Ehemalige Kiesabbaufläche in Hersel: Platz für Golfer, neue Häuser - und Kröten

Ehemalige Kiesabbaufläche in Hersel : Platz für Golfer, neue Häuser - und Kröten

Wo noch Tümpel und Gehölze die Landschaft bestimmen, sollen bald Golfer auf gepflegtem Grün den Schläger schwingen und auch neue Häuser entstehen: Auf der ehemaligen Kiesabbaufläche in Hersel zwischen Mittelweg, Erftstraße, der Trasse der Linie 16 und der Roisdorfer Straße sind bekanntlich ein Golfplatz und ein Wohngebiet vorgesehen.

Die Pläne sollen nun ausgelegt und in einer Einwohnerversammlung vorgestellt werden. Das hat der Stadtentwicklungsausschuss am Dienstagabend beschlossen.

Ein Knackpunkt in den Planungen für den Golfplatz ist die Vereinbarkeit mit dem Artenschutz. Denn auf der 24,5 Hektar großen Fläche, die weitestgehend sich selbst überlassen wurde, haben sich seltene Arten wie die Wechselkröte angesiedelt. Um deren Schutz zu gewährleisten, soll die Neun-Loch-Anlage, die der Kardorfer Golflehrer Steffen Eich verwirklichen will, so gestaltet werden, dass zusammenhängende Flächen für die Tiere bleiben. Diese Biotope machen etwa die Hälfte der Gesamtfläche aus, erläuterte Landschaftsarchitekt Stefan Kreyssig. Der Golfplatzbetreiber übernehme auch deren Pflege.

Auf Nachfragen der Grünen erklärte Kreyssig, dass nach den Golfregeln anhand von Pfählen markiert werden könne, dass die Flächen nicht zu betreten sind. Ganz auszuschließen sei zwar nicht, dass in Einzelfällen Spieler doch nach fehlgegangenen Bällen suchten. Das sei aber nicht problematisch: "Kröten sind nachtaktiv, Golfer in der Regel nicht", drückte der Architekt es amüsant aus. Tagsüber versteckten sich die Tiere unter der Erde.

Des Weiteren ist vorgesehen, das bestehende Verwaltungsgebäude der Kiesabbaufirma Horst als Vereinsheim mit Gastronomie zu nutzen. 80 Stellflächen für Autos sollen am Mittelweg entstehen.

Einstimmig bei einer Enthaltung von Markus Hochgartz (Grüne) erteilten die Ausschussmitglieder ihre Zustimmung, das Bebauungsplanverfahren einzuleiten. Ebenfalls einstimmig votierte der Ausschuss dafür, auch die Pläne für das Wohngebiet der Öffentlichkeit vorzustellen.

150 Wohneinheiten auf einer Fläche von 6,8 Hektar

Die Amand Projektentwicklungsgesellschaft will südlich des Golfplatzes auf einer Fläche von 6,8 Hektar 150 Wohneinheiten in Form von Doppel-, Reihen- und Atelierhäusern sowie zwei Mehrfamilienhäusern errichten. Ein 20 Meter breiter Grünstreifen soll Abstand zum Golfplatz gewähren. Auch ein Spielplatz ist am Rande des Wohngebiets geplant. Nicht realisiert werden kann ein eigentlich vorgesehener Geh- und Radweg zwischen dem neuen Wohngebiet und dem Sportplatz an der Erftstraße, der entlang der Straßenbahnlinie führen sollte.

Wie Beigeordneter Manfred Schier erläuterte, würde der Weg über eine Parzelle der Häfen und Güterverkehr Köln (HGK) führen, auf der Oberleitungsmasten stehen. Das sei aus Sicherheitsgründen nicht möglich. Stattdessen könnte der Weg vom Wohngebiet über die Hubertusstraße und am Rande des Golfplatzes entlang zum Sportplatz führen. Dass es eine solche Verbindung geben soll, darüber bestand Konsens. Abgelehnt wurde bei zehn zu 13 Stimmen aber ein Antrag der CDU, die Fertigstellung des Weges im städtebaulichen Vertrag mit dem Golfplatz-Investor festzuhalten. Wie die Umsetzung des Weges erfolgen soll und wer für diese aufkommt, wird nun noch Verhandlungssache der Verwaltung sein. Der Ausbau eines Teilstücks der Hubertusstraße als Fuß- und Radweg ist dem Investor des Wohngebiets zugewiesen.

Dieser soll auch noch eine Planvariante mit einem höheren Anteil an Mehrfamilienhäusern vorlegen. Einen entsprechenden Antrag der SPD beschlossen die Politiker nach längerer Diskussion schließlich einstimmig. Zudem soll die Verwaltung verhandeln, um einen möglichst hohen Anteil an sozialem Wohnungsbau in die Planungen zu integrieren.

Unterdessen wandert der Kiesabbau innerhalb der vorgesehenen Konzentrationsfläche weiter. Wie der Ausschuss beschloss, soll die Stadt ihr Einvernehmen erteilen, dass die Firma Horst ihre Arbeiten auf zwei Bereiche erweitern darf und eine Verlängerung der Abgrabungen bis 2020 gewährt wird. Dem muss der Kreis noch zustimmen, er sieht laut einer Sprecherin aber keine Hindernisse.