Auf Rallye für den guten Zweck: Paar aus Bornheim-Dersdorf fährt in 16 Tagen durch zehn Länder

Auf Rallye für den guten Zweck : Paar aus Bornheim-Dersdorf fährt in 16 Tagen durch zehn Länder

Lorraine Keils und ihr Freund Mario Bené verbringen ihren ersten Urlaub in einem alten Mercedes und fahren bei der Baltic Sea-Rallye mit. Den Erlös aus der Reise wollen die beiden spenden.

Der erste gemeinsame Urlaub als Paar sollte etwas Besonderes sein. Arm in Arm unterm Pariser Eiffelturm umherwandeln oder sich eng aneinander gekuschelt von einem Gondoliere über Venedigs Kanäle fahren lassen: Bei Lorraine Keils (22) und ihrem Freund Mario Bené (24) aus Dersdorf müssen Frankreich und Italien erst mal warten. Das junge Paar hat nämlich andere Pläne und wird seinen ersten gemeinsamen Urlaub zum Großteil in einem dunkelblauen Mercedes 200 E, Baujahr 1992, verbringen. Die Bachelorabsolventin im Fach Medizinische Biologie und der Mechatronikergeselle nehmen vom 16. Juni bis zum 1. Juli zum ersten Mal an der Autorallye „Baltic Sea Circle 2018“ teil. Hinter der 16-tägigen Tour, die an die 7500 Kilometer umfasst, verbirgt sich keine gewöhnliche Rallye (Infokasten). „Teilnehmen kann nur, wer mit einem Auto an den Start geht, das mindestens 20 Jahre alt ist“, sagt Bené, der seine Vorfreude auf die Reise kaum verbergen kann.

Rückblick: Mitte 2016 entdeckte der Geselle einen Artikel in einer Autofachzeitschrift beim Arzt und war direkt Feuer und Flamme für die außergewöhnliche Rallye. Für ihn war klar, dass er mitfährt. Ein Bericht im Fernsehen bestätigte ihn erneut in seinem Vorhaben. „Allerdings waren für 2017 keine Anmeldungen mehr möglich“, erinnert sich der junge Mann. Also musste die Tour ein Jahr darauf erfolgen. Ohne Rücksprache mit seiner Freundin zu halten, meldete er sich und eine weitere Person an. „Ich wollte mit, allerdings war ich mir wegen des Zeitraums noch unsicher. Habe ich genug Geld? Stecke ich da schon im Masterstudium?“, zählt Keils ihre damaligen Bedenken auf.

Bevor Bené den dunkelblauen Mercedes von einem Autohändler in Hürth für 1490 Euro, inklusive TÜV, kaufte, erwarb er einen weißen Mercedes Kombi für 900 Euro, ebenfalls von einem Händler aus Koblenz. Allerdings entpuppte sich der Wagen als absoluter Fehlkauf, weil der Achsträger völlig durchgerostet war. „Da war nichts mehr zu machen. Ich hatte eh schon 200 Euro für das Auto an Ersatzteilen ausgegeben. Er wäre ein Fass ohne Boden gewesen“, gesteht Bené und bot den Wagen online zum Verkauf an. Ein Azubi aus Süddeutschland kaufte ihm den Wagen trotz erheblicher Mängel für 750 Euro ab, um privat an dem Auto zu schrauben.

Eltern unterstützen Pläne

Momentan sammelt das Paar Geld für die Tour, das sie im Anschluss spenden wollen. Diese Wohltätigkeitsaktion wird vom Veranstalter auch vorausgesetzt. Wer den Erlös letztlich bekommt, kann das Paar aber selbst entscheiden. „Wir streben mindestens 750 Euro an“, sagt Keils. Sie hat sich für die Stiftung „Muskeln für Muskeln“ entschieden, die die Forschung gegen Spinale Muskelatrophie (SMA) unterstützt. Betroffen von der Behinderung ist ihre Freundin aus Kindertagen, Caroline Mülheims (21). Bené will seinen Teil an den Deutschen Tierschutzbund in Bonn spenden, der sich gegen illegalen Hundewelpenhandel einsetzt. Auf einer eigens eingerichteten Seite auf der Internetplattform „Facebook“ wollen Keils und Bené ihre Reise dokumentieren und zum Spenden aufrufen.

Für beide wird die Tour eine persönliche Herausforderung – auch für ihre Beziehung. Da ist sich das Paar einig, das erst seit einem guten Jahr zusammen ist. „Ich denke schon, dass wir uns gut verstehen werden. Allerdings ist es auch unser erster gemeinsamer Urlaub, der bestimmt nicht stressfrei verlaufen wird. Wir werden uns bestimmt mal verfahren“, räumt Keils ein. Am meisten allerdings freut sie sich auf die Landschaften und die unterschiedlichen Länder, die sie durchqueren werden. Bené weiß jetzt schon, dass er in Skandinavien seine Angelroute auspacken wird.

Eltern und Geschwister der zwei unterstützen die Pläne – nur Keils Vater ist ein wenig skeptisch. Angst, dass ihnen etwas passieren kann, hat das aber Paar nicht. Autopannen haben sie bereits einkalkuliert und nehmen Werkzeug und Ersatzteile mit. Viel mehr sehen sie die Sprachbarrieren vor allem im ländlichen Raum von Russland als Problem. „Mit Englisch werden wir da nicht weiterkommen. Ein Wörterbuch muss auf alle Fälle mit“, sagt sie. Des Weiteren muss das Paar noch reichlich Equipment von Schlafsäcken bis hin zum Campingkocher organisieren. „Gerne borgen wir uns auch Sachen, die man uns zur Verfügung stellt“, sagt Keils. Der Grund: Das Budget der zwei ist begrenzt. Allein für den Sprit während der Reise rechnen die beiden mit etwa 500 Euro pro Person. Insgesamt investieren sie rund 5000 Euro in den Trip, die aus Rücklagen der beiden stammen.

Der Clou an der Rallye ist das Tauschen. Beim Tourstart bekommen alle Teilnehmer eine blaue Büroklammer, die sie bei der ersten Destination eintauschen müssen. „Es gibt Berichte, da sind Leute mit einer Ziege zurück nach Hamburg gekommen“, erzählt Bené und schließt nicht aus, dass das ihnen das auch passiert.Wer Geld spenden, die Reisenden mit Ausrüstung versorgen oder die Tour im Internet begleiten will, kann das über die Facebook-Seite tun. Die Spendenseite ist hier erreichbar.