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Demografie in Bornheim: So alt sind Bornheims Bürger

Demografie in Bornheim : So alt sind Bornheims Bürger

Die Rösberger sind im Schnitt am ältesten, die Kardorfer am jüngsten: 45 Jahre beträgt der Altersdurchschnitt in Rösberg, 40 Jahre im wenige Kilometer entfernten Kardorf. Bei 43 Jahren liegt der Schnitt, betrachtet man das gesamte Stadtgebiet Bornheim. So geht es aus Zahlen zur Einwohnerstatistik der Stadt mit Stand vom 21. Dezember hervor.

Rösbergs Ortsvorsteher Peter Tourné wundert es nicht, dass der Höhenort der Statistik nach die ältesten Bewohner hat. Vor allem die Vereine bekämen den mangelnden Nachwuchs schon lange zu spüren, sagt er. Erst im vergangenen Jahr hatte sich der traditionsreiche Sportverein SSV Rösberg aufgelöst – ausgerechnet im Jahr seines 90-jährigen Bestehens. Vor allem auch die Konkurrenz durch Kunstrasenplätze in Nachbarorten vermutete der Vorstand als Grund.

„In Rösberg ist doch tote Hose, hier ist doch gar nichts mehr“, findet Ernst Kreidler (80), der seit 60 Jahren im Ort lebt. Seine Frau Maria (79) hält dem kleinen Höhenort, der 1.459 Einwohner zählt, noch länger die Treue: Sie ist ein „echtes Rösberger Mädche“ und dort geboren und aufgewachsen. „Früher gab es gleich drei Tante-Emma-Läden“, erinnert sie sich. „Heute müssen wir zum Brötchenholen mit dem Auto runter nach Merten fahren.“

Der Bornheimer Altersdurchschnitt liegt bei 43 Jahren

Doch nicht nur die Lebensmittelgeschäfte im Ort hätten zugemacht, bedauert das Paar. Sie erinnern sich noch gerne an Tanzveranstaltungen im „Saal Lang“, und auch die Kneipe „Talboot“ sei gut besucht gewesen. „Früher ist die Jugend eben auch im Dorf geblieben“, sagt Ernst Kreidler, der als Zimmermann aus dem Schwarzwald herkam und schwärmt, wie schön es sich von Rösberg aus zu Radtouren starten lässt.

Sie sei sehr froh, dass das Café im Trimbornhof, das vor dem Aus stand, dem Ort erhalten bleibe, ergänzt Maria Kreidler. Gerade auch die Vereine bräuchten eine Anlaufstätte, findet sie und hofft, dass am Sportplatz des SSV vielleicht ein Raum für sie zur Verfügung gestellt wird. Was die Nachwuchssorgen angehe, mache sie sich zumindest um ihren liebsten Verein keine Gedanken: Den „Leckeren Mäuschen“, bei denen sie im Karneval lange aktiv war, gehe es gut.

An Nachwuchs in den Vereinen fehlt es derweil auch in Kardorf, wie Ortsvorsteher Herbert Gatz schildert. Er würde sich wünschen, dass sich noch mehr junge Bewohner ins Dorfgeschehen vom Maiansingen über Kirmes und Karnevalszug bis zur Adventsfeier sowie ins Vereinsleben mit einbinden.

Verstärkt jüngere Leute seien vermutlich ins Baugebiet unterhalb des Friedhofs vor einigen Jahren in den Ort gezogen, nimmt Gatz an. Aktuell wachsen an der Blumenstraße zahlreiche Doppelhäuser in die Höhe. Hier könnten bald weitere junge Familien einziehen.

Petra Müller (33), die mit ihrem Mann und drei Kindern (7, 5 und 2) im Ort lebt, findet Kardorfs Infrastruktur „super“. Sie hätten die Bahn „direkt vor der Tür“, auch mit dem Auto sei die Anbindung nach Bonn gut. Einkaufsmöglichkeiten gebe es im Ort selbst ebenso wie eine Kita, und auch verschiedene Schulen seien für ihre Kinder später gut zu erreichen. „Was vielleicht noch fehlt, ist ein Angebot für Kinderturnen“, findet die Betriebswirtin, die aus Kardorf stammt und mit ihrer Familie direkt neben den Eltern wohnt. Ihr Mann, der ursprünglich aus Merten komme, und sie selbst seien „absolut keine Städter“. Sie finde auch die Gemeinschaft im Ort schön, sagt die 33-Jährige: „Hier kennt ja jeder jeden, das ist nicht so anonym.“

Ein Programm, um junge Familien für bestehende Häuser zu interessieren, könnte sich Rösbergs Ortsvorsteher Tourné vorstellen. Er wisse von zehn leerstehenden Häusern im Ort. Ein kleineres Baugebiet mit etwa 28 Grundstücken ist am Rüttersweg in Planung.

Allzu groß ist der Alters-Unterschied zwischen den Ortsteilen aber nicht. Neben Rösberg liegen auch Hemmerich, Merten, Uedorf und Widdig mit je 44 Jahren über dem Bornheimer Gesamtschnitt von 43 Jahren. Den treffen Brenig, Hersel und Walberberg genau, jünger sind die Bürger in Bornheim-Ort, Roisdorf, Sechtem und Waldorf (je 42 Jahre) sowie in Dersdorf (41) und Kardorf (40).

Er sei gespannt, welche Erkenntnisse das Demografieprojekt der Stadt in Zusammenarbeit mit der Bertelsmann-Stiftung bringe, meint Tourné. Da sei man mit den bisherigen Ergebnissen aber nicht so zufrieden, sagt Bürgermeister Wolfgang Henseler. Der Haupt- und Finanzausschuss habe jetzt auch beschlossen, die Mittel zur Fortschreibung des Projekts (130 000 Euro für 2017/18) zu streichen.