissen geworden, nachdem die Silberhochzeit längst vorbei ist? Der General-Anzeiger hat sich auf Spurensuche begeben.

Bornheim/Mittweida. Unweit des Bornheimer Rathauses stehen seit Mai 2016 zwei Zierkirschen. Gepflanzt wurden sie von Vertretern der Stadt Bornheim und der Stadt Mittweida in Sachsen aus Anlass des 25-jährigen Bestehens der Städtepartnerschaft. „Ebenso wie die Bäume soll auch die Städtepartnerschaft zwischen Bornheim und Mittweida weiter blühen und gedeihen“, hatte Bornheims Bürgermeister Wolfgang Henseler anlässlich der Feierstunde vor rund zwei Jahren gesagt.

Seit dem 6. Januar 1991 sind die beiden Kommunen offiziell verbunden. Bereits im Juni 1990 hatte der damalige Präsident der Stadtverordnetenversammlung von Mittweida und heutige Landrat von Mittelsachsen, Matthias Damm, einen alten Schulfreund besucht. Dieser hatte in Bornheim Fuß gefasst. Ihm gegenüber erwähnte Damm, dass Mittweida auf der Suche nach einer Städtepartnerschaft sei – und fand sich prompt im Bornheimer Rathaus wieder. Beim damaligen Bürgermeister Wilfried Henseler stieß sein Ansinnen sofort auf Gegenliebe, und so konnte die Verbindung bereits wenige Monate später besiegelt werden. Im Laufe der Jahre hat es schon viele gegenseitige Besuche gegeben: aus den Verwaltungen, der Bürgerschaft oder auch von Schulklassen. Hilfskräfte aus Bornheim waren beim großen Hochwasser im Sommer 2002 in Mittweida im Einsatz.

Alfter/Beelitz. Still ist es um die Partnerschaft zwischen der Gemeinde Alfter und der brandenburgischen Stadt Beelitz geworden. Wobei die beiden Kommunen durch eine gewichtige Gemeinsamkeit verbunden sind. So trägt die Stadt im Landkreis Potsdam-Mittelmark den Beinamen „Spargelstadt“. Seit dem 3. Oktober 1990 besteht die Partnerschaft. „Der Austausch nach der Wende war sehr intensiv und von der gemeinsamen Zusammenarbeit und Aufbauarbeit geprägt“, sagt Alfters Pressesprecherin Maryla Günther. Damals seien auf Alfterer Seite Bürgermeisterin Bärbel Steinkemper und Gemeindirektor Bodo Kerstin zentrale Akteure gewesen, so Günther. In Beelitz waren es der damalige Bürgermeister Thomas Wardin und der Stadtverordnetenvorsitzende Wolfgang Stamnitz.

Zurzeit gebe es eher lose Kontakte, führt Günther aus. Der Beelitzer Bürgermeister sei zuletzt 2009 in Alfter gewesen – zur Feier des 40-jährigen Bestehens der Gemeinde. Für März 2019 plane Bürgermeister Rolf Schumacher einen Besuch in Brandenburg, erläutert die Pressesprecherin – und weiter: „Eine Einladung von Beelitzer Vertretern zum 50-jährigen Jubiläum in Alfter in 2019 ist ebenfalls wieder geplant.“

Swisttal/Hochkirch. Nach einem elanvollen Start mit vielen gegenseitigen Besuchen in den 90er Jahren – auch auf Vereins- und privater Ebene – ist die Partnerschaft zwischen Swisttal und der Gemeinde Hochkirch seit etwa der Jahrtausendwende fast eingeschlafen. Lediglich die jährlichen Visiten von Rats- und Verwaltungsvertretern hielten die Verbindung am Leben. Hauptgrund dürfte die große Entfernung zwischen beiden Gemeinden (etwa 700 Kilometer) sein. Da fährt man halt nicht mal spontan übers Wochenende hin.

Nun wollen die Bürgermeister Petra Kalkbrenner (Swisttal) und Norbert Wolf (Hochkirch) die Partnerschaft wieder in Schwung bringen. Und zwar durch die junge Generation. Für 2019 ist ein gemeinsames Zeltlager der beiden Jugendfeuerwehren (eventuell in der Eifel) geplant. Nächster Schritt könnte laut den beiden Bürgermeistern ein Austausch der Oberschule Hochkirch mit der Sekundarschule in Heimerzheim sein. Hochkirch kämpft seit 20 Jahren gegen den Einwohnerschwund. Die Zahl der Bürger sank in dieser Zeit von 2700 auf 2300. In Hochkirch ist der Anteil der AfD-Wähler relativ hoch. Bei der Bundestagswahl 2017 erreichte die Partei in Hochkirch 38,7 Prozent der Zweitstimmen. In Sachsen gesamt holte die AfD 27,0 Prozent.

TROISDORF/HEIDENAU. 28 Jahre ist es her, dass Troisdorf und Heidenau die innerdeutsche Partnerschaft besiegelten. Dafür hatten die Städte ein symbolträchtiges Datum gewählt – den Tag, an dem Deutschland die Einheit feierte. Zusammengekommen waren die Städte laut Theo Lettmann, Vorsitzender des Städtepartnerschaftsvereins Troisdorf, zunächst auf politischer Ebene. „Die Ratsherren verstanden sich so gut, dass sie auch die Bürger einbeziehen wollten“, sagt Lettmann. Die hätten es wunderbar gefunden, eine Partnerstadt bei Dresden zu haben. Seither sind die Städte an Agger und Elbe verbunden. „Es ist immer eine harmonische Zusammenarbeit gewesen“, sagt der 77-Jährige.

Dabei sei die Partnerschaft inzwischen sogar intensiver. Alle zwei Jahre kommen die Heidenauer nach Troisdorf – und umgekehrt. „Wenn besondere Ereignisse sind, dann kommt auch mal eine Delegation.“ 2013 sammelte der Städtepartnerschaftsverein Troisdorf zudem Spenden für die Opfer der Flutkatastrophe. Parteipolitik sei hingegen kaum ein Thema, sagt Lettmann. Die fremdenfeindlichen Ausschreitungen gegenüber Flüchtlingen im Sommer 2015 in Heidenau veranlassten Troisdorfs Bürgermeister Werner Jablonski aber zu einem Statement, in dem er sich sehr bestürzt zeigte. Auch der Städtepartnerschaftsverein distanzierte sich. Auf die Partnerschaft habe es aber keine Auswirkungen gehabt.

Bad Honnef/Wittichenau. Waren es anfangs ganz praktische Dinge wie die Unterstützung beim Aufbau der Kommunalverwaltungen, so steht heute oft anderes im Fokus. Ein gutes Beispiel ist die Verbindung zwischen Bad Honnef und Wittichenau in der Oberlausitz. Seit 1991 sind die Städte partnerschaftlich verbunden. Vor 25 Jahren wurde in Bad Honnef das Partnerschaftskomitee gegründet.

„Am Anfang ging es natürlich um sehr konkrete Hilfen“, berichtet Cornelia Nasner, die nach 20 Jahren in die Fußstapfen des Gründungsvorsitzenden, Alt-Bürgermeister Werner Osterbrink, trat. Ein Ausrufezeichen setzten die Bad Honnefer über viele Jahre mit der Lehrstellenaktion: Mehr als 100 junge Menschen aus Wittichenau und Umgebung fanden auf Vermittlung des Komitees in Bad Honnef Ausbildungsplatz und Wohnung. Nach dem Abschluss kehrten die meisten nach Sachsen zurück. 20 blieben am Rhein.

Nachdem die Folgen der deutschen Teilung weitestgehend überwunden sind, hat sich das Komitee längst neue Ziele gesetzt – und die Kontakte sind dabei so lebendig wie all die Jahre. Nasner: „Natürlich pflegen wir weiter die vielen Kontakte und Freundschaften, etwa mit der Jahresfahrt. Aber wir fokussieren uns auf die Brückenfunktion in Europa, die Brückenfunktion zwischen Ost und West.“ Die Möglichkeit bietet auch das Netzwerk der Partner: Wittichenau ist auch verbunden mit der tschechischen Stadt Tanvald und der polnischen Stadt Lubomiercz – eine Steilvorlage etwa für trinationale Jugendbegegnungen. Nasner: „In den Kommunen wird viel geleistet. Und diese Partnerschaften sind wichtig wie eh und je.“