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Vom 1952er Lanz Glühkopf bis zur Yellow Cab: Kardorfer sammelt historische Traktoren und Autos

Vom 1952er Lanz Glühkopf bis zur Yellow Cab : Kardorfer sammelt historische Traktoren und Autos

Mit 16 Jahren fing alles an: Der Kardorfer Klaus Blank sammelt historische Traktoren und Autos und kommt mittlerweile auf gut zwei Dutzend. Sein erstes Fahrzeug war ein 1952er Lanz Glühkopf.

„Die haben mich alle für bekloppt erklärt“, erinnert sich Klaus Blank (53) an die Zeit, in der er anfing, seinen ersten Traktor zu restaurieren. Es war 1981, und der Boom, die alten Fahrzeuge wiederzuentdecken, begann erst. Blank war 16 Jahre alt, als er einen 1952er Lanz Glühkopf zerlegte, der heute immer noch unter vielen anderen Oldtimern in der Halle des Kardorfer Landmaschinenbetriebs an der Lindenstraße vor sich hin schlummert.

„Mein Vater hatte den ausgemusterten, aber schon damals kaum genutzten Traktor 1972 eigentlich nur wegen seiner gut erhaltenen Reifen gekauft.“ Irgendwie habe es sich dann ergeben, dass der Traktor für Karnevalseinsätze auf dem Hof stehenblieb. Und der jugendliche Klaus Blank hatte seinen Spaß daran. Knappe zwei Jahre später machte er sich auf nach Holstein und sicherte sich dort einen der zuletzt gebauten Lanz 22/38 Kühlerbulldog aus dem Jahr 1935 – der Grundstein einer umfangreichen Sammlung.

Die Leidenschaft für Motoren und Technik scheint den Blanks in die Wiege gelegt zu sein. Schon Großvater Jakob Gremma muss sich früher als Multitalent erwiesen haben. Ende der 20er Jahre soll er der erste Kardorfer mit eigenem Auto gewesen sein, und er hatte auch bereits ein eigenes Telefon im Haus. Um 1910 war der Schmied allerdings noch mit dem Fahrrad rund 80 Kilometer bis nach Altenkirchen im Westerwald unterwegs gewesen, um dort Mähbinder zu reparieren. Früh morgens hin und abends wieder zurück.

„Das kann sich heute keiner mehr vorstellen“, sagt Klaus Blank. Später baute Gremma dann recht erfolgreich Glockentürme im Vorgebirge, bis er mit dem Vater der heutigen Inhaber den Landmaschinenhandel in Kardorf gründete. Die beiden Brüder Walter und Klaus erinnern sich gut an die immer wieder gern erzählte Geschichte, wie gegen Ende des Zweiten Weltkriegs zwei Wehrmachtssoldaten den 170er Mercedes ihres Opas konfiszieren wollten. „Einen Moment, ich hole noch die Papiere“, soll er gesagt haben, verschwand kurz und kam mit einer Pistole wieder. „Und ruck, zuck waren die weg“, so Walter Blank. „Man hätte unserem Opa alles klauen können, nur nicht seine Frau, die Kinder und sein Auto.“ Heute kann sich keiner von beiden erklären, wie es dem Opa zu jener Zeit gelungen sein konnte, aus Mähbinder aus Amerika zu beschaffen.

Import von Ford T- und A-Modellen

Inzwischen ist die neu geschaffene Verbindung in die USA und nach Kanada ein maßgeblicher Teil des Geschäftsmodells. So stammen etliche von Klaus Blanks Oldtimer-Schätzen aus Übersee, die er als Beiladung bei seinen Landmaschinen-Importen „mitnimmt“. Auch wenn noch einige seiner bereits erstandenen Sammlerstücke darauf warten, nach Deutschland transportiert zu werden, ist es ihm bereits gelungen, eins von wahrscheinlich nur noch zwei existierenden Yellow Cabs zu kaufen und zu verschiffen. Mit seinen ebenfalls aus dem Umland von Chicago importierten Ford T- und A-Modellen ist das ein ganz besonderer Fang.

Keiner weiß exakt, wann das Auto gebaut wurde. Auf der Zündspule fand sich jedoch ein Datum von 1919, was auch in etwa dem Baujahr des Chicagoer Taxis entsprechen dürfte. John Daniel Hertz gründete mit diesen Autos 1915 die Yellow Cab Company in Chicago und bot damit Personentransporte zu niedrigen Fahrpreisen an. Nach wie vor trägt ein Mietwagenunternehmen seinen Namen.

Mit dem 1919er Yellow Cab sicherte sich Blank auch gleich beim Oldtimer-Treffen zur Walberberger Kirmes im Juni den Sieg in der Kategorie „Ältester Oldtimer“. Wie viele Traktoren und Autos er inzwischen besitzt und wo sie gerade stehen? Da muss er erst einmal nachdenken. Auf gut zwei Dutzend kommt er. Besonders freut er sich über die beiden zuletzt in Amerika erstandenen VW-Campingbusse T2 aus den 70ern. Mit einem möchte er bald nach England, um mal wieder Tractorpulling-Luft zu schnuppern.

Bei dem Motorsport geht es darum, dass ein mit Gewichten beladener Wagen mit einem Zugfahrzeug möglichst weit geschleppt werden muss. Mehr als 30 Jahre hat er sich mit dem durch Michael Clement, ein Studienkollege seines Bruders aus den USA, in Deutschland eingeführten „Trecker Treck“ beschäftigt. Viel Zeit und Geld investierte er in das Blank-Team „Fiat Super Agri“. „Eine Materialschlacht“, sagt er rückblickend auf die „wilde Zeit“.

Unzählige Pokale zeugen in einer der Garagen auf dem Betriebsgelände von den Erfolgen des Kardorfer Teams. Unter anderem holten sie mit ihren getunten Serien-Schleppern vier Mal den Deutschen Meistertitel ins Vorgebirge. Auch Laien sind beeindruckt, wenn sie erfahren, dass die Serienmotoren von 160 auf 1600 PS umgebaut wurden und in zehn Sekunden rund sechs Liter Diesel schluckten. Von den Rauchwolken, die dabei erzeugt wurden, wolle man gar nicht mehr sprechen. „Aber klar“, zuckt Blank mit den Schultern, „wie sollte man sonst so eine Leistung kriegen?“.