Unterricht in Bornheim: Schüler als Bauern

Unterricht in Bornheim : Schüler als Bauern

Zehn Schüler der Sebastian-Schule versuchen sich seit November als Nachwuchslandwirte. In ihrer AG "Wohlfühloase-Garten" helfen sie auf dem Hof von Milou und Bernd Tönneßen in Roisdorf.

Hochkonzentriert sitzen Elyas (9) und Rükiye (8) auf der Setzmaschine und lassen im vorgegebenen Zeitabstand die Kartoffeln in die Furchen des Ackers fallen. Sie sind zwei der insgesamt zehn Dritt- und Viertklässler der katholischen Sebastian-Schule, die seit November bei der Schul-AG „Wohlfühloase-Garten“ auf dem Biohof von Milou und Bernd Tönneßen in Roisdorf mithelfen.

Im November startete das Projekt, das bis Juni zehn Veranstaltungen umfasst. Dabei haben die Schüler in den vergangenen Monaten – je nach Jahreszeit – eine Blätterkrone gebastelt, Walnuss-, Blätter- und Blumentinten hergestellt, am Lagerfeuer gesessen und an einer Ackerolympiade teilgenommen.

An diesem Hoftag setzen sie nun Kartoffeln per Hand und Maschine in die Erde ein. Während ein Teil der Grundschüler auf dem Feld beschäftigt ist, sortiert eine andere Gruppe in der Halle die länglichen Knollen der Größe nach. „Solch ein Projekt bieten wir in dieser Form zum ersten Mal an. Mit der AG wollte ich den Kindern etwas zur Entspannung vorschlagen“, sagt Schulsozialarbeiter und Organisator Christian Brackhagen.

Er betont, dass es sich um ein Schulprojekt handelt, nicht um ein Angebot des Offenen Ganztags (OGS). „Da sich die Zeiten jedoch überschneiden, sind sechs Teilnehmer aus der OGS dabei. Die Kinder verbringen den ganzen Tag in der Schule. Da ist es schön, wenn sie – wie bei dieser AG – auch mal das Gelände verlassen können“, so Brackhagen weiter.

Und auch Landwirtin Milou Tönneßen, die eine Ausbildung zur Bauernhofpädagogin absolviert hat, ist mit der Resonanz der AG sehr zufrieden. Ihr ist es wichtig, dass die Grundschüler die Natur aus der Nähe erleben, damit sie „erfahren wie Natur riecht und schmeckt“.

Und da gab es in dem Betrieb am Fuhrweg jede Menge zu entdecken. „Wir sind ein klassischer Anbaubetrieb und bauen unter anderem Tomaten, Gurken, Paprika und Salate an – eben alles, was unter Glas wächst“, erzählt Milou Tönneßen. Eine neue Erfahrung für die kleinen Besucher ist das Fahren mit dem Traktor. Auf einer Länge von 120 Metern wird auf dem lockeren Acker eine Furche gezogen und in diese – im Abstand von einem Fuß, also 33 Zentimetern – die sogenannte Mutterknolle hineingelegt. Anschließend wird über der Kartoffel ein Erdhügel geformt – für die Kinder ein spannender Vorgang.

Rükiye findet den Pflanzvorgang einfach nur „cool“. Normalerweise wird die Drittklässlerin in der OGS betreut. „Dieses Projekt wollte ich mir nicht entgehen lassen. Das Traktorfahren und das Setzen sind einfach super“, erzählt sie. Dem konnte Elyas nur zustimmen: „Ich möchte kein Bauer werden, aber die Arbeit macht Spaß“, sagt er. Besonders gefallen habe ihm das Waschen der Salate. „Gut finde ich auch, dass wir am Tag der AG keine Hausaufgaben machen müssen.“

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