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Hätzbloot Hemmerich: Nur der echte Toni fehlte

Hätzbloot Hemmerich : Nur der echte Toni fehlte

FC-Legende Harald Schumacher sorgt beim Hemmericher Fanclub „Hätzbloot“ für Gänsehautmomente.

Wenn abends gegen 22 Uhr das Telefon klingelt, ist schon am Klingeln hörbar, dass es pressieren muss. „Ja, Spinner ist hier“, meldet sich ein Anrufer, als Harald „Toni“ Schumacher, FC-Rekordspieler und lebende Legende des rot-weißen Clubs mit der mitunter launischen Diva-Mentalität, den Hörer abnimmt. Ein gewisser Werner Spinner, Ex-Bayer-Manager, wolle mit dem „Tünn“ sprechen. „Und wann?“, fragt der 76-malige Nationalspieler. „Jetzt“, antwortet Spinner und steht Minuten später mit einer Flasche Rotwein vor Schumachers Haustür. Detailliert schildert der Vizepräsident des 1.FC Köln, beim Fanclubtreffen des Bornheimer FC-Fanclubs „FC Hätzbloot Vürjebirch“, wie ihm dieses ehrenvolle Amt zugetragen worden ist. „Der Tünn ist wie wir mit Hätzbloot dabei“, meint Hätzbloot-Präses Guido Kluth.

Weißes Hemd, rote Socken, purpurnes Einstecktuch und den Hennes auf dem Sakko, so betritt Harald „Toni“ Schumacher, frenetisch beklatscht, die Gaststätte „Beim Piepsch“ in Hemmerich. „Ist das hier schon das Vorgebirge?“, fragt der Fußball-Europameister von 1980, der alleine für den FC 422 Bundesligaspiele absolvierte und mit dem Verein einmal das Double und dreimal den DFB-Pokal holte. „Ich hann ja keen Bersch jesinn“, fügt der geborene Dürener hinzu.

Zehn Jahre ist der Fanclub im vergangenen Jahr alt geworden. Über 100 Mitglieder sind mit Herzblut dabei, wie Kluth berichtet, insbesondere bei den Heimspielen. Vom Pkw-Transfer von Hemmerich nach Müngersdorf sind die Hätzbloot-Anhänger längst auf eine eigene „Bus-Linie“ umgestiegen, erklärt Kluth. Da der Klub ein Familienverein ist, dürfen Kinder und Jugendliche kostenlos mitfahren, die Erwachsenen finanzieren dies. Rund 50 Anhänger streben auf diese Art in die Domstadt, wenn in Müngersdorf die FC-Hymne durchs Stadion schallt.

Da diese Liebeserklärung an den Geißbock-Verein auch bei einem Fanclubtreffen nicht fehlen darf, greift am Freitagabend ein Mann zur Gitarre, der auf den Bühnen im Schatten des Doms seit Jahrzehnten zu Hause ist: F.M. Willizil, alias „Dä Hoot“. Das langjährige Mitglied der „Höhner“ lebt seit vier Jahren in Waldorf und ist zwei Jahren Ehrenmitglied bei Hätzbloot. Und um ein emotionales Lied noch emotionaler zu machen, setzt sich die zwölf Jahre alte Annika neben ihm auf einen Barhocker. Sie greift zu ihrer Gitarre und singt die ersten Zeilen der Hymne. Textfest ist die Schülerin und Tochter von Klubpräses Kluth. Selbst die zwei Gladbach-Fans an der Theke „Beim Piepsch“ sollen da mit Gänsehaut gesehen worden sein.

Weil Freud´ und Leid im Rheinland mitunter nahe beieinanderliegen, erheben sich die Hätzblööter dann, um applaudierend FC-Rekordtorjäger Hannes Löhr zu gedenken. „Eigentlich ist heute ein trauriger Tag“, schildert Schumacher, der noch am Morgen an der Beerdigung Löhrs in Junkersdorf teilgenommen hat, sich darum aber umso mehr freue, den Abend mit echten Herzblutfans verbringen zu dürfen. „Ich sag dem Rainer immer wieder, dass ich das gerne möchte“, meint er, und Rainer Mendel, Fanbeauftragter des FC, nickt neben ihm heftig.

Apropos heftig: Befragt nach seinem schönsten und seinem schlimmsten FC-Moment schildert der Fußballer des Jahres von 1984 und 1986, dass er sein Buch „Anpfiff“ über Doping im Profifußball durchaus heute wieder so schreiben würde. „Meine Mutter hat mir gesagt, ich soll immer ehrlich sein.“ Darum sei ihm bis heute unbegreiflich, warum ihn der 1.FC Köln 1987 aus dem Verein verbannt hat. „Das habe ich nicht verstanden, ich habe 16 Jahre für den FC gespielt.“ Der schönste Moment sei der Gewinn des Doubles aus Deutscher Meisterschaft und DFB-Pokal anno 1978 gewesen. „Damals kamen viele Spieler aus der Region – da wollen wir wieder hin“, meint der FC-Vizepräsident.

Und noch mehr Neuigkeiten hat der „Tünn“ im Gepäck: Da der Verein aktuell auf 77 000 Mitglieder angewachsen sei, strebe der 1.FC Köln rasch einen Stadionausbau auf 75 000 Plätze an. „Das steht ganz oben auf der Liste“, bekundet Schumacher. Um die Parksituation rund ums Stadion zu verbessern, müssten noch mehr Lösungen her, wie sie die Hätzbloot-Fans aus dem Vorgebirge mit ihrem Bus-Transfer bereits vorleben. Und: Angebote für Leistungsträger wie Hector oder Horn lägen momentan nicht vor. Sorge bereite ihm aber, dass Ex-Spieler Pierre Littbarski oft bei FC-Heimspielen auf der Tribüne sitzt. „Der ist schließlich Chef-Scout bei Wolfsburg und war schon zweimal da.“

Einen Hätzbloot-Vürjebirch-Schal bekommt Schumacher ebenso wie die Ehrenmitgliedschaft, die er freudestrahlend entgegennimmt. „Vielleicht kannst du den ja mal auf der Tribüne tragen“, meint Präses Kluth. „Vielleicht gegen Bayern“, sagt Schumacher mit funkelnden Augen. „Ihr könnt ja mal gucken.“

Einziger Wermutstropfen des Abends: Der in Hemmerich lebende, wahrhaftige Toni Schumacher, 1965 der „Held von Liverpool“, war nicht zugegen. Seinen Spitznamen „Toni“ verdankt Harald Anton, genannt Toni, Schumacher weniger den Glanztaten des Hemmerichers zwischen den Pfosten des Geißbockvereins. „Als ich 1972 zum FC kam, gab es mit Harald Konopka schon einen Harald. Da sagten die zu mir: Du bist jetzt der Tünn.“