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Langsamer Start für Gaststätten in Bornheim und Rheinbach

Zwischen Bornheim und Rheinbach : Die Gastronomie läuft nur langsam an

Die Corona-Lockerungen kamen zu kurzfristig: Viele linksrheinischen Gasttronomen sind noch mitten in den Vorbereitungen für die Wiedereröffnung.

Gastronomiebetriebe in der Coronakrise: Nach fast zweimonatiger Schließung dürfen Restaurants, Cafés und Kneipen mit Sitzgelegenheiten seit Montag ihre Gäste wieder im Innen- und Außenbereich bedienen – unter strengen Hygieneauflagen. Tische müssen einen Abstand von 1,50 Metern aufweisen, alle Gäste müssen namentlich registriert werden, um mögliche Infektionsketten nachverfolgen zu können. Wie gehen die Wirte im linksrheinischen Rhein-Sieg-Kreis mit der Wiedereröffnung um?

 Das Hotel-Gasthaus Zur Krone in Alfter hat sich intensiv vorbereitet. Spezielle Reinigungsmittel wurden angeschafft, die bisher 30 Tische auf 14 reduziert. Seit Mitte März war das Restaurant an der Kronenstraße geschlossen, nur das Hotel war geöffnet. „Durch die Übernachtung von Geschäftsreisenden konnten wir uns einigermaßen über Wasser halten“, sagte Falk Hohmann.

Der Küchenchef wird den Restaurantbetrieb gemeinsam mit seiner Frau und Inhaberin Nadia Hohmann sowie Seniorchef Willi Unkelbach ohne Mitarbeiter stemmen. „Die Wirtschaftlichkeit ist mit der Öffnung noch nicht gegeben“, erklärte Hohmann, der wegen der geringeren Gästezahlen auch das Angebot der Speisen reduziert hat.

Mundschutz ist beim Service, in der Küche und für die Gäste Pflicht. „Bei diesen Auflagen ist die Frage, wie viele Gäste kommen. Denn der Besuch eines Restaurants muss auch Spaß machen“, sagte Hohmann. Er findet die Wiedereröffnung grenzwertig. „Die Erlaubnis der Politik kam zu spät. Bis wir in NRW Einblick in die Vorgaben erhielten, war es Donnerstag.“

Als zu kurz empfand auch Hans Willi Schiefbahn, Geschäftsführer der Gaststätte Kreuel in Bornheim, die Vorbereitungszeit. Noch fehlen Desinfektionsmittel, die Tische im Innen- und Außenbereich müssen entsprechend gestellt werden. Los geht es daher in Waldorf erst am Freitag. „Montags und dienstags ist es bei uns immer relativ ruhig, mittwochs ist Ruhetag, donnerstags treffen sich bei uns eigentlich die Seniorenstammtische, was momentan auch nicht möglich ist. So blieb der Freitag“, erklärte Schiefbahn.

Auch mit der Vor-Ort-Gastronomie werden Schiefbahn und Inhaberin Manuela Hübner die Außer-Haus-Lieferung der vergangenen Wochen fortsetzen. Mit der täglichen Zubereitung von 80 bis 90 Essen hat Schiefbahn seit dem 18. März besonders Senioren in Waldorf und Kardorf versorgt. „Das ist besser gelaufen, als ich erwartet hatte. Wir haben dadurch sogar viele Neukunden gewonnen“, sagte der Gastronom. Trotzdem verzeichnet auch er finanzielle Einbußen von mehr als 50 Prozent – durch fehlenden Getränkeverkauf.

Der vorgegebene Abstand der Tische ist beim Eiscafé Veronesi an der Bornheimer Königstraße nichts Neues. „Das haben wir schon vor der Schließung gemacht“, erklärte Chefin Ursula Veronesi. Seit Montag können an jeweils fünf bis sechs Tischen im Außen- sowie Innenbereich Eisbecher oder -hörnchen genossen werden. Durch getrennte Aus- und Eingänge werden Kontakte zwischen den Gästen verringert. Noch ist die Chefin unsicher, ob beim Weg zu den Toiletten der vorgegebene Abstand zu den Tischen ausreicht, aber „da wird man sehen, was das Ordnungsamt sagt“.

 In Meckenheim und Rheinbach hatten am Montag viele Betriebe noch geschlossen, weil sie noch mit den Vorbereitungen beschäftigt waren. Ante Kulusic führt das seit 1997 in Meckenheim ansässige Restaurant Blumenhof. Am Montag waren er, seine Familienmitglieder und Mitarbeiter dabei, anhand des Merkzettels des Hotel- und Gaststättenverbandes Dehoga NRW die Auflagen umzusetzen. Bis dato seien drei Mitarbeiter komplett in Kurzarbeit gewesen, so Kulusic. Mit drei weiteren sowie drei Familienmitgliedern habe das Restaurant einen Abholservice angeboten.

„In unserem Restaurant haben wir rund 90 Plätze. Mit den Abstandsregeln können wir nur noch 40 bis 45 Plätze anbieten“, stellte er fest. Um zu sehen, wie sich die Kosten unter dem reduzierten Platzangebot darstellen, werde der Familienbetrieb zunächst einen Probelauf starten. Auch ein Ruhetag werde eingeführt. „Die meisten Leute haben Angst, ein Restaurant zu besuchen“, fürchtete Kulusic. Deshalb rechne er nicht mit einem Ansturm.

Christiane Schlich und Michael Schäfer von den Cafés Schlich haben Desinfektionsmittel, Listen und einen 1,50-Meter-Abstandsstab parat. Foto: Matthias Kehrein

Mit Vorbereitungen beschäftigt war auch Christiane Schlich, Inhaberin von Café Schlich im Fachwerkhaus an der Pfarrkirche Sankt Martin und von Stadtcafé Schlich vor dem Dreeser Tor in Rheinbach. „Das Café an der Kirche bleibt auf jeden Fall geschlossen. Dort können wir die Bedingungen nicht erfüllen“, bedauerte Schlich.

Sie hofft, auch über das Angebot von „Kuchen to go“ im Stadtcafé hinaus, im Laufe der Woche alles für den Aufenthalt der Gäste vorbereitet zu haben. So müsse sie eine Raumskizze anfertigen und zur Genehmigung an die Stadt schicken. Um die Abstandsregeln einzuhalten, werden unter anderem im großen Raum Tische, die frei bleiben müssen, mit Hinweisschildern versehen; Blumen und Speisekarte werden nicht mehr auf den Tischen stehen. Milch und Zucker gibt es nur noch abgepackt. Das sehe „noch ganz traurig aus“, fand Schlich.