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Bahnhof Roisdorf: Scharfe Kritik wegen fehlender Barrierefreiheit

Bahnhof Roisdorf : Scharfe Kritik wegen fehlender Barrierefreiheit

Die Politik kritisiert heftig die Aussagen des Zweckverbands Nahverkehr Rheinland, die Stadt Bornheim habe Schuld, dass der Bahnhof nicht barrierefei wird. Zugleich hofft man auf ein kommendes Projekt.

Der Ärger über jüngste Aussagen des Zweckverbands Nahverkehr Rheinland (NVR) zum Roisdorfer Bahnhof ist in Bornheim noch nicht verraucht. In einer schriftlichen Stellungnahme kritisiert Bürgermeister Wolfgang Henseler mit deutlichen Worten den NVR. Wie berichtet, hatte die NVR-Geschäftsführung mitgeteilt, dass sie die Schuld bei der Stadt Bornheim sehe, dass der Bahnhof nicht barrierefrei ausgebaut werden könne. Das liege daran, dass die Stadt vor einigen Jahren dem Neubau eines Supermarkts den Vorzug gegeben habe, hieß es vom NVR weiter. Nun sei die einzige Stelle verbaut, auf der ein barrierefreier Zugang zum Bahnhof in Richtung Ortskern gebaut werden könnte, ohne zu große Kosten zu verursachen.

„Ich bin über die Art der Vorgehensweise des NVR zutiefst verärgert und erwarte vom NVR die Rückkehr zur konstruktiven Zusammenarbeit“, teilt Henseler mit. Wie er weiter ausführt, seien der barrierefreie Ausbau des Bahnhofs und die Gestaltung des Umfelds das zentrale Entwicklungsziel für Roisdorf.

Bereits im August 2014 hätte die Stadt den NVR sowie die Deutsche Bahn und das zuständige Landesministerium „schriftlich auf den erheblichen Handlungsbedarf im Bereich Bahnhof Roisdorf hingewiesen und um Unterstützung bei der Aufnahme des Bahnhofs Roisdorf in die Modernisierungsoffensive 3 gebeten.“ Bekanntlich ist der Bahnhof genau in diesem dritten landesweiten Ausbauprogramm nicht berücksichtigt worden, eben mit Blick auf die vom NVR genannten Gründe.

Laut Henseler wurden dem NVR überdies Ende Juni 2015 unter anderem Pläne übergeben, die „eine potenzielle Gestaltungsalternative für den Bahnhofsvorplatz darstellten.“ Diese Planung berücksichtige unter anderem eine großzügige Rampenanlage, „welche ein Erreichen der Unterführung und den Zugang zu den Gleisen seitens des Bahnhofsvorplatzes ermöglichen soll“, so der Bürgermeister weiter. Dass der NVR nun den barrierefreien Ausbau mit Blick auf den Standort des Supermarkts ablehne, ist „daher völlig falsch“.

"Supermarkt behindert nicht"

Zudem sei der Supermarkt bereits seit Jahrzehnten an dem Standort an der Bonner Straße, führt Henseler weiter aus, „und auch der Neubau aus dem Jahr 2009 behindert in keinster Weise die Entwicklung des Bahnhofsgeländes.“ Weiter meint Henseler, dass die Darstellung des NVR, die Stadt würde falsche Prioritäten setzen, „völlig aus der Luft gegriffen“ und eher eine „Rechtfertigung unzureichender Unterstützung des Projektes seitens des NVR zugunsten anderer Standorte“ sei.

Nach Ansicht der Bornheimer Grünen versucht sich der NVR aus der Verantwortung zu stehlen. „Es geht immer noch um Menschen, die in Roisdorf in die Bahn einsteigen wollen und dies nicht oder nur sehr schwer können, weil sie kaum auf den Bahnsteig kommen. Diesen Fokus scheint der NVR etwas aus dem Auge verloren zu haben“, sagt Ratsfrau Andrea Gesell. Ihr Fraktionskollege Markus Hochgartz ergänzt: „Es lagen uns ja bereits Pläne vor, wie man den barrierefreien Ausbau realisieren könnte, auch wenn die nicht ideal gewesen seien. Umso mehr erstaunt es, wenn der NVR jetzt so tut, als ob durch den Supermarktbau alle Möglichkeiten vertan wären.“

Zugleich sehen die Grünen nun die Chance, das Thema nochmals anzugehen – auch mit Blick auf die geplante Bürgerwerkstatt zur Umgestaltung des Bahnhofsumfelds (der GA berichtete). „Wenn wir ein Ergebnis der Bürgerwerkstatt haben und mit den Planungen zur Umgestaltung des Bahnhofs und seiner Umgebung beginnen, wird hoffentlich auch eine Lösung für den barrierefreien Ausbau dabei sein“, führt Gesell weiter aus.

Der SPD-Fraktionsvorsitzende Wilfried Hanft bezeichnet die Haltung des NVR in seiner Stellungnahme als „desolat und in weiten Teilen nicht nachvollziehbar.“ Mit der „fadenscheinigen Erklärung“ des NVR werde die gesetzliche Verpflichtung zur Barrierefreiheit einfach ignoriert. Zudem werde aber auch deutlich, dass die finanziellen Mittel des NVR für Barrierefreiheit „hinten und vorne nicht ausreichen“.

Hanft und die SPD-Vorsitzende Ute Kleinekathöfer erwarten von der künftigen Landesregierung, dass hier eindeutige Schwerpunkte gesetzt werden.