Kita-Notstand in Bornheim: Stadt kämpft gegen Personalmangel und Krankheitsausfälle

Personalmangel, Krankheit & Co : Stadt Bornheim kämpft gegen Kita-Notstand an

Den Kindertagesstätten in Bornheim fehlt es aktuell an Gebäuden, Plätzen und Personal. Bei kranken Erziehern müssen sie teilweise tageweise schließen oder können nur verkürzte Betreuungszeiten anbieten.

Die Situation in den Kindertagesstätten in Bornheim ist angespannt. Es fehlt an Gebäuden, Kita-Plätzen und Betreuungspersonal. Seit Oktober hat die Kita Sonnenblume in Walberberg wegen erkrankter Erzieher in Kombination mit Personalmangel mehrfach verkürzte Betreuungszeiten angeboten und war tageweise geschlossen. Ähnliches berichteten Eltern auf Facebook auch von Kitas in Sechtem, Merten und Widdig.

Etwa 100 Kinder sind laut Sozialdezernentin Alice von Bülow im Moment auf Gruppen verteilt, die eigentlich voll sind. Diese „extreme Überbelegung“ bestehe nun im zweiten Jahr. Die Verwaltung habe die Träger 2019 zum ersten Mal zur gegenseitigen personellen Unterstützung aufgerufen. „Wo es ging, haben sie sich geholfen“, sagt von Bülow.

„Es ist sicherlich eine besondere Situation in der Kita Sonnenblume“, sagt Maruan Azrak, Leiter des Jugendamts Bornheim, auf die Frage, ob Ähnliches aus anderen Kitas bekannt sei. Die Beobachtung, dass die Überbelegung durch Faktoren wie gestiegenen Lärmpegel und Krankheiten das Kita-Personal belaste, habe er auch in anderen Kitas gemacht. Um die Überbelegung zu beenden, arbeite die Stadt an mehreren neuen Kitas.

Erzieherinnen gehen über Grenzen hinaus

Der Umgang mit Belastungsfaktoren sei etwas Organisatorisches, aber auch etwas Individuelles, findet Azrak. Der moralisch-ethische Anspruch sei bei Menschen, die einen Erziehungsberuf ergreifen, groß. Bei Erkrankungen würden sie oft über ihre Grenzen gehen, um die Betreuung zu gewährleisten – und würden durch die Überbelastung im Endeffekt länger ausfallen. „Das hören wir unisono aus allen Einrichtungen“, sagt der Jugendamtsleiter.

Azrak und von Bülow sehen die Verwaltung im Dilemma: Einerseits wünschten sich die Eltern, bei einem Ausfall frühzeitig informiert zu werden, andererseits versuche die Stadt, so lange es geht alle Möglichkeiten auszuschöpfen, um einen Ausfall zu verhindern. Wenn eine Erzieherin erkrankt, prüfe das Jugendamt zunächst ihren Springer-Pool, dann, ob Vertretungskräfte verfügbar sind, dann, ob Kräfte in Partnerkitas entbehrt werden können und zum Schluss, ob andere städtische Einrichtungen Personal ausleihen können. „Erst im Anschluss kann über eine Reduzierung der Betreuungszeiten nachgedacht werden“, erklärt Azrak. Mit diesem System einen Ersatz zu finden, sei insbesondere bei kurzfristigen Ausfällen schwierig.

Wenn Kinder stärker erkranken, sehen von Bülow und Azrak die Erziehungsberechtigten in der Pflicht. „Ich glaube, dass man den Eltern vermitteln muss, dass kleine Kinder ein erhöhtes Risiko haben, sich Infekte einzuhandeln“, sagt Azrak. Häufig breiteten sich ansteckende Krankheiten in den Kita-Gruppen „wie in einem Vogelnest“ aus – und infizierten auch die Erzieher. Die Verwaltung könne den Druck nachvollziehen, unter dem manche Eltern beruflich stünden. Aber Kindergärten seien ein „familienergänzendes Angebot“, so von Bülow. „Die öffentliche Hand kann nicht alles regeln.“ Es gehöre zum Familienleben, dass Kinder in Situationen wie Krankheit ihre Eltern bräuchten.

Elternbetreuung in Kitas nicht möglich

Um eine gemeinsame Lösung zu finden, suche das Jugendamt regelmäßig das Gespräch mit den betroffenen Eltern. In der Regel verliefen diese laut der Sozialdezernentin gut. Die Eltern bei erkrankten Erziehern als Ersatzkräfte einzuspannen, kommt für die Stadt wegen des Kinder- und Versicherungsschutzes nicht infrage. „Wir müssen vom Worst Case ausgehen“, sagt Azrak mit Blick auf Fälle wie Lügde. „Ich will da niemandem etwas unterstellen, aber es braucht einfach gewisse Standards, was das Betreuungspersonal angeht.“

Deswegen könne die Stadt den Eltern die Kita-Räume bei Ausfall der Erzieher nicht zur Verfügung stellen. „Dann reduzieren wir die Zeiten zum Schutze aller“, sagt der Jugendamtsleiter. „Ich kann auch verstehen, dass das für Eltern nicht nachvollziehbar ist“, räumt er ein. Aber die Stadt müsse die Aufsichtspflicht sicherstellen. Außerdem spreche nichts dagegen, dass die Eltern sich untereinander absprechen.

Grundsätzlich überlege die Stadt von Bülow zufolge, den Personalschlüssel auf Grundlage des neuen Kinderbildungsgesetzes (Kibiz) zu überarbeiten und die Teams zu vergrößern. Die Frage sei, ob sich angesichts des Fachkräftemangels mehr Erzieher finden ließen. „Wir sind dabei, die positiven Merkmale der Stadt Bornheim herauszuarbeiten“, berichtet Azrak. Im Vergleich zu Köln und Bonn gehörten zum Beispiel die „kurzen Wege“ dazu.

Die Stadt ermögliche ihren rund 270 Erzieherinnen Fortbildungen. In der Erziehungsberatungsstelle könnten Erzieher für Supervision auch kurzfristig Termine bekommen – etwa bei Teamkonflikten oder Problemen mit Kindern. Und Stichwort Gesundheitsmanagement: Die Mitarbeiter seien informiert worden, dass ihr Arbeitgeber etwa präventive Sportkurse bezuschusst. „Ein Jobticket wäre eine Bereicherung“, ist sich Azrak sicher. Auch das stehe auf der Agenda. Die Kindergartenbedarfsplanung von 2017 läuft 2020 aus und muss bald erneuert werden. Von Bülow sieht klar den Trend zu mehr benötigten Betreuungsplätzen. „Die Nachfrage nach Plätzen für Kinder ab einem Jahr liegt bereits bei über 50 Prozent, ab zwei Jahren bei 85 Prozent“, weiß die Sozialdezernentin. „Und es wird sich noch sehr viel tun.“