Schülerspezialverkehr wird eingestellt: Linienverkehr ersetzt in Bornheim bald Schulbusse

Schülerspezialverkehr wird eingestellt : Linienverkehr ersetzt in Bornheim bald Schulbusse

Schülerinnen und Schüler in Bornheim sollen künftig die Busse und Bahnen des öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV) nutzen. Die Stadt Bornheim stellt das bisherige Schulbusangebot im Sommer 2019 ein.

Der Rat der Stadt Bornheim hat entschieden: Mit Beginn des Schuljahrs 2019/2020, also im August 2019, wird es in Bornheim keine gesonderten Schulbusse mehr geben. Der sogenannte freigestellte Schülerspezialverkehr wird eingestellt. Stattdessen sollen die Schülerinnen und Schüler die Busse und Bahnen des öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV) nutzen. Der ÖPNV soll zu diesem Zweck ausgebaut werden. Lediglich Paul Breuer (ABB) stimmte in der Ratssitzung dagegen. Die restlichen Ratsmitglieder votierten für die Umstellung.

Nach Angaben des für den ÖPNV auch in Bornheim zuständigen Rhein-Sieg-Kreises nutzen täglich rund 1450 Jungen und Mädchen den Schülerspezialverkehr, um zu ihren Schulen zu kommen. Erbracht wird die Dienstleistung durch ein von der Stadt beauftragtes Unternehmen. Der aktuelle Vertrag läuft Ende Juli 2019 aus. Wiederum rund 900 Schüler nutzen laut Kreis für den Schulweg bereits den ÖPNV, dazu kommen noch „Doppelnutzer“, die eben nicht nur mit den Schulbussen, sondern mitunter auch mit dem ÖPNV fahren.

Es herrsche ein Durcheinander mit Ungleichbehandlungen, sagte Bornheims Sozialbeigeordnete Alice von Bülow im Gespräch mit dem GA. Es gebe etwa für die Sekundarstufe 1 der Europaschule Schulbusse, für das Alexander-von-Humboldt-Gymnasium, aufgrund der Nähe zur Stadtbahnhaltestelle, allerdings nicht.

Umstellung soll Gerechtigkeit bringen

Auch im Grundschulbereich würden nur einige Schulen, etwa in Hersel, vom Schülerspezialverkehr angefahren, so von Bülow weiter. Mit der Umstellung wolle man Ordnung und Gerechtigkeit ins System bringen, erklärte sie – auch angesichts der Tatsache, dass es Eltern mit Sonderwünschen gebe, was die Routen von Schulbussen betreffe. Auch damit ist ab August Schluss. Zum Ausgleich für den Wegfall der Schulbusse wird der ÖPNV in Bornheim ausgebaut.

So sollen die Buslinien 817 und 818, wie bereits die Linie 633, künftig in einem 30-Minuten-Takt fahren, mit Verstärkungsfahrten zu Schulbeginn und -ende. Die Linie 817 bekommt zudem eine neue Route und wird künftig Bornheim mit dem Bonner Stadtteil Tannenbusch verbinden. Des Weiteren wird eine neue Buslinie mit der Nummer 753 eingeführt. Diese soll nach Angaben der Stadt die Schulwege abdecken, die nicht durch die vorhandenen Buslinien ermöglicht werden, zugleich aber allen Menschen als reguläre ÖPNV-Verbindung zur Verfügung stehen. Unabhängig davon kommt, wie berichtet, die Taktausweitung auf der Linie 16.

Nach Berechnungen von Rhein-Sieg-Kreis und Stadt spart Bornheim durch die Umstellung im Jahr 175.000 Euro. Die Kosten für die Eltern ergeben sich, wie bisher, aus der Schülerfahrkostenverordnung. Nicht durch die Umstellung abgedeckt sind Fahrten zum Schulschwimmen sowie zu anderen Sport- oder Sonderveranstaltungen. Diese müssen laut von Bülow extra ausgeschrieben werden.

Grüne fürchten mehr Elterntaxis

In der Ratssitzung gab die Politik auch dafür grünes Licht. Keine Mehrheit fand ein Antrag der Grünen. Sie wollten die Umstellung vorerst absagen, um die Eltern in eine abschließende Entscheidung einzubinden. Überdies sprach sich die Fraktion generell gegen die Umstellung auf reinen ÖPNV für Grundschüler aus. „Wir sind nicht gegen den Ausbau des ÖPNV“, sagte Grünen-Fraktionssprecher Arnd Kuhn in der Ratssitzung. Allerdings sehe man in der Umstellung eine Verschlechterung für Grundschüler, etwa durch fehlende Bezugspersonen für die Kinder in den ÖPNV-Bussen sowie den Wegfall von Kapazitäten für außerplanmäßige Fahrten etwa zu Museen oder Veranstaltungen.

Ebenso sähen die Grünen die Gefahr, dass durch die Umstellung Eltern vermehrt ihre Kinder mit dem Auto zur Schule bringen, so Kuhn. Außer Breuer mochte sich niemand dem Antrag der Grünen anschließen. Wie von Bülow in der Ratssitzung sagte, habe der Kreis deutlich gemacht, dass ein Umstieg nur vollständig möglich sei. „Die Grundschulen herauszunehmen, heißt, dass die Umstellung nicht funktioniert“, so von Bülow. Aktuell würden Schulbusse zum Teil doppelt genutzt: für weiterführende und Grundschulen. Die Umstellung auf den ÖPNV stellt ihrer Ansicht nach keine Verschlechterung dar.

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