Klimafreundliches Leben wie bei Familie Austermann aus Straßfeld

Familie Austermann aus Swisttal : Wie man sein Leben klimafreundlich ausrichten kann

Wärme aus der Erde und Strom vom Dach: Familie Austermann aus Swisttal richtet ihr Leben klimafreundlich aus. Außerdem engagiert sie sich bei Fridays und Parents for Future. Bei ihrer Lebensweise halten sie sich an 15 Maßnahmen, an denen sie ihr Konsumverhalten orientieren.

Das Auto fährt mit Solarstrom vom eigenen Dach, für warmes Duschwasser sorgt eine Erdwärmepumpe, und das Frühstücksbrot bestreichen Sohn und Eltern mit einer palmölfreien Schokocreme. Angela (47), Michael (44) und Paul (11) Austermann richten ihr Leben möglichst klimafreundlich aus.

Wohl wissend, dass eine 100-prozentige Konsequenz kaum zu erreichen ist."Wir machen einfach, wir fangen an", sagt Angela Austermann, ausgebildete Tierarzthelferin und selbstständige Hundetrainerin. Dabei vermeidet es das Ehepaar, im Freundes- und Bekanntenkreis zu missionieren. Die Austermanns hoffen aber, dass ihre Verhaltensänderungen weiteren Menschen Impulse geben könnten, ihr Konsumverhalten ebenfalls zu überdenken.

Angela und Michael Austermann trimmen ihren Haushalt auf Klimafreundlichkeit: Eine Schicht aus recyceltem Glasschaumschotter isoliert das Fundament des Hauses in Swisttal. Foto: Axel Vogel

Das Paar, das in Swisttal lebt, handelt schon viele Jahre nach ökologischen Gesichtspunkten und unterstützt seit einem Jahr die Ortsgruppe Bornheim, Swisttal und Weilerswist in der Initiative "Parents for Future" sowie die Jugendbewegung "Fridays for Future". Bei den Parents sind derzeit 30 Eltern aktiv, es sollen bald mehr werden. "Wir wollen den Klimaschutzgedanken durch Aktionen und Foren noch stärker in die Öffentlichkeit bringen", sagt Angela Austermann.

Teilnahme an Demo "Parents for Future"

Dazu gehörten im Sommer auch Demonstrationen vor den Rathäusern in Bornheim und Swisttal-Ludendorf. Leider hätten die Räte in Alfter, Bornheim, Rheinbach, Meckenheim und Swisttal aber keine Notwendigkeit gesehen, den Klimanotstand auszurufen. Man hoffe aber weiter, dass sich diese Haltung ändere.Informatiker Michael Austermann hat das Haus in Swisttal 2008 nach klimafreundlichen Gesichtspunkten geplant und gebaut: ausgerichtet nach Süden, Erdwärmepumpe, Solaranlage auf dem Dach, genügend Wärmedämmung.

Angela und Michael Austermann trimmen ihren Haushalt auf Klimafreundlichkeit: Für Heizung und Warmwasser sorgt eine Erdwärmepumpe im Keller. Foto: Axel Vogel

Im Sommer fährt der 44-Jährige mit dem Rad zur Arbeit in Köln - eine Strecke 35 Kilometer. In seiner Softwarefirma regt er klimafreundliche Maßnahmen an, etwa Handys nur noch alle vier Jahre durch neue zu ersetzen. Und die Kollegen beteiligten sich am 20. September am bundesweiten Klimastreik.

Den Impuls, sich verstärkt für den Klimaschutz in der Initiative "Parents for Future" zu engagieren, bekamen die Austermanns im Herbst vergangen Jahres bei der Demo gegen die Abholzung des Hambacher Forsts und kurz darauf, als sie sich den Dokumentarfilm "Before the Flood" von Leonardo die Caprio anschauten, in dem die drastischen Folgen des Klimawandels für Mensch und Natur dargestellt werden.Darauf nahmen sie im November 2018 an einer Fridays-Demo in Köln teil. "Der Spirit der jungen Leute war unglaublich", sagt Angela Austermann, "sie hatten gute Argumente, die gehört werden müssen."

Die Austermanns haben ihre Gewohnheiten und ihr Konsumverhalten in den vergangenen Jahren in mehreren Punkten verändert, 15 Maßnahmen, an die sich die Familie hält, stellen wir vor:

Keine Flugreisen: Letztmals flogen Austermanns im Jahr 2007. Es war ihre Hochzeitsreise nach Wien.

Solaranlage: Sie produziert mehr als 30 Prozent des Strombedarfs der Familie.

Erdwärmepumpe: Für warmes Wasser wird keine fossile Energie benötigt.

Kauf eines E-Autos: Der überschüssige Strom aus der eigenen Solaranlage speist die Batterie.

Energie sparen: Wasch- und Spülmaschine werden nur benutzt, wenn die Sonne scheint und so eigener Strom eingesetzt werden kann. Sparsame Küchengeräte, Energiesparlampen, achtsamer Umgang mit der Beleuchtung im Haus. Auch Paul achtet darauf. Den Wäschetrockner wenig einsetzen, Wäsche an der Leine trocknen lassen.Mehr Heimarbeit: Michael Austermann fährt nur noch zwei Mal wöchentlich zur Firma nach Köln, arbeitet ansonsten zu Hause.

Weniger Fleisch: Statt fünfmal kommen nur noch ein bis zwei Mal in der Woche Steak, Braten oder Schnitzel auf den Teller.

Einkaufen in Bioläden: Regionale Produkte verursachen keine langen Transportwege.

Keine Plastiktüten: Stattdessen Stofftaschen sowie Obst- und Gemüsenetze.

Fair produzierte Schokolade: Die schmeckt auch Sohn Paul.

Mineralwasser: Wird selbst hergestellt. Transportfahrten zum Getränkemarkt entfallen.

Kein Palmöl: Die App "Zero Palmöl" weist auf Produkte hin, die kein Palmöl enthalten. Für den Anbau von Ölpalmen wird in Südostasien Regenwald abgeholzt und der Lebensraum vieler Tiere zerstört.

Kein Duschgel oder Shampoo: Stattdessen Seifenstücke und Haarseife, um Plastikverpackung einzusparen.

Bienenwachstücher statt Plastikfolien: Sie halten Obst oder Käse in Behältern frisch.

Den Rasen nicht mehr mähen: Schafft Lebensraum für Insekten. Dazu ein Insektenhotel im Garten.

Die Austermanns betonen, dass diese Maßnahmen "erste Schritte" seien und sie Verhaltensänderungen nicht in erster Linie als Verzicht betrachten, sondern vielmehr als Gewinn. Denn es sei ohne Zweifel ein Gewinn, die Erde auch für ihren Sohn Paul und dessen Generation lebenswert zu erhalten.

Faustregel: Was gut für die Erde ist, ist auch gut für den Einzelnen. Zum Beispiel: Weniger Auto, mehr Rad fahren - gut fürs Klima, gut für die Figur.

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