Gespräch mit Bestatterin Yvonne Bovelet: "Man verändert seine Prioritäten“

Gespräch mit Bestatterin Yvonne Bovelet : "Man verändert seine Prioritäten“

Yvonne Bovelet ist Bestatterin und betreibt in der dritten Generation nicht nur ein Möbelgeschäft an der Herseler Mertensgasse, sondern auch das damit verbundene Bestattungsinstitut. Sie spricht über ihre Arbeit mit der ständigen Gegenwart von Tod und Trauer und wie sie den Moment lebt.

Wissen Sie schon, wie Ihre eigene Bestattung aussehen wird?

Yvonne Bovelet: Oh ja, natürlich weiß ich das. „I am what I am“ wird gespielt werden. Das war schon immer mein Lebensmotto. Und eine Sargbestattung in unserem Familiengrab wird es werden. Alles ist schon generalstabsmäßig geplant.

Was ist für eine gute Bestattung wesentlich?

Bovelet: Dass sie zu dem Verstorbenen passt. Dass nicht immer alles nach einem Schema abläuft. Da kann auch mal eine FC-Hymne gespielt werden, wenn der Verstorbene FC-Fan war. Heute ist vieles möglich.

Können Sie sich noch an Ihren ersten Toten erinnern?

Bovelet: 1993 habe ich das Geschäft von meinem Vater übernommen. Schon ein paar Jahre vorher war ich bei dem Zurechtmachen einer verstorbenen Tante von mir beteiligt. Den ersten Toten vergisst man nicht.

Hat der Tod durch die ständige Konfrontation seinen Schrecken verloren oder ist er eher verstärkt worden?

Bovelet: Auf jeden Fall verloren. Weil man sieht, wie friedlich der Tod sein kann. Die Verstorbenen lächeln. Auch eine Selbstmörderin, die wir vor Jahren hatten, die sich ein Messer in die Brust gestoßen hatte, sah unglaublich zufrieden lächelnd aus.

Wie reagieren Menschen darauf, wenn sie erfahren, dass Sie Bestatterin sind?

Bovelet: Nun habe ich zunächst einmal die rheinische Frohnatur meines Vaters geerbt. Und meine Mutter war auch eine fröhliche Frau. Man sieht mir die Bestatterin ja nicht an. Aber wenn die Rede darauf kommt, hat plötzlich jeder Fragen an mich. Fahre ich dagegen mit dem Bestattungswagen durch die Stadt, gibt es immer noch Leute, die sich schnell wegdrehen.

Kann das Arbeiten mit Trauernden auch belastend sein?

Bovelet: Ich bin halt 24 Stunden erreichbar. Da kann es schon mal sein, dass man seine Pläne kurzfristig ändern muss. So war ich jetzt 21 Jahre nicht mehr im Urlaub. Aber es ist wichtig, dass man den Angehörigen helfen kann, wenn jemand umfällt. Natürlich gibt es auch Situationen, die belasten: Verstorbene, die man persönlich gekannt hat, oder Kinder. Oder auch Menschen, die morgens aus dem Haus gehen und nicht mehr zurückkehren, weil sie tödlich verunglücken. Das trägt man schon mit sich rum.

Was lernt man durch die Arbeit mit dem Tod für das Leben?

Bovelet: Man lernt in unserem Beruf, dass man nichts verschieben soll. Man weiß ja gar nicht, ob man morgen noch im Spiel ist. Man verändert seine Prioritäten. Der Beruf ist prägend.

Gibt es einen aktuellen Trend im Bestattungswesen?

Bovelet: Durch gesellschaftliche Veränderungen geht der Trend eher zu der anonymeren und pflegeleichten Bestattung. Dabei ist ein Modell, was auch in Hersel sehr stark angenommen wurde, die Urnenwand, in der zwei Urnen in eine Kammer passen und man mit der Grabpflege nichts mehr zu tun hat. Innerhalb von knapp zwei Jahren haben wir hier bereits die vierte Wand aufgestellt. Und dann gibt es ja noch die Naturbestattung, die Baumgrabstätten oder auch das Verstreuen der Asche auf dem Aschenstreufeld.

Sind Unterschiede in der Bestattungskultur auch im Vorgebirge zu beobachten?

Bovelet: Im ländlicheren Bereichen, wie zum Beispiel in Walberberg, werden traditionell eher Erdbestattungen gewählt. Je weiter sie in Richtung Stadt kommen, wie in Roisdorf und Hersel, nehmen die Feuerbestattungen zu.

Was kostet eine Erd-/Feuerbestattung?

Bovelet: Die Preise in Bornheim sind inzwischen nahe an denen von Bonn. Ich denke, bei uns haben wir die höchsten Friedhofsgebühren im Rhein-Sieg-Kreis. Eine Reihengrabstätte kostet inklusive Beisetzung etwa 2300 Euro; die Urnenbestattung ist etwa 1000 Euro preiswerter. Eine Kremierung mit anonymer Beisetzung ist über Fremdanbieter bereits ab 500 Euro zu bekommen. Nach oben sind keine Grenzen gesetzt.

Gibt es auch unter Särgen und Urnen Bestseller?

Bovelet: Es gibt auf jeden Fall Trends. Urnen können heute in jeder nur denkbaren Form gestaltet werden. Ob Engel, Delfine oder Porträts: Wir können alles herstellen. Insgesamt sind Naturmaterialien angesagt. Biologisch abbaubar soll es sein. Bei Särgen wird eindeutig die Wildeiche bevorzugt. Die Pyramidenform ist veraltet. Man will eher die flache italienische Truhenform. Lackierte Särge sind inzwischen out.

Bin ich in der Wahl des Friedhofes frei?

Bovelet: Inzwischen stellt das wohl kein Problem mehr dar. Die Friedhöfe müssen sich keine Sorgen mehr machen, dass der Platz für die eigenen Bürger nicht mehr ausreicht.

Geben Sie den Lebenden eine Empfehlung für die eigene Bestattung?

Bovelet: Man sollte sich unbedingt zu Lebzeiten darüber austauschen, wie die eigene Bestattung aussehen sollte. Mit der Entscheidung zu einer Erd- oder Feuerbestattung sollte man die Angehörigen nicht alleine lassen.

Glauben Sie an ein Leben nach dem Tod?

Bovelet: Das macht uns Gläubige ja aus, dass wir zumindest eine Vorstellung davon haben, dass da noch was kommen könnte. Ich hoffe zumindest darauf, dass wir uns alle mal wiedersehen.

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