Vortrag über Glück: Manfred Lütz begeistert das Publikum in Sechtem

Vortrag über Glück : Manfred Lütz begeistert das Publikum in Sechtem

„Glück kann man nicht definieren", sagte der bekannte Psychotherapeut, Theologe und Kabarettist. Auch kritisierte er eine bei vielen Menschen beliebte TV-Sendung.

In den Buchläden gibt es zahllose Regalreihen mit Glücksratgebern, in denen sogenannte Experten ihren Lesern Ratschläge und Tipps zum Glücklichsein geben. „Alles Humbug“, meint Manfred Lütz, Psychiater und Psychotherapeut, katholischer Theologe und Kabarettist. In seinem 2015 erschienenen Buch „Wie Sie unvermeidlich glücklich werden – eine Psychoanalyse des Gelingens“ geht Lütz, der mit seiner Familie in Merten wohnt, einen anderen Weg: Sein Buch, ein Anti-Ratgeber, ermuntert die Menschen auf unterhaltsame Weise zum Selberdenken und zur Eigenverantwortung.

In einem kabarettistisch gehaltenen Vortrag beleuchtete Lütz am Freitagabend in der Sechtemer Kirche Sankt Gervasius und Protasius auf Einladung des kirchlichen Fördervereins das Thema Glück. „Der Eintritt ist frei, aber wir hoffen auf zahlreiche Spenden“, sagte Renate Bültena, Vorsitzende des Fördervereins: „Das Geld kommt dann kirchlichen Projekten und, auf Wunsch des Referenten, auch der Flüchtlingshilfe Vorgebirge zugute.“ Die gut gefüllten Kirchenbänke belegten, dass Glück ein Thema ist, das viele Menschen interessiert. Doch: Was ist Glück und kann man es definieren?

Nein, stellte Lütz fest: „Die ganze Glücksindustrie funktioniert nur, weil sie eben nicht funktioniert. Denn die ökonomischen Glücksratgeber sind die, die einen anschließend traurig machen.“ Glücksratgeber könnten auch nicht zum Glück des Einzelnen führen, da Glück etwas sehr Persönliches sei. „Wichtige Dinge wie Glück und auch Liebe kann man nicht definieren. Wenn man solche Begriffe erklärt, gehen sie kaputt“, führte Lütz aus. Für den Familienvater ist auch Erfolg kein Parameter für Glück. Dann verglich er den Maler Vincent van Gogh mit dem sowjetischen Diktator Stalin: „Van Gogh war ein erfolgloser Maler, unverkäuflich, sein Künstlerleben aber war erfolgreich. Der Massenmörder Stalin führte ein erfolgreiches Leben, war aber unglücklich“.

Heftig kritisierte Lütz die TV-Sendung „Germany's next Topmodel“. Diese Casting-Mentalität mache den Menschen unglücklich, meinte er, und erklärte auch den Grund: Nur vier Prozent der Mädchen besäßen Modelmaße, die anderen 96 Prozent könnten diese nie erreichen und würden insofern unglücklich werden. Glücksgefühle seien gar nicht das Wichtigste, befand Lütz: „Denn sonst könnten Sie auch Heroin nehmen, was ich auf keinen Fall empfehlen würde.“ Glück entstehe, so der Referent, wenn man etwas in sich Sinnvolles tue wie zum Beispiel während der Flüchtlingswelle den ankommenden Menschen zu helfen.

Dem Glück auf der Spur sind die Menschen nicht erst seit der Neuzeit, erläuterte Lütz. Die Beschreibung von Glück sei in den vergangenen 2000 Jahren immer wieder ein Thema der Philosophen gewesen. Daher brachte Lütz zwischen verschiedenen Beispielen aus Psychologie und spiritueller Tradition auch jede Menge Zitate kluger Männer zur Sprache, etwa von Platon oder von Thales von Milet.

Da Erfolg für Glück nicht so wichtig seien, habe er seiner ältesten Tochter zu deren 18. Geburtstag „Glück, aber keinen Erfolg“ gewünscht, berichtete Lütz: „Denn ein glückliches Leben ist nicht unbedingt ein erfolgreiches Leben.“ So unterhaltsam wie sein Buch – sein Friseur habe es auf Allgemeinverständlichkeit vorab kontrolliert, so Lütz –, so witzig war am Freitag die Präsentation, die die Zuhörer immer wieder zum Lachen brachte.

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