Deponie in Bornheim: Renaturierung soll 2014 abgeschlossen sein

Deponie in Bornheim : Renaturierung soll 2014 abgeschlossen sein

Bagger und Erdhaufen, das sehen Autofahrer zur Rechten von der Straße aus, wenn sie in Bornheim von der Autobahn (A) 555 in Richtung Vorgebirge abfahren.

Dort war früher eine Mülldeponie der Stadt Bonn, aber was geschieht damit jetzt? Einen Eindruck davon, wie es mal werden soll, gewinnt man, wenn man ein Stückchen weiterfährt: Hinter der Kreuzung, die rechts Richtung Brühl führt, ist eine Fläche mit flachem Bewuchs, Stein- und Holzhaufen und einigen mit Wasser gefüllten Kiesbecken zu sehen.

"Geplant und derzeit genehmigt ist ein renaturiertes, speziell auf den Arten- und Landschaftsschutz abgestimmtes Gelände", erklärt Oliver Schmidt, Amtsleiter von Bonnorange. "Auf dem Deponiegelände haben sich zwischen dem Ende der Abfallablagerung und dem Beginn der Sanierungsarbeiten mehrere seltene und auch geschützte Arten Lebensräume erschlossen."

Dazu gehörten die Wechselkröte, streng geschützt, und die Blauflügelige Ödlandschrecke sowie die Vogelarten Kiebitz, Flussregenpfeifer und Schwarzkehlchen. Sie bekommen dort ein Zuhause mit Grünfläche und Teich, in dem sie sich ungestört entfalten können. Zäune verhindern, dass sie auf die Straße gelangen; Krötentunnel verbinden die Biotopflächen miteinander.

Das Gelände liegt auf Bornheimer Gebiet, gehört aber der Stadt Bonn, die auch die Deponie unterhielt. "Bonn war kurz vor der Müllnot", erklärt Otmar Fink, Sachbearbeiter für die Deponie. Die Müllsammelstelle in Witterschlick war in den 60er Jahren geschlossen worden, eine neue musste her. Die Stadt pachtete das jetzige Gelände, eine frühere Kiesgrube 1968 von Unternehmer Hans Heres; später kaufte sie es.

Nachdem die Deponie 1988 stillgelegt wurde, wurde der Müll abgedeckt - das war damals ein Aufreger, weil sich die veranschlagten Kosten von 30 Millionen DM nahezu verdoppelten. Es dauerte lange bis weitere Maßnahmen umgesetzt werden konnten. Denn: Unter der Deckschicht entstanden Gase, die die Arbeiter zunächst entweichen lassen mussten.

Dass das auch heute noch der Fall sei, damit habe allerdings niemand gerechnet, sagt Andreas Kupper, Geschäftsführer des Aachener Ingenieurbüros BFT Planung. "Da ist noch Potenzial im Müll drin." Aber man wollte nicht länger warten. Insgesamt 80 Gasbrunnen sind deshalb installiert, um das Entweichen zu regulieren. Anlagen, mit denen das Gas zur Energiegewinnung genutzt werden könne, seien in Bau, sagt Kupper.

Derzeit kommt eine Tonschicht, die den Müll abdeckt, über die Erde. Darüber wiederum eine dicke Folie und auf diese eine Drainmatte, die erneut mit Erde überdeckt wird. Der Grund für die Sicherheitsmaßnahmen: Der Regen darf nicht bis zum Müll durchsickern, da sonst Giftstoffe ins Grundwasser gelangen könnten.

Die Matten nehmen das Wasser auf und leiten es bergab in einen Sickergraben. An zwölf Messstellen wird sichergestellt, dass das Grundwasser sauber ist. Die oberste Erdschicht wird mit Magerbewuchs eingesät. "Es darf keine Bepflanzung mit tief gehenden Wurzeln sein", so Kupper. Denn die Drainmatte darf nicht beschädigt werden. Geplant ist, die Zwergheide dort anzusiedeln. Steinhaufen dienen als Winterquartiere für Igel. So wird ein Lebensraum geschaffen, an dem sich die Tiere wohl fühlen können.

Zunächst sollten die Bauarbeiten 2007 beginnen, drei Jahre dauern und 24 Millionen Euro kosten. Baubeginn war dann aber erst 2009 und die Kosten verdoppelten sich nahezu auf 47 Millionen Euro. Sie beinhalten neben der reinen Arbeit unter anderem auch das Planungsbüro, die Fremdüberwachung für die Oberflächenabdichtung sowie die landschaftspflegerischen Maßnahmen zum Artenschutz. Ende 2014 soll das Biotop fertig sein; dann muss es mindestens 30 Jahre überwacht werden.

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