Projekt "Ferien vom Krieg": Israelis und Palästinenser reden in Bornheim

Projekt "Ferien vom Krieg" : Israelis und Palästinenser reden in Bornheim

In ihrer Heimat fühlen sie sich oft nicht sicher und stehen sich meist feindlich gegenüber: 48 junge Leute aus Israel und Palästina machen zwei Wochen lang "Ferien vom Krieg": In der Jugendakademie Walberberg versuchen die vermeintlichen "Feinde" in Dialogseminaren aufeinander zuzugehen.

„Anerkennung“, „Ein Teil von etwas sein“, „Shalom“, „Freiheit“, „Verbundenheit“ oder auch „Unsicherheit“ stehen in arabischer, hebräischer oder lateinischer Schrift auf kleinen Zetteln, die in der Raummitte eines Seminarraums in der Jugendakademie Walberberg um Preziosen aus Palästina und Israel gelegt sind. Drumherum werden in wenigen Minuten einige der 48 Israelis und Palästinenser in einem Stuhlkreis sitzen, die zwei Wochen lang auf Einladung des Kölner Komitees für Grundrechte und Demokratie an dem Dialogprojekt „Ferien vom Krieg“ teilnehmen.

Bereits seit 2002 organisiert der Kölner Verein jährlich zwei solcher Zusammenkünfte in Walberberg, die ausschließlich über private Spenden finanziert werden. „Es gibt auf beiden Seiten den Wunsch, miteinander zu sprechen“, sagt Projektkoordinatorin Katharina Ochsendorf.

24 Teilnehmer aus Israel und Palästina angereist

Zu Beginn dieser Woche sind jeweils 24 junge Frauen und Männer im Alter von 20 bis 30 Jahren aus Israel und Palästina angereist. Während das für die Israelis logistisch kein Problem darstellt, ist es für die Palästinenser mit erheblichem Aufwand verbunden, ihr Land verlassen zu können.

Bei einem Besuch der Jugendakademie wird deutlich, wie groß die Angst der Teilnehmer beider Länder ist, mit dem Zusammentreffen ihres Feindes in Verbindung gebracht zu werden. Niemand möchte namentlich oder auf einem Foto erscheinen. In Zeiten von sekundenschneller Übermittlung von Fotos über Whatsapp, Twitter und Facebook, scheint es nicht einfach, „Ferien vom Krieg“ zu machen. Der Konflikt ist latent in den Köpfen der Beteiligten vorhanden. „Es ist vor allem für die Palästinenser schwer“, sagt die israelische Koordinatorin, „darüber zu sprechen, dass sie hier mit Israelis zusammenkommen.“ Doch auch sie möchte aus Sicherheitsgründen nicht namentlich genannt werden. Auf die Frage nach den generellen Vorurteilen der Israelis den Palästinensern gegenüber antwortet sie ohne einen Moment zu zögern: „They want to kill us!“ (Sie wollen uns töten). Doch ergänzt sie, dass beide Seiten so übereinander denken. Doch treffe dies nicht auf alle Teilnehmer in der Jugendakademie zu, da sie ja einiges dafür unternommen hätten, um voneinander etwas zu erfahren.

In Palästina wird den potenziellen Teilnehmern unterstellt, durch ein Zusammentreffen mit den Israelis die Besatzungsverhältnisse zu normalisieren. Das kann im Einzelfall zu dramatischen Konsequenzen führen. Doch auch in Israel steigt der Druck auf diejenigen, die sich für die Rechte von Palästinensern einsetzen. Israelis, die sich offen gegen die Politik ihrer rechts-konservativen Regierung stellen, werden zunehmend als Verräter angesehen und müssen mit gesellschaftlichen und staatlichen Repressionen rechnen. Bis heute ist auf politischer Ebene keine Lösung des Konflikts in Sicht.

Konstruktive Gespräche

„Das Projekt 'Ferien vom Krieg' versteht sich als eine Graswurzelbewegung, in der die Teilnehmer lernen, sich in die Perspektive der Anderen hineinzuversetzen“, erklärt Friedens- und Konfliktforscherin Ochsendorf. Oft sei es das erste Mal, dass die Konfliktparteien in Bornheim ihren „Feinden“ begegneten und auf Augenhöhe mit ihnen diskutieren könnten.

Um konstruktive Gespräche miteinander führen zu können, wurde die erste Woche in der Jugendakademie dazu genutzt, eine Basis für die „Gewaltfreie Kommunikation“ nach Marshall Rosenberg zu schaffen. Danach ist Empathie eine Grundvoraussetzung für eine gelingende Kommunikation. „Was dann wichtig wird“, sagt Projektbegleiterin Schulamith Weil, „ist, dass jeder seine persönliche Geschichte erzählt und dass man fragt, 'Wie bist du mit dem Konflikt in Kontakt gekommen?'.“ Palästinenser antworteten in der Regel, sie wüssten gar nicht, wo sie anfangen sollten, da ihr Leben von Geburt an aus dem Konflikt bestünde. Israelis dagegen reagierten unterschiedlich. Manche hätten Angst vor Anschlägen oder auch schon Freunde oder Angehörige dabei verloren.

Doch oft seien ihnen die Geschichten neu, die sie von der anderen Seite hörten. „Viele Israelis kennen den Konflikt nur aus den Medien“, so Weil. „Wir versuchen sie darin zu üben, zu unterscheiden zwischen: Was habe ich nur gehört, was habe ich dazu gefühlt und an was denke ich dabei?“