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Pflegeeltern: Jugendamt sucht neue Familien

Pflegeeltern : Jugendamt sucht neue Familien

Die Stadt Bornheim sucht derzeit nach potenziellen Pflegefamilien. Am Dienstag können sich Interessenten bei Infoabend im Bornheimer Jugendamt informieren.

Die junge Mutter ist traumatisiert, kann und will nicht für ihren kleinen Jungen sorgen. Alle Unterstützung vom Jugendamt schlägt fehl: Es wird entschieden, dass es besser für das Kind ist, wenn es in einer Pflegefamilie aufwächst. Fälle wie diesen gibt es auch in Bornheim. "Wenn jetzt keine geeignete Familie zur Verfügung steht, muss das Kind ins Heim", erläutert die Leiterin des Bornheimer Jugendamts, Elvira Garbes. Um das zu vermeiden, sucht die Stadt Bornheim derzeit potenzielle Pflegefamilien und bietet am Dienstag auch einen Infoabend dazu an.

40 Kinder haben derzeit in Bornheimer Pflegefamilien ein neues Zuhause gefunden. Die Gründe, warum Eltern ihr Kind abgeben oder weshalb es aus der Familie genommen wird, sind vielfältig. "Manche Eltern sind zeitweise oder auch dauerhaft erkrankt, oder sie sind nicht in der Lage, das Kind ausreichend zu versorgen", führt Garbe aus. Auch vernachlässigte Kinder und solche, die psychische oder physische Gewalt erlitten haben, sind darunter.

Wer ein Pflegekind bei sich aufnehmen möchte, muss sich daher darüber im Klaren sein, dass jedes Kind, das in eine neue Familie kommt, schon Erfahrungen mitbringe, macht Garbes deutlich: "Selbst, wenn das Kind sofort nach der Geburt in eine Familie kommt: Es wurde abgegeben und hat damit eine Geschichte, die es irgendwann wieder einholt. Das darf man nicht vergessen." Daher könne man nicht einfach denken: "Bei mir in der Familie ist es schön, und es wird schon alles störungsfrei ablaufen." Denn Pflegeeltern und Pflegekind gehörten immer erst einmal zwei verschiedenen Familiensystemen an, mit unterschiedlichen Regeln. "Dass da Konflikte entstehen, ist normal. Es ist eine Kunst, das Kind mit den neuen Regeln der Familie vertraut zu machen. Wenn die Pflegeeltern das verstehen, ist viel gewonnen."

Bei diesem gesamten Prozess, und auch später, wenn das Pflegekind in die Pubertät kommt und sich mit seiner Herkunft beschäftigt, begleite das Jugendamt die Pflegefamilien, sagt Garbes. Allerdings müssen Pflegeeltern wissen, dass es auch immer vorkommen kann, dass das Kind zu den leiblichen Eltern zurück kann. "In der Regel sagen wir, dass diese Möglichkeit besteht, bis das Kind etwa die Hälfte seiner Lebenszeit in der Pflegefamilie gelebt hat."

Nicht jede Familie sei geeignet. Voraussetzungen seien etwa, dass die Pflegeeltern nicht straffällig geworden sind und auch genug Kapazitäten, Geld und Platz haben, um ein Kind bei sich aufnehmen zu können; auch, wenn es eine Unterstützung in Form eines Pflegegeldes gibt. Für interessierte Bewerber als Pflegeeltern bietet das Jugendamt an vier Abenden Vorbereitungsseminare an, in denen Themen wie die rechtlichen Voraussetzungen, Rahmenbedingungen und das Hineinfühlen in die Situation der Kinder, die ihre Familie verlassen mussten, besprochen werden.

Für Interessenten gibt es am Dienstag, 19. Februar, um 19.30 Uhr einem Infoabend im Bornheimer Jugendamt, Brunnenallee 31, Raum 1.21. Kontakt: Beate Vitus, (0 22 22/ 94 37 54 13), Silke Kirsch (0 22 22/94 37 54 65).