1. Region
  2. Voreifel & Vorgebirge
  3. Bornheim

Altersjubiläum in Merten: Klara Boos ist 100 Jahre und nicht leise

Altersjubiläum in Merten : Klara Boos ist 100 Jahre und nicht leise

Für die betagte Mertenerin singt Hans Süper heute ein Ständchen durchs Telefon. Sie hat bisher 66 Nachkommen.

Sieben Kinder, 24 Enkel, 30 Urenkel und fünf Ur-Urenkel: wenn Klara Boos am Samstag, 9. März, 100 Jahre alt wird, feiert sie ganz groß im Kreise ihrer Familie. 1919 als „echt kölsches Mädche“ geboren – bis heute ist sie aus tiefstem Herzen dem Karneval verbunden – wohnt die Seniorin seit 70 Jahren in Merten, seit knapp zwei Jahren im Seniorenzentrum St. Elisabeth in Merten. „Bis dahin hatte ich meine eigene Wohnung. Die Kinder haben mich hierher gebracht. Sie haben zwar schöne Häuser, aber ich schaffe die Treppen nicht mehr“, erzählt Boos mit einem Augenzwinkern.

Sie sitzt in ihrem Rollstuhl in ihrem Zimmer, an den Wänden jede Menge Familienfotos. Schwer sei ihr Leben gewesen, fährt Boos fort, aber „sie habe alles gut gemeistert“.1919 in Köln geboren habe sie ihren Vater nie kennengelernt, ihre Mutter starb 1921 mit 29 Jahren. Sie kam zu Pflegeeltern nach Rösberg, kehrte als 14-Jährige dann aber nach Köln zurück. Als Briefträgerin verdiente sie ihr Geld für eine eigene Wohnung. 1939 lernte Boos ihren Mann – einen Witwer mit drei Kindern – kennen, 1943 wurde geheiratet. Sie selbst brachte ebenfalls die Tochter Kethe mit in die Ehe. „Dann wurde unsere erste gemeinsame Tochter geboren und so hatte ich fünf Kinder, um die ich mich kümmern musste, als mein Mann noch 1944 in den Krieg eingezogen wurde“, erinnert sich die Jubilarin. Noch heute denkt sie manchmal an den Brief, dass ihr Mann vermisst würde.

„Erst als es hieß, er sei in Kriegsgefangenschaft in Marseille, konnte ich aufatmen“, so die rüstige Seniorin. Die Familie wurde 1943 in Köln ausgebombt. Eine erste Bleibe fand sie bei ihrer Pflegeschwester in Rösberg, Arbeit erhielt sie auf einem Gutshof in Merten, wo sie als junges Mädchen nach der Schule kurz gearbeitet hatte. „Da hatten wir wenigstens zu Essen“, so Boos. Kümmerlich untergebracht waren sie in einer Baracke, aber schon bald nach dem Krieg erhielt die Familie eine Wohnung in der Scheebenstraße, in der die jüngsten Kinder geboren wurden und aufwuchsen und in der Klara Boos bis 2016 gewohnt hat. Ihr Mann ernährte die Familie als Mitarbeiter der Köln-Bonner Eisenbahn, in seiner Freizeit half er als Gärtner im früheren Mertener Kloster aus.

Trotz der vielen Arbeit – Vergnügen brachten die vielen Reisen, die sie im Laufe der vergangenen Jahrzehnte unternommen hat und der Karneval. Auch den Mertener Veilchendienstagszug hat sich Boos mit einigen Familienmitgliedern angesehen. „Wenn sie nicht im Rollstuhl säße, wäre sie heute immer noch op Jück“, sagt der jüngste Sohn Peter. Er und die vier noch lebenden Geschwister besuchen die Mutter jeden Tag. „Zu meinem Geburtstag habe ich eine Messe in der Kapelle bestellt. Leider können sie an dem Tag nicht das Ave Maria spielen“, bedauert das Geburtstagskind. Dafür haben sich ihre Kinder besondere Überraschungen überlegt. So wird der kölsche Jung Hans Süper, den Klara Boos aus ihrer Kölner Zeit persönlich kennt, durchs Telefon ein Ständchen singen.