Wohnkonzept in Bornheim: Mehrgenerationenwohnen für Hersel geplant

Wohnkonzept in Bornheim : Mehrgenerationenwohnen für Hersel geplant

Ein Investor stellte sein Konzept für das Bauvorhaben an der Lahnstraße vor. Während der Fokus in der Vergangenheit vor allem auf dem Bau von Einfamilienhäusern und Eigentumswohnungen lag, gilt es in Zukunft, ebenso attraktive Angebote für Senioren zu schaffen.

Die zukünftige Bauland- und Wohnungspolitik in Bornheim wird nicht nur die Einwohnerzahl, sondern auch die Altersstruktur der Bevölkerung im Stadtgebiet beeinflussen. Dies ist eine der zentralen Aussagen des Handlungskonzepts „Wohnen in Bornheim 2030“, das der Bornheimer Politik in der vergangenen Woche vorgestellt wurde. Das Konzept soll als Leitfaden für Entscheidungen in Sachen Stadtentwicklung dienen.

Während der Fokus in der Vergangenheit vor allem auf dem Bau von Einfamilienhäusern und Eigentumswohnungen lag, gilt es in Zukunft, ebenso attraktive Angebote für Senioren zu schaffen, die kleinere Wohnungen möchten, aber in Bornheim bleiben wollen. Einen Schritt in diese Richtung stellt ein aktuelles Bauprojekt in Hersel dar, das zwischen Mertensgasse, Rheinstraße, Vorgebirgsstraße und Gartenstraße entstehen soll.

Unter dem Projektnamen „Rheingärten – Lebensraum für Familien und Senioren“ ist ein Mehrgenerationen-Wohnkonzept vorgesehen. Nachdem Investor Ernst Etzbach von der ETI Etzbach und Berglar Immobilien GmbH und Co. KG seine Pläne gemeinsam mit Architektin Melanie Schneider vorgestellt hatte, wurde der Offenlagebeschluss sowohl vom Stadtentwicklungsausschuss als auch vom Rat einstimmig abgesegnet.

Die Pläne: Auf dem rund 3230 Quadratmeter großen Areal sollen zwei Mehrfamilienhäuser entstehen, die über die Lahnstraße erschlossen werden. Diese soll mit einer Wendeanlage in „ausreichender Dimensionierung“ entsprechend RASt 06 ausgebaut werden. Zusätzlich ist ein Einfamilienhaus geplant, dessen Erschließung über die Vorgebirgsstraße erfolgen soll. Weil an dieser Stelle aus Platzgründen eine Bebauung bis an die Grundstücksgrenze nötig ist, muss noch eine Zustimmung des Nachbarn eingeholt werden, heißt es dazu in den Unterlagen.

Für die Mehrfamilienhäuser sieht die Planung drei Vollgeschosse und ein Dachgeschoss vor. Pro Mehrfamilienhaus sollen zehn Wohnungen entstehen. 29 Stellplätze will der Investor in einer Tiefgarage unterbringen, Parkplätze für Besucher stehen vor dem Gebäude im Außenbereich zur Verfügung.

■ Das Konzept: Jung und Alt unter einem Dach unterzubringen ist das Konzept ist des Mehrgenerationenwohnens, das in den beiden Mehrfamilienhäusern umgesetzt werden soll. Bis zu drei Generationen können in einem Wohnensemble leben, heißt es. Denkbar sei das generationsübergreifende Miteinander sowohl innerhalb einer Familie als auch zwischen unterschiedlichen Familien. Gegenseitige Unterstützung, etwa bei der Kinderbetreuung oder alltäglichen Erledigungen, könnte auf diese Weise leicht umgesetzt werden. Sowohl im Innen- als auch im Außenbereich sind Gemeinschaftszonen vorgesehen, die die Kontakte und gemeinschaftliche Aktivitäten fördern. Dafür sollen Sport- und Spielbereiche für Jung und Alt sowie parkähnliche Grünanlagen mit barrierefreien Wegen und Ruhezonen mit Sitzgelegenheiten angelegt werden.

Gemeinschaftsgärten mit Hochbeeten sollen ebenfalls den Austausch der Bewohner fördern und zu gemeinsamen Projekten animieren. Viel Wert wird auf uneingeschränkte Barrierefreiheit gelegt. Dafür werden barrierefreie Familienwohnungen sowie rollstuhlgerechte Wohnungen entstehen. Angedacht ist ein Mix an Wohnungsgrößen von Zwei- bis Vierzimmerwohnungen. „Idealerweise kommen die zukünftigen Bewohner aus Hersel und müssen ihr gewohntes Umfeld somit nicht verlassen“, erklärte Investor Etzbach. Ziel sei es, ein neues Konzept in den alten Ortskern von Hersel zu bringen.

■ Das meint die Politik: Die Politik reagierte positiv auf das Projekt. „Ich finde das Konzept sehr spannend“, sagte Rüdiger Prinz (CDU). Er kenne Familien, die genau nach einem solchen Angebot suchen. „Diese Art des Wohnens wäre eine Bereicherung für Hersel“, meinte Frank W. Krüger (SPD). Auch Markus Hochgartz (Grüne) zeigte sich erfreut über das Konzept, monierte aber die Größe der Balkone. Diese sollen nach einstimmiger Meinung der Politik nun so bemessen sein, dass sie auch von Rollstuhlfahrern genutzt werden können.

Für Madeleine Will vom Seniorenbeirat sprengen die Gebäude in ihrer Höhe und Größe den Rahmen. Sie sprach von einer „optischen Zerstörung der Siedlung.“ Konrad Velten (CDU) hielt dagegen, die Bebauung in diesem Bereich sei ohnehin stark durchwirkt. Ob aus den Wohnungen Eigentumswohnungen oder Mietwohnungen werden sollen, ist noch offen – ebenso die Frage, ob und welche Zahl geförderter Wohnraum zur Verfügung steht. Die Verwaltung zeigte sich erfreut, einen Investor gefunden zu haben, der ein schlüssiges Konzept auf den Tisch gelegt hat. Eine Einwohnerversammlung im Rahmen der frühzeitigen Beteiligung der Öffentlichkeit hatte bereits im Februar 2017 stattgefunden. Nun haben Bürger und Träger öffentlicher Belange erneut die Möglichkeit, eine Stellungnahme zur Planung abzugeben.